EU-Troika Iran verweigert weitere Atomgespräche

Iran will nicht mehr mit der EU-Troika aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien über sein Atomprogramm verhandeln. Laut Außenminister Manutschehr Mottaki könnten weitere Gespräche nur noch mit einzelnen Staaten geführt werden.


Teheran - Gestern noch hatte Mottaki in Brüssel versucht, Parlamentarier und Vertreter von Institutionen der EU davon zu überzeugen, dass Iran nicht nach Atomwaffen strebt. Genau das befürchten jedoch die Europäer sowie die USA. Die Regierung in Teheran hat die Vorwürfe stets bestritten. Sie gibt an, mit ihrem umstrittenen Atomprogramm Energie gewinnen zu wollen.

Außenminister Mottaki, gestern in Brüssel: Iran will keine Gespräche mehr mit der EU-Troika
REUTERS

Außenminister Mottaki, gestern in Brüssel: Iran will keine Gespräche mehr mit der EU-Troika

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Europaparlament, Elmar Brok, sagte nach dem Besuch, die Fronten seien weiter verhärtet. Mottaki habe bei seinem Auftritt lediglich die "alten Propaganda-Positionen" dargelegt, erklärte der CDU-Politiker im ARD-"Morgenmagazin". Für die Haltung der EU-Länder habe Mottaki kein Verständnis gezeigt.

Russland und Iran beendeten am Vormittag ihre Gespräche in Moskau über einen russischen Kompromissvorschlag in der Atomkrise. Die iranische Delegation fliege am Mittag nach Teheran zurück, erklärten beide Seiten übereinstimmend. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte, die Gespräche seien weder ein Misserfolg noch ein Erfolg gewesen. Es sei zu früh, von Ergebnissen zu sprechen.

Die erste Runde der Gespräche über das Angebot Moskaus, Uran für Iran auf russischem Boden anzureichern, war gestern ohne greifbare Ergebnisse zu Ende gegangen. Der russische Vorschlag gilt als derzeit aussichtsreichster Weg, um Sanktionen des Uno-Sicherheitsrats und damit eine Verschärfung des Konflikts mit Teheran zu vermeiden.

Angesichts des Streits schloss Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier abermals Wirtschaftssanktionen gegen die islamische Republik nicht aus. Er hoffe aber darauf, dass die iranische Regierung ihre endgültige Entscheidung mit Ernsthaftigkeit treffe, sagte Steinmeier am Morgen in Tokio. Der SPD-Politiker reist derzeit durch Asien.

lan/AFP/AP/Reuters/ddp



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