EU-Beitritt Fischer und Erdogan werben für die Türkei

Gerade hat die CSU verkündet, mit dem Thema in den Wahlkampf für das Europaparlament zu ziehen, da legt der grüne Vizekanzler in Berlin vor europäischen Spitzenpolitikern ein eindringliches Bekenntnis für einen Beitritt ab. Der türkische Regierungschef Erdogan warb in Kreuzberg für sein Land.


Außenminister Fischer: EU muss ihr Versprechen einhalten
DPA

Außenminister Fischer: EU muss ihr Versprechen einhalten

Berlin - Wenn die EU ihr Versprechen an die Türkei nicht einlöse, weil es Vorbehalte gegen einen islamisch geprägten Staat in der Union gebe, dann "werden wir dafür einen sehr hohen Preis zu zahlen haben", sagte Joschka Fischer. Die Beitrittsperspektive hat nach Ansicht des Außenministers den Reformprozess in der Türkei positiv beschleunigt.

Zuvor hatte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan ebenfalls in Berlin für einen Beitritt seines Landes zur EU geworben. Die Türkei müsse diese Zukunftsperspektive haben. "Das wird auch für die EU von großem Vorteil sein", sagte Erdogan bei einem Treffen mit Vertretern von Wirtschaft und Politik im Berliner Stadtteil Kreuzberg. "Die Türkei hat sich bereits für Europa entscheiden", fügte er hinzu. 75 Prozent seiner Landsleute seien für die EU-Mitgliedschaft.

Erdogan warnte vor einer "Art Kalten Krieg" zwischen Religionen und Kulturen. "Wir sollten dieses Spiel nicht mitspielen. Wenn wir dies nicht schaffen, dann schaden wir den Menschen", sagte er. Als größte Probleme seines Landes nannte Erdogan Armut, Korruption und Verbote. Gerade bei der Bekämpfung dieser Übel seien die Aufnahmekriterien der EU eine wichtige Voraussetzung.

Über den Beginn von Beitrittsverhandlungen mit der Türkei entscheidet die EU Ende 2004. Der Beitritt ist in Deutschland umstritten. Vor allem in den Unionsparteien gibt es starke Kräfte, die dagegen sind.

Erdogan und Fischer nahmen an einer internationalen Konferenz der Bertelsmann-Stiftung zu den Perspektiven der EU teil, zu der auch zahlreiche Regierungschefs und Minister aus mehreren europäischen Ländern angereist sind.



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