EU-Austritt Tony Blair fordert zweites Brexit-Referendum

Der britische Ex-Premier Tony Blair hält den Austritt Großbritanniens aus der EU für katastrophal - und hat einen Vorschlag: Die Briten sollten einfach noch einmal abstimmen.
Tony Blair, britischer Ex-Premier

Tony Blair, britischer Ex-Premier

Foto: Getty Images/ Starkey Hearing

Der frühere britische Regierungschef Tony Blair hat die Möglichkeit eines zweiten Brexit-Referendums ins Spiel gebracht. Die Entscheidung der Briten Ende Juni, aus der EU auszutreten, sei eine Katastrophe, sagte der Labour-Politiker Blair dem Sender BBC .

Wenn deutlich werde, was ein Ausscheiden tatsächlich bedeute, solle man die Menschen nochmals entscheiden lassen, "entweder durch das Parlament oder eine Wahl oder möglicherweise durch ein weiteres Referendum", forderte Blair. 16 Millionen Menschen hätten für einen Verbleib in der EU gestimmt, die dürfe man nicht ignorieren, so Blair.

Blair sagte weiter, er sei überzeugt, dass die Verhandlungen "sehr, sehr hart" würden. Diejenigen, mit denen Großbritannien verhandle, seien "die politischen Führer der EU und ihrer Parlamente". Blair war von 1997 bis 2007 britischer Regierungschef. Laut BBC kündigte der Politiker jüngst an, seine privatwirtschaftlichen Aktivitäten einstellen und sich nur noch ehrenamtlicher Arbeit zu widmen.

Die Tory-Regierung von Premierministerin Theresa May lehnt eine zweite Volksabstimmung kategorisch ab. Ein Sprecher der Regierung wies Blairs Äußerungen entschieden zurück. "Die Premierministerin hat sich sehr deutlich ausgedrückt", sagte er. "Die Briten haben gesprochen, wir hören zu, wir werden die EU verlassen." Tony Blair spreche nur für sich selbst. "Brexit heißt Brexit", lautet Mays Slogan. Erst am Dienstag hatte die britische Zeitung "The Guardian" allerdings berichtet, May habe sich vor dem Pro-Brexit-Votum leidenschaftlich gegen den Ausstieg aus der EU ausgesprochen. Nach dem Rücktritt von Premier David Cameron bildete May eine neue Tory-Regierung. Darin band die frühere Innenministerin mehrere Brexit-Befürworter ein.

Die Austrittsverhandlungen mit der EU will May bis spätestens Ende März beginnen. Bei dem historischen Referendum am 23. Juni stimmten knapp 52 Prozent der Briten für einen EU-Austritt.

cht/dpa
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