EU unter Griechenland-Schock Europas Alptraum

Mit aller Macht stemmt sich Europa gegen einen Bankrott Griechenlands, Millionen Bürger schauen entsetzt zu. Das Versagen der Politik bedroht längst schon die europäische Idee. Was denken, fühlen die Menschen? SPIEGEL-ONLINE-Reporter über die Krisenstimmung in acht Ländern der EU.

REUTERS

Von , , , , , , , Tijs van den Boomen und


Berlin - Es ist ein ungewöhnlicher Hilferuf. Wie ein schwer verkäufliches Tiefkühlgericht wird in diesen Tagen die Euro-Münze beworben. 50 europäische Top-Manager haben eine ganzseitige Anzeige in verschiedenen deutschen und französischen Tageszeitungen gesponsert und unterschrieben. "Die Rückkehr zu stabilen Verhältnissen wird viele Milliarden Euro kosten", heißt es in der Kampagne. "Aber die Europäische Union und unsere gemeinsame Währung sind diesen Einsatz allemal wert."

Sind sie das wirklich?

Das fragen sich Millionen Bürger Europas, während sie das Ringen um das zweite Rettungspaket für Griechenland verfolgen. Der Pleitestaat steht tief im Dispo und kurz vor dem Staatsbankrott, das Gipfeltreffen der 27 Euro-Mitgliedstaaten am Donnerstag und Freitag in Brüssel soll das Sorgenkind retten und verhindern, dass ein Ruin in Athen den gesamten Kontinent mitreißt.

Doch egal, was die Staats- und Regierungschefs beschließen: Schon jetzt hat die Krise in ganz Europa etwas verändert. In vielen europäischen Hauptstädten ist eine Entfremdung zu beobachten, ein Riss zwischen den Krisenmanagern und den Bürgern. Er lässt die Akzeptanz der europäischen Idee bröckeln. Er spiegelt sich wider im sinkenden Verständnis für milliardenschwere Finanztransfers und im schwindenden Vertrauen in die Regierenden, dass auf das zweite Rettungspaket nicht ein drittes oder viertes folgt.

Es ist nicht die erste Krise, die Europa auf die Probe stellt, aber diese Krise ist anders. Denn bislang war Brüssel für viele nur kompliziert und fern. Jetzt kriecht Europa plötzlich in ihr Portemonnaie, sie empfinden es als teures Ärgernis. "In ganz Europa beschweren sich die Menschen darüber, dass sie den Preis für das Versagen ihrer Regierungen bezahlen müssen", kommentiert die "New York Times" von der anderen Seite des Atlantiks.

Doch klar ist auch: Die aktuelle Krise zeichnet ein selten diffuses Bild an Reaktionen. Während in manchen Staaten die Gleichgültigkeit gegenüber Europa-Fragen dominiert, frisst sich in anderen das Misstrauen gegenüber Brüssel in die Köpfe, gewinnen Rechtspopulisten neuen Auftrieb, gehen Tausende Menschen auf die Straße, um gegen harte Sparprogramme zu demonstrieren.

Wie reagieren die Menschen in den EU-Staaten auf die Krise - und was erwarten die Bürger jetzt von ihren Politikern? SPIEGEL ONLINE hat Reaktionen und Stimmungsbilder aus den wichtigsten europäischen Mitgliedsländern gesammelt:

Was Europas Bürger von ihren Politikern erwarten


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Seite 1
Brand-Redner 21.06.2011
1. Im Westen nichts Neues
Zitat von sysopMit aller Kraft stemmt sich Brüssel gegen einen Bankrott Griechenlands - und Millionen genervte Bürger schauen zu. In vielen Hauptstädten Europas herrscht Frust über das Krisenmanagement der Mächtigen. Sollte die EU auch weiterhin hinter Griechenland stehen?
Schwer zu sagen. Es kommt vielleicht darauf an, was man von der EU erwartet: Wirkliche Hilfe für das bankrotte Land wird Brüssel nie zustande bringen, ohne die Profiteure in die Pflicht nehmen, welche das Desaster (mit)verursacht haben - also die Banken. So, wie es jetzt aussieht, passiert aber nur das Übliche: Die Banken, welche Griechenland einst Kredite hinterherwarfen, haben ihre Provisionen und Boni längst rein; für den Schaden aber dürfen EU-weit die Steuerzahler aufkommen. Nichts wirklich Neues! Man sollte den Griechen fast dankbar sein, wenn sie sich dagegen wehren, unter _diesen_ Bedingungen Geld anzunehmen!
Rainer Helmbrecht 21.06.2011
2. Ohne Titel ist man freier.
Zitat von sysopMit aller Kraft stemmt sich Brüssel gegen einen Bankrott Griechenlands - und Millionen genervte Bürger schauen zu. In vielen Hauptstädten Europas herrscht Frust über das Krisenmanagement der Mächtigen. Sollte die EU auch weiterhin hinter Griechenland stehen?
Nein das sicher nicht, aber die Verantwortlichkeit für die Bewertung von Staaten an Fachleute vergeben, die unabhängig von Parteien die Kriterien festlegen und auch kontrollieren unter welchen Umständen ein Land überhaupt Mitglied werden kann. Das muss auch zu Reaktionen führen, die zu Sanktionen führe können, wenn da Bestechung, bzw. Aufträge für Staaten den Ausschlag geben. Genau das selbe sollte geprüft werden, wenn ein Rettungsfond in Milliardenhöhe da an "Vermittlungsgebühren" denken lässt. Korruption ist nicht nur in Afrika ein Problem. Selbst die Bundesrepublik hat die Antikorruptionsvereinbarungen noch nicht unterschrieben. Die EU hat lange genug als Spielplatz für Bangemann und Co gedient. Frau Cresson, um nur zwei zu nennen. MfG. Rainer
beggars banquet 21.06.2011
3. Die "Wiege" der Demokratie
Zitat von sysopMit aller Kraft stemmt sich Brüssel gegen einen Bankrott Griechenlands - und Millionen genervte Bürger schauen zu. In vielen Hauptstädten Europas herrscht Frust über das Krisenmanagement der Mächtigen. Sollte die EU auch weiterhin hinter Griechenland stehen?
Die EU steht hinter Griechenland? Was den hellenistischen Uterus der Demokratie im Moment widerfährt, grenzt an räuberische Gruppenunzucht. MfG beggars banquet
Flie, 21.06.2011
4.
Zitat von sysopMit aller Kraft stemmt sich Brüssel gegen einen Bankrott Griechenlands - und Millionen genervte Bürger schauen zu. In vielen Hauptstädten Europas herrscht Frust über das Krisenmanagement der Mächtigen. Sollte die EU auch weiterhin hinter Griechenland stehen?
Nein, das Land sollte als insolvent "erklärt" werden. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
Seifert 21.06.2011
5. Jau!
Zitat von sysopMit aller Kraft stemmt sich Brüssel gegen einen Bankrott Griechenlands - und Millionen genervte Bürger schauen zu. In vielen Hauptstädten Europas herrscht Frust über das Krisenmanagement der Mächtigen. Sollte die EU auch weiterhin hinter Griechenland stehen?
Wie hiess es szt.so schön:"Ex und hopp!"
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