Euro-Krise Juncker schließt Griechen-Pleite nicht mehr aus

Schlittert Griechenland nun doch ins Finanzdesaster? Im SPIEGEL droht Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker mit einem Ende der Hilfen, falls die Regierung in Athen ihr Reformprogramm nicht umsetzt. Dann müsste das Land schon in zwei Monaten Insolvenz anmelden.
Griechenlands Finanzminister Venizelos, Euro-Gruppen-Chef Juncker: "Muskeln verleihen"

Griechenlands Finanzminister Venizelos, Euro-Gruppen-Chef Juncker: "Muskeln verleihen"

Foto: Virginia Mayo/ AP

Hamburg/Athen - Der Chef der Euro-Gruppe, Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker, hat Athen mit einem Ende der EU-Hilfen gedroht. Sollte Griechenland die notwendigen Reformen nicht umsetzen, könne es nicht erwarten, "dass Solidaritätsleistungen von den anderen erbracht werden", sagte Juncker im SPIEGEL-Gespräch. Dann müsse Athen schon in zwei Monaten Insolvenz anmelden.

Juncker sagte wörtlich: "Wenn wir feststellen sollten, dass alles schiefgeht in Griechenland, dann würde es kein neues Programm geben, dann hieße das, dass im März die Pleiteerklärung erfolgt." Allein die Möglichkeit, dass so etwas passieren könnte, sollte den Griechen, so Juncker, "dort Muskeln verleihen, wo sie im Augenblick noch ein paar Lähmungserscheinungen haben".

Besonders die geplante Privatisierung von Staatsunternehmen sei deutlich hinter den Verabredungen zurückgeblieben. "Griechenland muss wissen, dass wir bei dem Thema Privatisierung nicht lockerlassen." Als schädlich für das Image des Landes bezeichnete der Euro-Gruppen-Chef außerdem die Tatsache, "dass es Korruptionselemente auf allen Ebenen der Verwaltung gibt". Bevor über ein neues Hilfsprogramm entschieden werden könne, müssten erst die privaten Gläubiger ihren Beitrag leisten und mit der griechischen Regierung über zusätzliche Sparmaßnahmen geredet werden, sagte Juncker.

"Stunde der Wahrheit"

Am Samstag sind die seit Wochen andauernden Gespräche über einen Schuldenschnitt und weitere Milliardenhilfen in eine neue Runde gegangen. Finanzministers Evangelos Venizelos verhandelte bis in die frühen Morgenstunden mit Experten der sogenannten Troika aus Vertretern der EU, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB). "Nach zwölf Stunden kontinuierlicher und harter Verhandlungen kann ich sagen, dass wir viele Themen gelöst haben", sagte der Minister am Samstagmorgen. Es gebe aber einige kritische Themen, die noch offen seien. Venizelos sprach von der "Stunde der Wahrheit" für das hochverschuldete Euro-Land.

Nach einem Bericht der griechische Zeitung "Ta Nea" könnte das Volumen des Schuldenschnitts unter anderem mit EZB-Beteiligung von 100 auf 170 Milliarden Euro ausgeweitet werden. Demnach sollen 147 Milliarden Euro auf die privaten Gläubiger und 23 Milliarden Euro auf öffentliche wie die Notenbank entfallen. Dies wollte das Finanzministerium in Athen am Samstag nicht kommentieren.

Ackermann warnt vor Insolvenz Griechenlands

Ein für Samstagnachmittag geplantes Treffen des griechischen Ministerpräsidenten Loukas Papademos mit den Vorsitzenden der Parteien, die seine Regierung unterstützen - Sozialisten, Konservative und eine kleine rechtsgerichtete Partei - wurde um 24 Stunden aufgeschoben, teilte Papademos' Büro mit. Bei dem Treffen sollen weitere harte Sparmaßnahmen beschlossen werden, die hauptsächlich den privaten Sektor betreffen. Die Einschnitte sollen nach Schätzungen der Gewerkschaften bis zu 25 Prozent weniger Lohn mit sich bringen. Zudem sollen bis 2015 etwa 150.000 Staatsbedienstete entlassen werden.

In der kommenden Woche ist ein Treffen des griechischen Finanzministers Venizelos mit den Ressortchefs der Euro-Zone geplant. Das ursprünglich bereits für Montag angesetzte Gespräch finde am Mittwoch statt, sagte Venizelos.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat eindringlich vor einer Insolvenz Griechenlands und einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone gewarnt. In einem solchen Fall würde es zu kaum vorstellbaren Kollateralschäden kommen, sagte Ackermann am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Er warnte insbesondere vor einer Ansteckungsgefahr auf andere Länder und betonte: "Es geht nicht nur um Griechenland, sondern um Europa."

suc/dpa/Reuters
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