Euro-Gruppe Griechenland braucht mehr Finanzhilfen

Das Hilfspaket für Griechenland reicht nicht aus, Athen braucht mehr Unterstützung der Partner und Banken als bisher berechnet. Das geht aus einer Erklärung der Euro-Finanzminister hervor. Die langfristigen Aussichten für das Land sind düster.


Brüssel - Konkrete Zahlen wurden nicht genannt. Doch klar ist: Griechenlands Finanzbedarf bleibt hoch. Noch im Juli waren die internationalen Geldgeber davon ausgegangen, dass ein zweites Paket von 109 Milliarden Euro aus öffentlichen Mitteln ausreicht. Zusätzlich sollten Banken und Versicherer mit bis zu 50 Milliarden Euro zur Rettung beitragen.

Jetzt heißt es aus der Euro-Gruppe: Athen braucht weit mehr Finanzhilfe der Partner und Banken als bisher berechnet. Das geht aus einer Erklärung der Euro-Finanzminister am Freitag in Brüssel hervor. Jetzt soll ein weiteres Rettungspaket geschnürt werden, das neue Programm werde "die zusätzliche öffentliche Finanzierung und Privatsektorbeteiligung kombinieren", hieß es.

Aus dem Kommuniqué der Euro-Gruppe zur gerade gewährten Hilfszahlung in Höhe von acht Milliarden Euro geht hervor, dass Griechenland weiterhin vor großen "wirtschaftlichen Herausforderungen" stehe. Diese Schlüsse ziehen die EU-Finanzpolitiker auf Grundlage des fünften Berichts der sogenannten Troika-Gruppe. Diese setzt sich aus Experten von EU, Internationalem Währungsfonds ( IWF) und Europäischer Zentralbank ( EZB) zusammen.

Seit dem vierten Report habe sich die gesamtwirtschaftliche Situation des Landes weiter verschlechtert. Gleichzeitig begrüßte die Euro-Gruppe die "substantiellen Bemühungen" der griechischen Regierung zur Konsolidierung der Wirtschaft; diese würden es erlauben, dass Griechenland die für das Jahr 2012 gesetzten Ziele erreiche. In ihrer Verlautbarung riefen die EU-Politiker die griechische Staatsführung dazu auf, weitere Fortschritte bei der Durchführung der Strukturreformen und des Privatisierungsprogramms zu machen.

Gesamtverschuldung im Jahr 2020 noch bei 152 Prozent

Die langfristigen Aussichten für Griechenland sind jedoch weiter düster. Ohne drastischen Kurswechsel wird Athen nach Berechnungen der Troika frühestens in zehn Jahren wieder selbst am Finanzmarkt Geld aufnehmen können. Bei einer Beibehaltung des Kurses würde die Gesamtverschuldung im Jahr 2020 noch bei 152 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen, heißt es im Troika-Bericht zur Schuldentragfähigkeit Athens, wie die Nachrichtenagenturen dapd am Freitagabend aus informierten Kreisen erfuhr. Die in Brüssel tagenden Finanzminister hatten den Bericht erst am Nachmittag erhalten.

Der Berechnung liegen realistischere Annahmen zum Wirtschaftswachstum und zu Privatisierungserlösen zugrunde. Der Bericht macht klar, dass zu einem schnelleren Schuldenabbau ein höherer Beitrag der Banken notwendig ist. Berlin will den Schuldenstand Athens bis 2020 auf 120 Prozent drücken. "Das sollte das Ziel sein", sagte ein hoher Regierungsbeamter.

Die Privatgläubiger wollen sich bisher freiwillig mit einem Forderungsverzicht bei griechischen Staatsanleihen von 21 Prozent an dem zweiten Rettungspaket für Athen beteiligen. Dies war im Juli vereinbart worden. Die Politik dringt aber auf einen höheren Anteil. Inzwischen ist auch von einem Schuldenschnitt von bis zu 50 Prozent die Rede.

Die Finanzminister hatten zuvor Griechenlands Pleite erneut verhindert. Am Freitagabend gaben sie die nächste Kreditzahlung in Höhe von acht Milliarden Euro an Athen frei, wie Diplomaten laut Deutscher Presse-Agentur am Rande von Beratungen der Euro-Gruppe berichten.

