39 Tote in Lkw-Container Zwei Wohnungen in Nordirland durchsucht

In einem Lastwagen im britischen Essex sind 39 Leichen gefunden worden. Viele Fragen sind noch offen. Im Zuge der Ermittlungen soll es nun Hausdurchsuchungen in der nordirischen Heimat des Fahrers gegeben haben.

Polizei stellt Lkw sicher: Nach ersten Erkenntnissen handelt es sich bei den Toten um 38 Erwachsene und einen Teenager
VICKIE FLORES/EPA-EFE/REX

Polizei stellt Lkw sicher: Nach ersten Erkenntnissen handelt es sich bei den Toten um 38 Erwachsene und einen Teenager


Die britische Polizei hat am Mittwoch Dutzende Leichen in einem Lastwagen-Container entdeckt. Zu den Hintergründen ist einen Tag nach dem Fund wenig bekannt, die Polizei hat Mordermittlungen aufgenommen. Britischen Medien zufolge soll es in der Nacht erste Razzien gegeben haben.

Demnach seien zwei Wohnungen in Nordirland durchsucht worden - dem Herkunftsland des Lastwagenfahrers. Von einem Zusammenhang mit dem Fall sei stark auszugehen, hieß es. Den Berichten zufolge könnten die Menschen im Laderaum erfroren sein, da es sich bei dem großen Lkw-Sattelauflieger um einen Kühlcontainer handelte.

Im Video: 39 Leichen in einem Lastwagen in Essex entdeckt

Bei den noch nicht identifizierten Toten handelt es sich laut Polizei um 38 Erwachsene und einen Teenager. Bisher deutet einiges daraufhin, dass es sich um ins Land geschleuste Migranten handelt. Offiziell bestätigt ist das bislang aber ebenso wenig wie die Todesursache. Unklar ist auch, ob der unter Mordverdacht festgenommene Lastwagenfahrer überhaupt wusste, dass die Menschen in dem Anhänger waren.

Polizeiangaben zufolge war der Anhänger per Schiff vom belgischen Hafen Zeebrugge ins englische Purfleet transportiert worden und dort am frühen Mittwochmorgen angekommen. Purfleet ist nicht weit entfernt von jenem Ort im Industriegebiet der Stadt Grays, an dem der Container schließlich entdeckt wurde.

Wer Rettungskräfte alarmierte, ist unbekannt

Bisherigen Ermittlungen zufolge wurde der Container anscheinend eine halbe Stunde nach Mitternacht (Ortszeit) vom Schiff an Land verfrachtet und dort an die - offenbar aus Nordirland gekommene - Sattelzugmaschine gekoppelt. Das Gespann habe den Hafen dann kurz nach 1 Uhr verlassen. Sanitäter hätten die Polizei schließlich gegen 1.40 Uhr über den Leichenfund im Lastwagen informiert, hieß es. Wer die Rettungskräfte alarmiert hatte, ist nicht bekannt.

Gemeldet war der Lkw seit 2007 in der bulgarischen Hafenstadt Warna am Schwarzen Meer, wie Bulgariens Ministerpräsident Boiko Borissow sagte. Seitdem sei das Fahrzeug nicht mehr im Land gewesen. Nach Angaben eines bulgarischen Frachtverbandes ist dies aus Steuergründen nicht unüblich.

Der Leichenfund erinnert an vergleichbare Fälle: Im Jahr 2000 fanden britische Zollbeamte in Dover die Leichen von 58 Chinesen in einem Tomatentransporter. Der Fall gilt als die bisher schwerste Flüchtlingstragödie in Großbritannien. Vor drei Jahren starben auf dem Weg nach Deutschland 71 Flüchtlinge in einem Kühllastwagen in Österreich. Der abgestellte Lkw mit den Leichen der Flüchtlinge war am 27. August 2015 auf einer Autobahn in Österreich gefunden worden.

Der britische Premier Boris Johnson äußerte sich bestürzt nach dem Fund in Essex. Auf Twitter schrieb er, er sei "entsetzt von dem tragischen Vorfall in Essex" und bekundete den Hinterbliebenen der Toten sein Beileid. Auch die Bundeskanzlerin drückte ihre Anteilnahme aus. Angela Merkel sei tief erschüttert von dem qualvollen Tod der Menschen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

asc/dpa



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