EU-Kommissionspräsident Merkel half bei Einigung auf Barroso

Die Sache scheint abgemacht. Portugals konservativer Ministerpräsident José Manuel Durao Barroso soll neuer EU-Kommissionspräsident werden. Kanzler Gerhard Schröder habe sein Einverständnis bereits signalisiert, heißt es. Die Zustimmung von Frankreichs Staatspräsident Chirac holte laut SPIEGEL CDU-Chefin Merkel ein.

Berlin/Brüssel - Am Freitag telefonierte die Angela Merkel mit Jacques Chirac, um die Chancen Duaro Barrosos auszuloten. Nach Informationen des SPIEGEL signalisierte der Franzose, dass er den konservativen Lissabonner Regierungschef nicht verhindern werde. Gerhard Schröder hat nach spanischen und portugiesischen Medienberichten ebenfalls sein Okay gegeben. Am Freitag habe er mit dem Kandidaten telefoniert. Duaro Barroso will den Angaben zufolge bereits heute seine Kandidatur offiziell bekannt geben.

Bislang hatten Chirac und Schröder auf den liberalen belgischen Ministerpräsidenten Guy Verhofstadt gesetzt, der jedoch von den meisten konservativen Regierungschefs abgelehnt wurde. Die Zustimmung Chiracs verhalf Duaro Barroso anscheinend schnell zur erforderlichen Mehrheit.

Der EU-Ratspräsident und irische Ministerpräsident Bertie Ahern habe Durao Barroso den Posten angeboten, teilte am Freitagabend das Büro des portugiesischen Präsidenten Jorge Sampaio mit. Er äußerte sich zuversichtlich, dass bei einem Sondergipfel der Europäischen Union (EU) am Dienstag ein Nachfolger Prodis gefunden werde.

"Ich kann gar nicht zuversichtlicher sein", sagte Ahern dem irischen Fernsehsender RTE. "Ich habe alle über das Treffen am Dienstag informiert und ich gehe davon aus, dass wir uns einigen werden." Ahern hatte angekündigt, ein Sondertreffen zu dem Thema nur dann anzuberaumen, wenn er sich sicher sei, dass es Einigkeit über den künftigen Kommissionspräsidenten gebe.

Auch Spanien kündigte an, eine Kandidatur von Durao Barroso zu unterstützen. "Wenn es einen portugiesischen Kandidaten gibt, wird Spanien das natürlich unterstützen", sagte Außenminister Miguel Angel Moratinos im staatlichen Rundfunk. Spanien hatte bislang nicht ausgeschlossen, dass der außenpolitische Koordinator der EU, der Spanier Javier Solana, für das Amt kandidiert. Er gilt jedoch auch als Aspirant für das Amt des künftigen EU-Außenministers. Moratinos sagte, Spanien würde es begrüßen, wenn Solana die Verantwortung für die Außenpolitik übernehme und Durao Barroso die EU-Kommission führe.