Krise in Griechenland Wehe, wenn die Troika kommt

Am Sonntag entscheidet sich das Schicksal Griechenlands - oder? Wichtiger noch als die Parlamentswahlen könnten der Besuch der Troika aus EZB, IWF und EU und die neuen Verhandlungen zum Euro werden. Dann zeigt sich, ob das Land unter dem Druck zusammenbricht.

Akropolis in Athen: Angst vor der Troika
dapd

Akropolis in Athen: Angst vor der Troika

Ein Gastbeitrag von Giorgos Malouhos, Athen


Die Wahlen am Sonntag mögen außerordentlich wichtig sein. Aber der entscheidende Tag ist nicht der 17. Juni. Wichtiger wird jener Tag sein, an dem die Troika aus EZB, IWF und EU nach Athen zurückkommt, um die neue Regierung zu treffen - welche es auch immer sein mag.

Es wird eine äußerst schmerzhafte Erfahrung für alle Beteiligten sein, besonders für jene, die unbeirrt daran glauben, dass sich die deutsche Haltung ändern wird. So wird es nicht kommen, das haben sowohl Kanzlerin Merkel als auch der deutsche Finanzminister Schäuble wiederholt deutlich gemacht.

"Die Frage, ob Griechenland sein Programm einhält oder nicht, (...) ist auch die Frage, was in Europa überhaupt noch eingehalten wird", erklärte die deutsche Kanzlerin. Wolfgang Schäuble ging noch einen Schritt weiter und nahm vorweg, was die Troika unabhängig vom Wahlausgang an diesem Tag bekannt geben wird: Wenn die Troika das nächste Mal nach Athen reise, sagte Schäuble, werde sie feststellen, dass das Programm von Griechenland nicht erfüllt werde.

In dieser Hinsicht macht Wolfgang Schäuble eine sehr "sichere" Ansage: Das Programm wird ohnehin nicht umgesetzt, weil es unabhängig vom Wahlergebnis, auf allen Ebenen gescheitert ist. Damit ist schon antizipiert, dass die deutsche Haltung gegenüber Griechenland sich nicht ändern wird.

Schafft Griechenland den Weg aus der Sackgasse?

Innenpolitisch heißt das: Wenn der Pasok-Vorsitzende auf die Regierungsbeteiligung vom Linksbündnis Syriza besteht, dann denkt er dabei an diesen Troika-Tag und sagt im Wesentlichen, dass die neue große Partei des Landes die Verantwortung übernehmen muss: Verantwortung für die Entscheidungen aus diesem Treffen oder Verantwortung dafür, dass die Verhandlungen in einer Sackgasse endeten. Abgesehen davon weiß Vénizelos sehr gut, dass die Troika auch einfach alles abbrechen und abreisen kann (so wie im September 2011).

Im Grunde wird sich also die wirkliche Sackgasse nicht am Sonntag zeigen, sondern erst am Tag danach. Egal, ob sich in Griechenland eine handlungsfähige Regierung bilden kann oder nicht, das Ergebnis wird dasselbe sein: Weil sie die Finanzierung des inneren Bedarfs Griechenlands unterbrechen muss, wird sie unter starkem Druck stehen, während die Finanzierung des externen Bedarfs zum Erhalt der Gemeinschaftswährung zumindest vorerst weiterhin gedeckt ist. Es wird ein Wettlauf gegen die Zeit, und die ungünstige Situation der griechischen Seite wird sich immer weiter zuspitzen.

In dieser Lage gibt es, wenn überhaupt nur einen Ausweg: die Bildung einer möglichst breiten nationalen Koalitionsregierung. Nur diese könnte einen Aufschub in der Umsetzung der Reformpolitik fordern. Das ist das einzige, was sich ändern kann; und das auch nur unter der Voraussetzung, dass manche Reformen, wie Privatisierungen, unbedingt ab sofort eingeleitet werden müssten.

Aber kann es so weit überhaupt kommen? Schwerlich. Das heißt, dass ab kommender Woche das Land in die Endphase und damit in die schwierigste Phase eintritt. Wobei nicht im Vordergrund steht, ob es von der Syriza regiert werden wird oder nicht - das ist zweitrangig -, sondern ob und wie das Land selbst dem Druck standhalten wird, gleichgültig welche Formation an die Macht kommt.

Und die Aussichten sind nicht gerade verheißungsvoll.

