Euro oder Krone Volksabstimmung in Dänemark

Die dänischen Wähler entscheiden am Donnerstag, ob der Euro in dem Königreich eingeführt oder an der bisherigen Währung, der Krone, festgehalten wird. Umfragen geben den Gegnern einen hauchdünnen Vorsprung.


Die Schlagzeilen der dänischen Zeitungen sind von dem Euro-Referendum bestimmt
REUTERS

Die Schlagzeilen der dänischen Zeitungen sind von dem Euro-Referendum bestimmt

Kopenhagen - Meinungsforschungsinstitute haben in Dänemark Hochkonjunktur. Die Zeitungen des Landes übertrumpfen sich gegenseitig mit Prognosen zur Euro-Abstimmung. Laut "Berlingske Tidende" werden 47 Prozent der Wähler ihr Kreuz bei "Nein" machen und nur 41 Prozent für den Beitritt zur Euro-Zone stimmen. "Jyllands-Posten" sieht ebenfalls die Euroskeptiker knapp vorne: 47 Prozent contra und 46 Prozent pro, prophezeit die Zeitung. Nur eine Umfrage gibt der europäischen Gemeinschaftswährung in Dänemark eine Zukunft. Die Zeitung "Politiken" sagt eine Mehrheit von 46 zu 44 Prozent für die Ja-Seite bei zehn Prozent Unentschiedenen voraus.

In der Bevölkerung ist die Skepsis groß, die 125-jährige Geschichte der Krone aufzugeben. Die Opposition, die gegen den Beitritt zur europäischen Einheitswährung mobil macht, schürt solche Ängste. Sie sieht die sozialen Errungenschaften des Wohlfahrtsstaates in Gefahr. Eine verstärkte europäische Integration werde unweigerlich Steuerharmonisierungen nach sich ziehen und damit die soziale Sicherheit und die Souveränität Dänemarks gefährden.

Die Regierungsmannschaft unter dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Poul Nyrup Rasmussen hat mit der Argumentation der Opposition schwer zu kämpfen. Zwar konnte sie in den vergangenen Wochen in Umfragen zehn Prozent aufholen. Aber Außenminister Niels Helveg Petersen wird nicht müde zu betonen, dass ein Beitritt zum Euro "risikofrei" sei. "Alle führenden EU-Politiker sind sich einig, dass die Währungsunion kein Schritt in Richtung auf die Vereinigten Staaten von Europa ist." Für seine Regierung sei ein Ja vor allem auch wichtig, um mit voller Kraft an der Verwirklichung der EU-Erweiterung mitwirken zu können. Er und Rasmussen hoffen, dass bei der Abstimmung die unentschlossenen Wähler, die etwa zehn Prozent ausmachen, den Ausschlag geben. Sollte die Rechnung nicht aufgehen und der Euro beim Wahlvolk in Ungnade fallen, soll ein "Krisenausschuss" einberufen werden, um negativen wirtschaftlichen Folgen durch einen Zinsanstieg in Dänemark oder Druck auf die Krone zu begegnen.



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