Juncker-Nachfolge Deutschland und Frankreich wollen sich Euro-Spitzenjob teilen

Berlin und Paris stritten lange um den Vorsitz der Euro-Gruppe, nun zeichnet sich ein überraschender Kompromiss ab: Nach SPIEGEL-Informationen soll erst Finanzminister Schäuble den Job übernehmen, danach sein französischer Kollege Moscovici. Damit wäre die Nachfolge für den Luxemburger Juncker geklärt.
Finanzminister Schäuble, Kollege Moscovici: Ende des monatelangen Geschachers?

Finanzminister Schäuble, Kollege Moscovici: Ende des monatelangen Geschachers?

Foto: dapd

Hamburg - Eine der wichtigsten Personalfragen in der Euro-Zone könnte bald geklärt sein. Nach SPIEGEL-Informationen soll Wolfgang Schäuble neuer Euro-Gruppen-Chef werden - und damit die Nachfolge für den Luxemburger Jean-Claude Juncker antreten. Allerdings soll sich Schäuble den Posten mit seinem französischen Kollegen Pierre Moscovici im Rotationsverfahren teilen.

Auf den überraschenden Kompromiss haben sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und der neue französische Staatspräsident François Hollande geeinigt. Konkret soll das so aussehen: Hollande akzeptiert zunächst Bundesfinanzminister Schäuble als Vorsitzenden der Euro-Finanzminister. Nach der Hälfte der Amtszeit könnte dann der französische Finanzminister Moscovici übernehmen. Die Ämterteilung würde es beiden, Kanzlerin und Präsident, ermöglichen, ihr Gesicht zu wahren und ein monatelanges Geschacher um den enorm wichtigen Posten beenden.

Junckers Amtszeit endet in diesem Monat. Die Nachfolgersuche hatte Anfang des Jahres begonnen, nachdem Luxemburgs Premier Juncker seine Amtsmüdigkeit als Euro-Gruppen-Chef demonstriert hatte. Um den Anforderungen des Krisenmanagements gerecht zu werden, müsse das Amt - anders als er es könne - vollberuflich ausgeübt werden, sagte er. Auch eine vorübergehende Verlängerung seiner Amtszeit hatte er kürzlich verärgert abgelehnt. Juncker steht der Euro-Gruppe seit der Schaffung eines Vorsitzendenpostens im Jahr 2005 vor.

Merkel hatte sich daher bereits vor den französischen Präsidentschaftswahlen im Frühling für Schäuble starkgemacht, Hollande hatte die Personalie jedoch nach seinem Wahlsieg blockiert und seinen eigenen Finanzminister gegen Schäuble ins Rennen geschickt. Zudem forderte der Franzose, der Chef der Euro-Gruppe müsse wegen der gestiegenen Bedeutung des Gremiums in der Finanzkrise hauptamtlich besetzt werden. Dies lehnt die Bundesregierung jedoch bislang ab.

Zuletzt hatte es Berichte gegeben, dass der Chef der Euro-Gruppe künftig mehr Macht bekommen soll. Der französischen Zeitung "Le Figaro" zufolge stimmten Merkel und Hollande darin überein, den Posten ab kommendem Jahr zu stärken. Der "Mr. Super-Euro" solle demnach auf Augenhöhe mit dem Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, und der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, agieren.

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