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27. November 2010, 09:19 Uhr

Eskalation in Asien

Südkoreas Militär droht Norden mit tausendfacher Vergeltung

Der Konflikt zwischen Seoul und Pjöngjang verschärft sich. Der neue südkoreanische Verteidigungsminister hat scharfe Reaktionen auf Provokationen des Nordens angekündigt. Das geplante Manöver der südkoreanischen Marine mit US-Truppen sorgt zusätzlich für Zündstoff.

Seoul/Seongnam - Die Sorge um einen neuen Korea-Krieg wächst: Der neue südkoreanische Verteidigungsminister hat sich für ein härteres Vorgehen gegen Nordkorea ausgesprochen. "Wir müssen auf Provokationen Nordkoreas scharf reagieren", sagte Kim Kwan Jin zu Mitarbeitern des koreanischen Präsidenten. Das berichtet die Zeitung "Chosun Ilbo". Der bisherige Verteidigungsminister war wegen des Beschusses der Insel Yeonpyong durch Nordkorea zurückgetreten.

Bei dem Angriff mit Artilleriegeschossen waren am Dienstag mindestens vier Menschen getötet worden. An der südkoreanischen Regierung hatte es danach Kritik gegeben, nicht entschlossen genug auf den Angriff reagiert zu haben. Der neue Verteidigungsminister bringt sich zum Amtsantritt deswegen mit deutlichen Aussagen in Position: Südkorea müsse mit vielfacher Härte zurückschlagen.

Es war der schwerste Vorfall zwischen den verfeindeten Staaten seit dem Ende des Korea-Kriegs 1953. Seitdem wächst die Sorge, der Streit der beiden Länder könnte weiter eskalieren. Bei der Beisetzung zweier bei dem Angriff getöteter Soldaten am Samstag kündigte der Kommandeur der südkoreanischen Marineinfanterie zudem "tausendfache Vergeltung" an.

Flottenmanöver verärgert Nordkorea

Nordkorea hatte zuvor bereits mit weiteren Angriffen gedroht. Weil Südkorea und die USA wie geplant am Sonntag ein großes Flottenmanöver abhalten wollen, stehe die ganze Region am Rand eines neuen Kriegs. Nordkorea nannte die Übung am Samstag eine "unverzeihliche Provokation". Sollte nordkoreanisches Gebiet verletzt werden, würde die Hochburg der Feinde in eine See von Feuer verwandelt, hieß es auf der staatlichen Website Uriminzokkiri.

Zu dem Manöver wird auch der atomgetriebene Flugzeugträger "USS George Washington" im Gelben Meer erwartet. Es findet nur rund 110 Kilometer südlich von der Insel Yeonpyeong statt, die am Dienstag beschossen wurde. Die USA haben mehr als 28.000 Soldaten in Südkorea stationiert.

China, der engste Verbündete Nordkoreas, rief beide Seite zu Zurückhaltung auf. In Gesprächen mit Vertretern der Regierungen in Pjöngjang und Seoul bemühte sich China um eine Beruhigung in dem Konflikt. Peking messe dem jüngsten Schusswechsel zwischen Nord- und Südkorea "größte Aufmerksamkeit" bei, hieß es in einer Erklärung des chinesischen Außenministeriums. Beide Seiten sollten Ruhe bewahren und Zurückhaltung üben, so schnell wie möglich in Kontakt treten und die Probleme in Verhandlungen und Dialog lösen.

USA fordern stärkere Einmischung Chinas

"Die drängendste Aufgabe ist jetzt, die Situation unter Kontrolle zu bringen und eine Wiederholung ähnlicher Vorfälle zu vermeiden", erklärte Außenminister Yang nach Gesprächen mit dem nordkoreanischen Botschafter in Peking, Chi Jae Ryong, und einem Telefonat mit dem südkoreanischen Außenminister Kim Sung-hwan weiter.

Wie die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am Freitagabend berichtete, habe Außenminister Yang Jiechi die Lage auch in einem Telefonat mit seiner US-Kollegin Hillary Clinton erörtert. Peking hatte sich zuvor kritisch zu dem geplanten Militärmanöver geäußert.

US-Generalstabschef Mike Mullen erklärte, die USA hätten China zu einem stärkeren Druck auf Nordkorea aufgefordert, um eine Eskalation im Korea-Konflikt zu verhindern. Warum China bislang nicht mäßigender auf Nordkorea einwirke, sei nur schwer zu erklären, sagte Mullen in einem am Freitag vorab veröffentlichten CNN-Interview. Nach seiner Einschätzung versuche die Führung in Peking den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Il zu kontrollieren. Aber das sei kaum möglich, denn Kim sei unberechenbar.

ore/dpa/Reuters/dapd

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