Vor dem Muslimbrüder-Prozess Gewalt und Festnahmen bei Protesten in Kairo

Neue Proteste in Ägypten: Vor dem Prozess gegen die Führungsriege der Muslimbrüder ist es in Kairo zu Ausschreitungen zwischen Polizei und studentischen Demonstranten gekommen. 17 von ihnen wurden festgenommen.

Proteste in Kairo: Polizei setzt Tränengas und Schrotmunition ein
AP/dpa

Proteste in Kairo: Polizei setzt Tränengas und Schrotmunition ein


Kairo - Die Gewalt in Ägypten flammt wieder auf. Die Polizei hat während einer Protestaktion von Studenten in Kairo nach eigenen Angaben 17 Demonstranten festgenommen. Zuvor war es auf einer Straße in der Nähe der Universität al-Aschar zu Prügeleien zwischen Taxifahrern und islamistischen Studenten gekommen, die der verbotenen Muslimbruderschaft nahestehen.

Wie Vertreter der Sicherheitsdienste mitteilten, zogen die Demonstranten von der renommierten Universität zu einer nahe gelegenen Straße und blockierten sie. Polizisten und Soldaten räumten die Straße unter Einsatz von Tränengas und Schrotmunition. Die Straße war nach der Räumung mit Glassplittern, Steinen und Tränengasgranaten übersät, berichtete ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP.

Bei der Demonstration kritisierten die Studenten in Sprechchören den bevorstehenden Prozess gegen die Führungsriege der Muslimbrüder. Am Dienstag sollen das Oberhaupt der Islamisten-Organisation, Mohammed Badie, sowie 35 weitere führende Muslimbrüder erstmals vor Gericht erscheinen. Sie sind wegen der Tötung von neun Demonstranten bei Protesten vor dem Sitz der Muslimbruderschaft in Kairo angeklagt.

Jugendbewegung 6. April wählt neuen Chef

Während die islamistischen Studenten auf die Straße gingen, rief die größte linksrevolutionäre Oppositionsgruppe des Landes ihre Mitglieder zur Abstimmung über eine neue Führung auf: Die ägyptische Jugendbewegung 6. April hat am Montag den 29-jährigen Amr Ali zum neuen Chefkoordinator gewählt.

Wie die staatliche Zeitung "al-Ahram" berichtet, erhielt Amr Ali fast 56 Prozent der Stimmen. Ali tritt die Nachfolge von Ahmed Maher an. Der 32-Jährige hatte die Bewegung im Jahr 2008 mitbegründet und stand seitdem an ihrer Spitze. Ali war bislang Mitglied des Politbüros der Organisation. Maher hatte sich der Neuwahl nicht gestellt. Er will in einem künftigen "Weisenrat" die Bewegung als Berater unterstützen.

Die Jugendbewegung 6. April war während eines Streiks der Textilarbeiter in der Nildelta-Stadt Mahalla entstanden. Bald profilierte sie sich als linke und syndikalistische Opposition gegen das Regime des Langzeitherrschers Husni Mubarak. Ihre Aktivisten waren an der Mobilisierung der Massenproteste maßgeblich beteiligt, die im Februar 2011 zum Sturz Mubaraks führten.

Die Bewegung unterstützte im Juni dieses Jahres die Forderungen von Teilen der Bevölkerung nach einem Rücktritt des gewählten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi. Nach der gewaltsamen Entmachtung Mursis durch das Militär und nach der blutigen Niederschlagung der Proteste von dessen Anhängern ging die Organisation zu den neuen Machthabern in Opposition.

bos/dpa/AFP

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ya_soliman 28.10.2013
1. Al-Azhar Uni leidet fast jeden Tag unter Gas-Angriff
Als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Al-Azhar Uni. bin ich Augezeuge der Studentendemostrationen. Ich verfolge, allles, was in der Uni passiert. Die Politizisten reagieren mit grausamer Gewalt gegen die Demos. Die Gasbomben erreichen bis zu uns in den Hörsaalen. Ich weiß nicht wo die Menschenrechte, auf die Der Westen ist!
kerlyn2108 29.10.2013
2. Angst
"Die drei Richter legten am Dienstag ihr Mandat aus Gewissensgründen nieder" Die ersten drei Richter haben erkannt, dass langfristig die Muslimbrüder in Ägypten siegen werden. Daher sind diese angeblichen Gewissensgründe nur vorgeschoben, um nicht selber bald unter die Räder zu kommen.
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