Eskalation der Gewalt US-Armee verlegt Truppen in den Irak

Dutzende Tote bei Bombenanschlägen gestern, Dutzende Tote heute - wegen der anhaltenden Gewalt im Irak ziehen die USA Truppen im Land zusammen. Eine Reserve-Einheit aus Kuweit soll helfen, den Terror einzudämmen.


Washington/Bagdad - Einige Mitglieder der 3500 Mann starken Einheit waren bereits in den vergangenen Monaten im Irak im Einsatz. Der US-Botschafter im Irak, Zalmay Khalilzad, räumte ein, dass Teile der irakischen Provinz Anbar in den Händen von Aufständischen sind. Seit Ende vergangenen Jahres wurden dort fast ein Dutzend Stammesführer ermordet, die mit den US-Truppen zusammengearbeitet hatten.

Jede Woche werden nach einem Bericht der Tageszeitung "al-Sabah" 60 bis 100 Opfer von Anschlägen und Morden anonym auf Friedhöfen in Bagdad, Nadschaf und Kerbela bestattet. Wenn Angehörige die Toten mittels Fotos nachträglich identifizierten, könnten die Familien diese andernorts beerdigen. Insgesamt würden nach Angaben der Behörden täglich 30 bis 50 gewaltsam zu Tode gekommene Iraker in die Leichenhallen des Landes gebracht.

Am Dienstagabend kamen bei einem Granatenangriff sieben Zivilisten auf einem belebten Marktplatz in Husseinija nordöstlich von Bagdad ums Leben. Zwölf Menschen wurden verletzt, wie Augenzeugen berichteten. Anderen Quellen zufolge waren es bei diesem Anschlag 22 Tote und 58 Verletzte. Insgesamt sollen heute 44 Menschen getötet worden sein.

Unterdessen verlängerte das dänische Parlament am Dienstag das Mandat für den Einsatz von knapp 500 Soldaten im Irak um ein Jahr bis zum 1. Juli 2007. Die dänischen Einheiten sind im Süden des Iraks um Basra unter britischem Oberkommando stationiert.

Saddam-Prozess fortgesetzt

Mit der Befragung von Zeugen der Verteidigung wurde der Prozess gegen den früheren Machthaber Saddam Hussein und sieben Mitangeklagte in Bagdad fortgesetzt. Der Vorsitzende Richter Rauf Abdel Rahman rief die Verteidiger dazu auf, keine weiteren Zeugen zu benennen. Das Gericht sei nicht gezwungen, alle Zeugen anzuhören. Saddam Hussein forderte, für die Verteidigung müsse das gleiche Recht wie für die Anklage gelten. Bisher haben die Anwälte der Angeklagten 127 Zeugen benannt. In dem Prozess geht es um die Hinrichtung von 148 Einwohnern des Ortes Dudschail nach einem gescheiterten Attentat auf Saddam im Jahr 1982. Saddam droht die Todesstrafe.

asc/dpa/AFP



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