EU-Kommission Cohn-Bendit ruft Grüne zur Juncker-Wahl auf

Zuerst attackierte er den SPD-Kandidaten Schulz, jetzt unterstützt er dessen Rivalen Jean-Claude Juncker: Der Grüne Daniel Cohn-Bendit hat seine Parteikollegen im EU-Parlament zur Wahl des Luxemburgers zum neuen Kommissionspräsidenten aufgerufen.

Cohn-Bendit : Unterstützung für Juncker
DPA

Cohn-Bendit : Unterstützung für Juncker


Frankfurt am Main - Jean-Claude Juncker bekommt Unterstützung von Daniel Cohn-Bendit: Der scheidende Europaparlamentarier der Grünen forderte seine Parteikollegen auf, den konservativen Kandidaten aus Luxemburg zum neuen EU-Kommissionspräsidenten zu wählen.

Obwohl er an Juncker "viel zu kritisieren" habe, rate er den Grünen, ihm im EU-Parlament "eine Mehrheit zu sichern", sagte Cohn-Bendit der "Frankfurter Rundschau". Das Parlament müsse "intelligent handeln" und vor dem nächsten EU-Gipfel "klar sagen, dass Juncker eine Mehrheit hat". Der Kommissionspräsident wird auf Vorschlag der EU-Staats- und Regierungschefs vom Parlament mit absoluter Mehrheit gewählt. Die Abstimmung darüber ist Mitte Juli in Straßburg geplant.

Die europäischen Parteienfamilien waren bei der Europawahl am vergangenen Wochenende erstmals mit europaweiten Spitzenkandidaten in den Wahlkampf gezogen, die als Anwärter für den Posten des Kommissionspräsidenten galten. Beim EU-Gipfel am Dienstag wurde Juncker allerdings noch nicht offiziell für den mächtigsten EU-Posten nominiert - nach Diplomatenangaben waren sogar einige konservative Staats- und Regierungschefs dagegen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich am Freitag erstmals öffentlich für Juncker stark gemacht, nachdem sie zuvor eine Festlegung vermieden hatte.

Die Zurückhaltung der Kanzlerin löste bei den anderen deutschen Parteien Kritik aus, da Juncker als Spitzenkandidat der Europäischen Volkspartei (EVP) auch für die CDU hierzulande Wahlkampf gemacht hatte.

Cohn-Bendit war bei der Europawahl nicht wieder angetreten und will sich aus der aktiven Politik zurückziehen. Er sprach sich in der "FR" langfristig für eine Direktwahl des EU-Kommissionspräsidenten aus. Dann habe er "die gleiche Legitimität wie ein Regierungschef" und könne ihnen "auf Augenhöhe begegnen", sagte Cohn-Bendit.

Der Grüne hatte vor Kurzem den SPD-Kandidaten Martin Schulz kritisiert: Er warf ihm vor, einen "nationalistischen Wahlkampf" geführt zu haben.

als/AFP

insgesamt 84 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Liberalitärer 31.05.2014
1. Mehr Demokratie wagen
Zitat von sysopDPAZuerst attackierte er den SPD-Kandidaten Schulz, jetzt unterstützt er dessen Rivalen Jean-Claude Juncker: Der Grüne Daniel Cohn-Bendit hat seine Parteikollegen im EU-Parlament zur Wahl des Luxemburgers zum neuen Kommissionspräsidenten aufgerufen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/eu-kommission-cohn-bendit-ruft-gruene-zur-juncker-wahl-auf-a-972619.html
Da kann Cohn Bendit brüllen und trampeln wie Rumpelstilzchen. Der Marsch durch die Institutionen findet nicht statt. Und das ist auch besser so. Mann Dani sieh es doch ein, der Putsch war ein Schlag ins Wasser und du schadest der europäischen Idee. Mach mit Jean Claude ne Flasche Rotwein auf. Was wir brauchen ist echte Demokratie in Europa.
taglöhner 31.05.2014
2. Leidenschaft für Europa
Überwältigende Mehrheit für Juncker. Das wäre in der Tat die richtige Antwort an die Europaspalter von Links und Rechts. Der ehrenwerte Europäer Schulz hat's vergeigt mit seinen plumpen Populismusversuchen. Schade.
peterkamm-mueller 31.05.2014
3. Dr.No
Zitat von sysopDPAZuerst attackierte er den SPD-Kandidaten Schulz, jetzt unterstützt er dessen Rivalen Jean-Claude Juncker: Der Grüne Daniel Cohn-Bendit hat seine Parteikollegen im EU-Parlament zur Wahl des Luxemburgers zum neuen Kommissionspräsidenten aufgerufen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/eu-kommission-cohn-bendit-ruft-gruene-zur-juncker-wahl-auf-a-972619.html
Das ich das noch erleben darf :) Die Grünen empfehlen konservativste Knochen, wie zB Jean-Claude Juncker. Das ist das endgültige Aus der 68er Bewegung und ihrer Ideale.
derblaueplanet 31.05.2014
4. Wo er recht hat, hat er recht!
Ich mag D. Cohn-Bendit zwar nicht, aber er ist einer, der "Europa" in- und auswendig kennt. Und er hat recht. Zu hundert Prozent.
knowit 31.05.2014
5. Cohn Bendit hat vollkommen Recht
Was Schulz da mit seinem nationalistischen Wahlkampf abgezigen hat, verstößt gegen den europäischen Gedanken und hat eine ganz schlechte Vorbildfunktion. Wenn jedes Land anfängt, den jeweils eigenen Kandidaten durchdrücken zu wollen anstatt für das beste Profil zu stimmen, kann Europa nie funktionieren. Und die Wahlniederlage nicht eingestehen zu wollen, hat schon etwas Schröderhaftes.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.