Leichenfund in Essex Weitere Verdächtige in Irland und Vietnam festgenommen

Nach dem Fund von 39 Leichen in einem Lkw nahe London ist ein weiterer Mann in Irland festgesetzt worden. Auch in Vietnam gab es Festnahmen - in der Provinz, aus der viele der Toten stammen könnten.

Lkw in der britischen Grafschaft Essex: Wer die 39 Toten in dem Fahrzeug waren, ist weiter unklar
Ben STANSALL/ AFP

Lkw in der britischen Grafschaft Essex: Wer die 39 Toten in dem Fahrzeug waren, ist weiter unklar


Der Fall hatte für Entsetzen gesorgt: Östlich von London wurde vor gut einer Woche ein Lastwagen mit 39 Leichen gefunden. Jetzt haben die Behörden in Irland einen weiteren Verdächtigen festgenommen. Zudem gab es in Vietnam ebenfalls zwei Festnahmen.

Allen drei Personen wird Menschenschmuggel vorgeworfen. Die Festnahmen in Vietnam erfolgten in der Provinz Ha Tinh, aus der auch ein Großteil der Todesopfer stammen soll, wie die Polizei mitteilte. Den beiden Verdächtigen werde vorgeworfen, in den Fall verwickelt zu sein. Ihr Geschäftsmodell sei es, die Ausreise und den "illegalen Aufenthalt" im Ausland für andere Menschen zu organisieren, teilte die Polizei weiter mit.

Bei dem Festgenommenen in Irland handelt es sich um einen 23 Jahre alten Mann. Sicherheitskräfte vollstreckten einen europäischen Haftbefehl gegen ihn. Das teilte die britische Polizei mit. Die Behörde kündigte an, die Auslieferung des Verdächtigen zu beantragen, der aus dem britischen Nordirland stammt. Ihm werden neben Menschenhandel auch Totschlag in 39 Fällen sowie Einwanderungsvergehen vorgeworfen. Zudem forderte die Polizei zwei verdächtige und ebenfalls aus Nordirland stammende Brüder auf, sich den Behörden zu stellen.

"Wir brauchen Sie, um diese Untersuchung zu unterstützen", sagte Chefinspektor Daniel Stoten von der Polizei der Grafschaft Essex in der nordirischen Hauptstadt Belfast an die Männer gerichtet. Die Polizei habe mit dem älteren Bruder telefoniert. Nähere Angaben zu dem Gespräch machte Stoten nicht. Es sei aber unerlässlich, die 40 und 34 Jahre alten Männer persönlich zu verhören.

Fahrer des Wagens ist bereits angeklagt

Die Brüder betreiben ein Transportunternehmen in der nordirischen Stadt Armagh. Sie werden wegen Totschlags und Menschenhandels gesucht, nachdem am 23. Oktober die Leichen von 31 Männern und acht Frauen in einem Kühllaster entdeckt worden waren. Der Fahrer des Wagens, ein 25 Jahre alter Nordire, wurde bereits wegen Totschlags in 39 Fällen, Beteiligung an Menschenhandel, Beihilfe zur illegalen Einwanderung sowie Geldwäsche angeklagt und sitzt in Haft. Drei andere Verdächtige kamen gegen Kaution frei.

Stoten sagte, die nordirische Polizei habe am Donnerstag einen Lastwagen sichergestellt, der in Verbindung mit den Brüdern stehe. Es habe aber keine weiteren Festnahmen gegeben.

Die Bemühungen zur Identifizierung der Opfer dauern derweil weiter an. Ersten Angaben zufolge handelte es sich um Chinesen, allerdings deutet mittlerweile einiges darauf hin, dass viele Opfer aus Vietnam stammen. Großbritannien hatte zu Wochenbeginn Unterlagen in das südostasiatische Land geschickt, die bei der Identifizierung der Toten helfen sollen. Zudem wurden DNS-Proben von mutmaßlichen Verwandten der Opfer in Vietnam genommen. Bislang konnte jedoch noch keines der Opfer offiziell identifiziert werden.

Vermutlich sind die Menschen ins Land geschleuste Migranten. Die Zugmaschine des Lastwagens, in dem die Leichen gefunden wurden, war aus Irland gekommen. Der Auflieger wurde per Schiff über den belgischen Hafen Zeebrugge in den englischen Hafen Purfleet gebracht.

aev/dpa



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