Ethnische Unruhen Tausende Menschen in Burma auf der Flucht

Die Rohingya in Burma gelten als eine der am stärksten verfolgten Minderheiten der Welt. Jetzt wurden Dutzende Menschen getötet, als bei Zusammenstößen zwischen Buddhisten und Muslimen im Westen des Landes ein ganzes Stadtviertel niedergebrannt wurde. Satellitenbilder zeigen das Ausmaß der Zerstörung.

Human Rights Whatch

Sittwe - Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Buddhisten und Muslimen sind in Burma in den vergangenen Tagen mindestens 67 Menschen getötet worden. Die Uno schätzt die Zahl der Flüchtlinge auf 80.000. Vor wenigen Tagen sollen in der muslimischen Siedlung Kyaukpyu mehr als 800 Häuser niedergebrannt worden sein. Beobachter werten die Zusammenstöße als ethnische Säuberungen.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch(HRW) hat jetzt Satellitenbilder des Viertels veröffentlicht, das komplett niedergebrannt wurde, und fordert die Regierung auf, mehr zum Schutz der muslimischen Rohingya-Minderheit zu tun. Auch Amnesty International verlangt von der Regierung, den Kreislauf von Diskriminierung und Gewalt zu brechen.

Die Satellitenbilder zeigen das Ausmaß der Verwüstung. Unbestätigten Berichten zufolge versuchten viele Rohingya mit Booten in Richtung der Stadt Sittwe oder ins benachbarte Bangladesch zu fliehen. Andere machten sich auf den Weg zu schon jetzt völlig überfüllten Flüchtlingslagern im Westen des Landes, teilte das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mit.

Kyaukpyu liegt im Westen des Landes, im Küstenstaat Rakhine. Dort stellt die Volksgruppe der Rohingya die Mehrheit, welche die birmanische Staatsangehörigkeit nicht besitzt und in ihren Rechten erheblich eingeschränkt ist. Mit einem Anteil von vier Prozent an der Bevölkerung sind die Muslime eine kleine Gruppe in Burma, 89 Prozent sind Buddhisten. Die Uno sieht die Rohingya als eine der am stärksten verfolgten Minderheiten der Welt an.

Noch am Freitag hatte ein Regierungssprecher die Zahl der bei den Unruhen Getöteten auf 112 beziffert - Stunden später senkten die staatlich kontrollierten Medien die Zahl auf 67. Im Juni brachen Unruhen aus, nachdem Muslime angeblich eine Buddhistin vergewaltigt haben sollen. Damals wurden 90 Menschen getötet und 3000 Häuser niedergebrannt. In Burma leben rund eine Million Rohingya. Sie werden seit Jahrzehnten drangsaliert. Die Regierung verweigert ihnen die Staatsbürgerschaft und will sie abschieben .

Von den etwa drei Millionen Rohingya lebt etwa die Hälfte außerhalb Burmas, in Bangladesch, Pakistan, Saudi-Arabien, Thailand, Malaysia und Indonesien, aber auch in Europa und Australien. In Burma ließen sich vor Jahrhunderten arabische Kaufleute und Einwanderer aus Bengalen nieder. Es entstand eine ganz eigene Kultur, eine eigene Sprache und damit eine eigene Identität.

Mit der Entlassung Burmas aus britischer Kolonialherrschaft 1948 erhielten die Rohingya einen Status als Minderheit. Doch das Militär, das 1962 die Macht übernahm, verfolgte eine Politik der "Burmanisierung" des Landes: In den vergangenen Jahren berichteten Flüchtlinge immer wieder von ethnischen Säuberungen in Westburma, von Massenvergewaltigungen und der systematischen Ermordung vieler Männer . Ihnen wird die Staatsangehörigkeit Burmas verweigert, damit sind sie offiziell staatenlos.

Warum den Rohingya ein solcher Hass entgegenschlägt, kann niemand begründen. Staatliche Zeitungen in Burma nennen sie offen "kalar", also "Schwarze". Sie werden als "Araber" und "Bengalen" beschimpft, was verdeutlichen soll, dass sie nicht nach Burma gehören.

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insgesamt 28 Beiträge
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woodeye 27.10.2012
1. Ein weiterer Artikel, der (wieder einmal) einseitig ist !
HRW Human Right Watch ergreift eindeutig Partei fuer die Muslime, deren Kader laengst mit einer zweifelhaften Propagandaschlacht gegen Burma und seine buddhistische Bevoelkerung begonnen haben. Es verwundert sehr, dass sich der HRW da scheinbar bedingungslos anschliesst und mit ins Horn islamischer Strategen blaest. Es ist erwiesen, dass Muslime mit dem Niederbrennen von Doerfern begonnen haben, in denen mehrheitlich Buddhisten wohnen. Und es ist ein Fakt, dass 'der Islam' im Allgemeinen zu einer sehr viel groesseren (politisch-religioes motivierten) Gewaltanwendung neigt, als dies bei anderen Religionen der Fall ist. Das ist u.a. einer der Gruende, warum die 800 000 Muslime, ueberwiegend Fluechtlinge aus Bangladesh, von Burma und seiner Bevoelkerung abgelehnt werden. Der HRW sollte sich mehr mit Bangladesh auseinandersetzen, wo das (islamisch-soziale) Problem urspruenglich herstammt und vielleicht auch an die islamischen OIC-Laender appelieren, die muslimischen Wirtschaftsfluechtlinge bei sich aufzunehmen
dpirhana 27.10.2012
2. Da wackelt das Weltbild
Seit Monaten werden die Progrome an den Muslimen in Burma totgeschwiegen, jetzt berichtet Spon endlich darüber. Natürlich passt es nicht in das Weltbild der westlichen Gutbürger, dass (eigentlich) gute Buddhisten die (sonst immer) bösen Muslime drangsalieren. Da muss ja ein Verschwörung im Spiel sein, an der UNO und Human Rights Watch natürlich mitwirken.
mickt 27.10.2012
3. Furchtbar…
Danke für den Bericht. Gruselig. Es tut mir sehr leid für die Rohinygas. Ich würde mich freuen, wenn die Buddhisten in Burma sich ihrer Werte und der Lehre von Buddha erinnern: Niemandem zu schaden. Es sind ethnische Unruhen sagen Experten, trotzdem es ist für mich ein eklatanter Widerspruch, dass in einem Land in dem 89% Buddhisten die Rohingya eine der am stärksten verfolgten Minderheiten der Welt sind. Da kann ich mich als Buddhist nur schämen. Gerne würde ich was tun für die Rohingyas. Aber außer beten kann ich wohl nicht viel machen.
Das_Müh 27.10.2012
4.
@woodeye: Es ist also erwiesen, dass die Muslime begonnen haben? Lässt sich das auch belegen? Was Sie so als erwiesen darstellen, lässt sich trotz intensivster Recherche nicht belegen. Eine Quellenangabe wäre bei einer solch gewagten Behauptung sehr schön.
thomas13 27.10.2012
5. @woodeye
na das ist ja interessant, wie sie hier Opfer zu Tätern machen. Aus ihrer Sicht ist es also völlig in Ordnung dass die Menschen dort massakriert werden? Und zwar, weil es Muslime sind? Weil sie angeblich (und da würde mich ihre Quelle ja mal sehr interessieren) zuerst gezündelt haben? Die Leute, deren Häuser man da niederbrennt sind also selbst schuld? Das erinnert mich doch sehr an die pseudo- Argumente, die immer wieder hervorgebracht werden, wenn es um Vertreibungen (oder schlimmerem) von Roma und Sinti geht.
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