EU-Kommission Neue Vorwürfe gegen von der Leyens Team

Vor den Anhörungen im Europaparlament mehren sich nach SPIEGEL-Informationen die Probleme mit Ursula von der Leyens künftigen EU-Kommissaren. Abgeordnete haben Vorbehalte gegen mehrere Kandidaten.

Von der Leyen und ihre Kommissare: Skandale programmiert?
Francois Lenoir/ REUTERS

Von der Leyen und ihre Kommissare: Skandale programmiert?


Die Vorwürfe gegen den möglichen künftigen Erweiterungskommissar Laszlo Trócsányi reichen offenbar weiter als bislang bekannt. Nach SPIEGEL-Informationen könnte der Ungar bei den Anhörungen im Europaparlament nicht nur wegen seiner Rolle als Architekt von Viktor Orbáns Justizreform unter Druck geraten, sondern auch, weil er seine politischen Ämter nicht immer streng von seinen wirtschaftlichen Interessen getrennt hat.

Lesen Sie hier die ganze Geschichte.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 38/2019
Verteufelt, aber begehrt: Das SUV - Symbol für die deutsche Doppelmoral

So erhielt eine von ihm gegründete Kanzlei zahlreiche Regierungsaufträge - und zwar auch während seiner Zeit als Justizminister. "Trócsányi & Nagy" vertraten beispielsweise den US-Fahrdienstleister Uber und mehrere Banken in Fällen, mit denen auch Trócsányis Justizministerium befasst war. Trócsányi betont auf Anfrage, er sehe keine Interessenkonflikte. Er habe sich inzwischen aus der Kanzlei zurückgezogen und sei seit gut einem Jahr überhaupt nicht mehr finanziell an ihr beteiligt.

Kritik kommt unter anderem von den Grünen. "Ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass Ursula von der Leyen gerne mit einigen dieser Personen zusammenarbeiten möchte", sagte der Europaabgeordnete Daniel Freund. Die Gefahr mit diesem Personal sei klar: "Die nächsten Skandale sind programmiert." Freund, der früher bei Transparency International gearbeitet hat, hat mit der NGO ein Dossier über von der Leyens Kommissarteam erarbeitet, das dem SPIEGEL vorliegt.

Fotostrecke

27  Bilder
Künftige EU-Kommissare: Von der Leyens Wunschteam

Auch der Fraktionschef der Europäischen Volkspartei im Europaparlament Manfred Weber (CSU) sieht gleich bei mehreren von der Leyens Kommissarskandidaten Klärungsbedarf. "Bei den polnischen und ungarischen Kandidaten wie bei der rumänischen Kandidatin gibt es noch Fragezeichen, die es bei den Anhörungen dann auszuräumen gilt", sagte Weber dem SPIEGEL.

Gegen den Bewerber aus Polen Janusz Wojciechowski ermittelt die EU-Betrugsbehörde Olaf wegen möglicher Ungenauigkeiten bei Reisekostenabrechnungen im Europaparlament. Die Bewerberin aus Rumänien, Rovana Plumb, muss sich gegen Vorwürfe des Amtsmissbrauchs aus ihrer Heimat erwehren.

Die Anhörungen der Kommissare starten Ende September, am Ende wird das Europaparlament über die gesamte Kommission abstimmen. Von der Leyen will ihren neuen Posten am 1. November antreten.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht und welche Geschichten Sie bei SPIEGEL+ finden, erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Politik-Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von den politischen Köpfen der Redaktion.

mp/was



insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
eigener 13.09.2019
1. Völlige Fehlbesetzung ...
"Neue Vorwürfe gegen von der Leyens Team" ... nein, das ist mitnichten neu. Die Frau ist eine klassische Fehlbesetzung ... die Untersuchungen zu den fragwürdigen Beraterverträgen bei der Bundeswehr laufen ja immer noch. Unverständlich, warum eine derart Strippenzieherin (zu eigenen Gunsten) überhaupt so weit kommen konnte. Ein weiterer Beleg für die Schwäche Merkels ...
Duge Hick 13.09.2019
2. Mit der Ernennung von der Leyens...
...hat die EU Wasser auf die Mühlen ihrer Gegner gekippt. Jeder denkende EU-Freund wird durch vdL zum EU-Kritiker und das zu Recht, wenn es so abläuft...
quark2@mailinator.com 13.09.2019
3.
Einfach nochmal die SPON-Artikel lesen, wo die Mehrheitsbeschaffung für Frau vdL im EU-Parlament beschrieben wurde. Das sie eigentlich ja keine hatte, aber dann, mit Orban und anderen sprach ... und hoppala, da hat es gereicht. Nun muß sie halt liefern. Persönlich hätte ich es vorgezogen, wenn sowas nicht möglich wäre.
Kein Besserwisser 13.09.2019
4. Frau von der Leyen - und absolut nicht gelernt!
In ihrer Amtszeit als Verteidigungsminister nur Chaos und Berateraufträge produziert. Warum sollte sie sich als EU Kommissar ändern. Bei dem aufgeblähten EU Apparat sind doch noch viel idealere Bedingungen Gefälligkeitsverträge zu unterschreiben oder dubiose Charaktere in die EU Kommission einzuschleusen, auf das sie noch mehr Geld, Beraterverträge, Vetternwirtschaft etc. betreiben. Das EU Parlament ist für mich völlig unglaubwürdig geworden da dort doch nur abgehalfterte Politiker zu Gunsten ihrer eigenen Pfründe abgestellt werden - und nicht um vernünftige EU Politik zu machen.
viceman 13.09.2019
5. Die gleiche Masche,
Wie hier in Deutschland, vdL ist doch selbst so inkompetent und verbraucht, wie so es da in 'ihrem team' anders zugehen? Allein, die Tatsache dass sie es geschafft hat, dazu die neue EZB Chefin, der Aussenbeauftragte, alles Leute mit reichlich Dreck am Stecken. Es wird immer gruseliger
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.