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17. Oktober 2001, 17:33 Uhr

EU-Außenminister

Uno soll Friedensplan für Afghanistan ausarbeiten

Trotz der anhaltenden US-Luftangriffe auf Afghanistan bereitet sich die Europäische Union bereits auf die Zeit nach dem Sturz des Talibanregimes vor. Eine Entsendung von Blauhelmen nach Afghanistan war offenbar kein Thema des Treffens in Luxemburg.

Luxemburg - Die 15 Außenminister der Mitgliedstaaten sprachen sich in Luxemburg für eine stabile Regierung für Afghanistan, welche die politischen Gruppen des Landes repräsentiert und zur Stabilität der ganzen Region beiträgt. Bei der Ausarbeitung eines Friedensplans soll die Uno eine zentrale Rolle spielen. Weiter erklärten sie, die humanitäre Soforthilfe für das vom Bürgerkrieg zerstörte Land habe eine "absolute Priorität". Sie bekräftigten auch ihre "völlige Solidarität mit den USA" im Kampf gegen den Terrorismus.

"Es geht um die Sichtbarkeit der Europäischen Union bei der Bewältigung einer zentralen Krise," sagte Bundesaußenminister Joschka Fischer. Auch der britische Außenminister Jack Straw erklärte: "Die Europäische Union hat eine wichtige Rolle in der Zukunft Afghanistans zu spielen." In ihrer Schlusserklärung verwiesen die Außenminister auf die mehr als 640 Millionen Mark an humanitärer Hilfe, die die EU und ihre Mitgliedstaaten schon bereitgestellt haben.

Ein Appell an die USA und Großbritannien, die Luftangriffe auf Ziele in Afghanistan auszusetzen, stand nach Auskunft aus Delegationskreisen nicht zur Debatte, auch wenn die schwedische Außenministerin Anna Lindh die USA aufforderte, "so schnell und ehrlich wie möglich über alle Probleme und missglückten Aktionen" zu berichten.

Über eine Entsendung von Blauhelmen, die der im römischen Exil lebende afghanische König wünscht und die der italienische Außenminister Renato Ruggiero angesprochen hatte, habe bei den Gesprächen laut Auskunft des außenpolitischen Repräsentanten der EU, Javier Solana, keine Rolle gespielt. Fischer nannte die Diskussion darum "Spekulation der weiten Ferne". Angesichts der Tatsache, dass die Uno sogar schon aus Teilen Pakistans ihre Mitarbeiter abzieht, wäre auch eine Einrichtung von Schutzzonen eine kaum zu bewältigende Herausforderung.

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