Die Tranche setzt sich aus Geldern der Euro-Länder und des IWF zusammen. IWF-Chefin Christine Lagarde will laut Nachrichtenagentur AFP dem Direktorium des Internationalen Währungsfonds ebenfalls die Freigabe der nächsten Hilfszahlung für Griechenland empfehlen. Den Angaben zufolge soll das IWF-Direktorium nun in der ersten Novemberhälfte offiziell über die Auszahlung des Geldes entscheiden. Zu der Überweisung in Höhe von acht Milliarden Euro steuert der IWF rund 2,2 Milliarden Euro bei. Die Finanzspritze stammt aus dem alten Hilfsprogramm mit Krediten in Höhe von 110 Milliarden Euro.

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung fürchten Geldgeber Griechenlands, dass Athen noch viele Jahre lang am internationalen Finanztropf hängen müsse. Im Bericht der Troika-Experten heiße es, Griechenland werde trotz der Milliardenhilfen nicht vor dem Jahr 2021 wieder selber Kapital an den Finanzmärkten aufnehmen können. Dieser Passus des Berichts zur "Schuldentragfähigkeit" war bislang nicht bekannt.

bos/dpa/AFP/Dapd

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diwoccs 21.10.2011
1. unverständlich
Zitat von sysopOhne das Geld hätte Athen im November die Pleite gedroht: Auf dem Gipfel der EU-Finanzminister wurde offenbar entschieden, dass Griechenland*die nächste*Kreditzahlung erhält - in Höhe von acht Milliarden Euro. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,793309,00.html
wie kann ich einem Pleite-Kandidaten noch weitere Kredite geben ? Ich bin für den Euro, aber diese Dummheiten verstehe ich einfach nicht,
regensommer 21.10.2011
2. Vorbild nehmen
Wir zahlen was für Griechenland, aber man könnte auch sagen, wie stopfen die Finanzlöcher, die griechische Steuerhinterzieher hinterlassen. Vielleicht sollte denen auch mal jemand eine CD rüberschieben. Irgendwo werden sich doch noch ein paar Daten ausspähen und klauen lassen.
tilleule 21.10.2011
3. Noch nie war dieser Spruch so zutreffend:
Dem schlechten Geld, gutes hinterherwerfen. Das geht alles vom Deutschen Sozialsystem ab und es sind ja nur Promille des Wahnsinns. Nun behaupte keiner, daß die 8 Milliarden auch von anderen Ländern anteilmäßig übernommen werden. Das zahlt alles Deutschland, das heißt das wird den Menschen enteignet, ob sie wollen oder nicht. Die Staaten, die zustimmen, sind direkt oder indirekt gekauft und zahlen unterm Strich garnichts. Und Frankreich holt sich seine Zahlung dann aus dem Rettungsschirm für Griechenland. Der Irrsinn ist nicht mehr zu toppen!
Wolf_68, 21.10.2011
4. Auf Thema antworten
Zitat von sysopOhne das Geld hätte Athen im November die Pleite gedroht: Auf dem Gipfel der EU-Finanzminister wurde offenbar entschieden, dass Griechenland*die nächste*Kreditzahlung erhält - in Höhe von acht Milliarden Euro. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,793309,00.html
Ein probates Mittel wäre meiner Meinung nach, einem Nehmerland in der EU temporär die nationalen Rechte abzuerkennen und es unter Zwangsverwaltung eines Geberlandes, ähnlich eines Insolvenzverwalters im Falle der Zahlungsunfähigkeit einer Liegenschaft, zu stellen, bis der Haushalt konsolidiert ist. Dann kann in Griechenland nicht mehr nach bester südosteuropäischer Tradition Geld in der Schlammschicht versickern, sondern kommt den einfachen Leuten zu gute.
deuro 21.10.2011
5. Was passiert mit den 8 Mrd ?
wieviel von den 8 Mrden kommt bei der griechischen Bevölkerung an ? Wieviel von dem Geld wird gleich an eine deutsche/italienische/französischen Bank als Zinsen weiterüberwiesen ?
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