Aus dem Griechischen von Maria-Theresia Kaltenmaier und Alexandra Pavlou



insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
Nonvaio01 14.06.2012
1. Wieso das Land?
Zitat von sysopdapdAm Sonntag entscheidet sich das Schicksal Griechenlands - oder? Wichtiger noch als die Parlamentswahlen könnte der Besuch der Troika aus EZB, IWF und EU und die neue Verhandlungen zum Euro werden. Dann zeigt sich, ob das Land unter dem Druck zusammenbricht. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,838827,00.html
Wenn der neue Gewaehlt wird wovon man zu 90% ausgehen kann, dann kann sich die Troika mal warm anziehen. Der Deutsche Buerger weiss gar nicht wieviel Deutsche Banken in Gr verzockt haben. Merkel ist Griechenland total egal, Sie will nur das die Deutsche bank und er Deutsche Pensionsfond erhalten bleiben. Denn der Staat hat massen in Gr investiert, wenn die nun aufeinmal sagen, aetsch wir geben euch einfach nichts mehr, sieht es dunkel in D aus. Das geld was Gr gegeben wird, um schulden zu zahlen fliesst doch direckt wieder nach D. Wenn Gr nicht zahlt dann kann D Mrd abschreiben.
GlobalerOptimist 14.06.2012
2. Ist die Trojka schuld?
Lieber Hr. Malouhos, zwei Fragen: 1. Warum ist die Trojki überhaupt gekommen? 2. Richtig, selbst haben wir nichts gemacht. Bedenken Sie, richtig lustig wird es erst, wenn die Trojki die Fahnen einzieht, denn das heißt dann: hoffenungsloser Fall.
sprechweise 14.06.2012
3.
Der Beitrag wirkt wirr. Liegt das (nur) an der Übersetzung?
michlin 14.06.2012
4. griechenland
es ist ganz klar,und das muss nicht nur die deutsche regierung(neben allen anderen regierungen,die sich in europa zwangsläufig damit befassen....,....zwangsläufig deshalb,weil sich diese länder - bislang - selbst nicht in diese prekäre situation gebracht haben, sondern die griechen alleine!) feststellen,wo es langzugehen hat .die deutschen sind ,zuvorderst in der präsenz einer sehr forsch auftretenden,aber realistisch agierenden,starken kanzlerin und ihres flankierenden finanzministers,der seine hausaufgaben gut gemacht hat,diejenigen,die den klaren text aussprechen, mag er noch so unbequem klingen :die griechen haben die jahre seit ihren eu-und eurozonen-beitritten über ihre verhältnisse gelebt,haben die reichen noch reicher werden lassen.jetzt werden die armen noch ärmer,eventuell kommen aus der reichenfraktion ein paar noch hinzu.und das schmerzt ungemein.das glück dauerte eben doch bloß nicht allzu lange,und der bürokratische wasserkopf,den sich die griechischen behörden angefuttert haben,brauchte äusserst lange,um hier die notwendige einsicht - geschweige denn für das maß der nötigen konsequenzen - einsicht zu erhalten - es bestehen daher nicht unbegründete zweifel, ob und inwieweit das volk der griechen in seiner gesamtheit diesen sachverhalt im vollstand aufgenommen hat. ich schließe mich jedenfalls der aufforderung an,dass die griechen endlich einmal anfangen sollen,ihre steuern,mit denen sie sich selbst in der waage halten, bezahlen soll(t)en! tun sie das nicht(mehr),so ergibt dies eine schräglage und der kahn säuft ab...,es steht zu befürchten,dass die demnächst,also in den nächsten tagen,passieren wird. sie sollen endlich bezahlen,was sie sich auf pump geholt haben.und mag es noch so lange dauern, dies ausreichend zu tun....,immerhin ist griechenland nicht allein,das wurde hinlänglich bewiesen,und die frischen hilfsgelder,um den schornstein nicht am rauchen zu hindern,sind als erschreckend hohe summe fast verzögerungsfrei geflossen- es dauerte nur deshalb so lange,weil die griechische regierung nicht den schneid hatte,die situation ihrem volk ausreichend klarzumachen! ich bezweifle im übrigen noch immer, ob alles so,wie es wirklich ist,in den köpfen der menschen dort angekommen ist. sie müssen sich wahrscheinlich noch ihre eigene realität zusammenzimmern. um einsparungen und verknappungen werden die menschen in hellas jedenfalls nicht herum kommen. dies meint: michael linsner ; michlin@arcor.de
BettyB. 14.06.2012
5. Wie bitte?
Da bricht ein Land zusammen? Wie soll das gehen? Gibt es nach dem Besuch der Troika ein durch diese veranlaßtes riesiges Erdbeben?
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