EU-Afrika-Gipfel Simbabwes Informationsminister beschimpft Merkel als Rassistin

"Mund halten", "sie soll verschwinden": Erst attackierte Präsident Mugabe die Kanzlerin, jetzt legt Informationsminister Ndlovu nach. Weil Angela Merkel die Menschenrechtslage in dem Staat scharf kritisiert hatte, bezeichnete er die Regierungschefin nun als "Rassistin".


Harare - Der EU-Afrika-Gipfel in Lissabon endete im Streit - einen Tag nach dem Treffen verschärft sich der Ton zwischen Simbabwe und Deutschland: Mit schweren verbalen Angriffen hat Simbabwe auf die Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Menschenrechtslage in dem afrikanischen Land reagiert.

Simbabwes Informationsminister Ndlovu: "Das ist höchster Rassismus von einem deutschen Regierungschef"
AP

Simbabwes Informationsminister Ndlovu: "Das ist höchster Rassismus von einem deutschen Regierungschef"

Informationsminister Sikhanyiso Ndlovu bezeichnete die Kanzlerin als Rassistin. "Sie sollte den Mund halten oder abhauen. Simbabwe ist keine deutsche Kolonie, das ist Rassismus von einem deutschen Regierungschef!", sagte Ndlovu laut einem Bericht der staatlich kontrollierten Zeitung "The Herald".

Präsident Robert Mugabe sei zusammen mit dem verstorbenen Vizepräsidenten Joshua Nkomo "ohne Zweifel eine unbestrittene Ikone des afrikanischen Nationalismus, des Panafrikanismus, ein Revolutionär und Befreier Simbabwes", sagte Ndlovu.

Merkel sei nicht qualifiziert, um sich zu Simbabwe zu äußern, fügte der Informationsminister hinzu. Denn die Kanzlerin habe "schmutzige Hände", ihre Nähe zum Nationalsozialismus habe sie gezeigt, als sie kürzlich Dreharbeiten von US-Schauspieler Tom Cruise zu dem Film "Valkyrie" über das gescheiterte Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 verhindert habe - eine ausgeprochen merkwürdige Interpretation durch den Informationsminister. Denn in Wirklichkeit hatte Merkel einen Streit um eine Drehgenehmigung im Bendlerblock beendet, indem sie die Zustimmung erteilte - zuvor hatten sich Finanz- und Verteidigungsministerium ablehnend geäußert.

Mit seinen Attacken reagierte Ndlovu auf Äußerungen von Merkel beim EU-Afrika-Gipfel - die Kanzlerin hatte am Samstag die Menschenrechtslage in Simbabwe angeprangert. "Wir dürfen nicht wegschauen, wenn Menschenrechte mit Füßen getreten werden", hatte sie gesagt und hinzugefügt: "Der jetzige Zustand von Simbabwe schadet dem Bild des neuen Afrikas."

Mugabe warf Deutschland daraufhin "Arroganz" vor. Er bezeichnete Deutschland, Dänemark, Schweden und die Niederlande in Lissabon als arrogante "Viererbande", denen ein solches Urteil nicht zustünde.

Auch Mugabes afrikanischen Kollegen kritisierten die Bundeskanzlerin. Der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki etwa bezeichnete Merkels Ansichten als realitätsfremd. Der senegalesische Präsident Abdoulaye Wade sagte, zwar schätze er Merkels Eingangsrede beim EU-Afrika-Gipfel, ihre Kritik an Simbabwe beruhe jedoch auf "ungenauen" Informationen.

hen/AFP/dpa



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