Europa in der Krise Die Burka meiner Tochter

Ökologische Katastrophen, Epidemien, Terror - im Vergleich zu solch düsteren Zukunftsszenarien erscheint die Angst vor Überfremdung geradezu harmlos, findet die tschechische Schriftstellerin Petra Hulová. Ihr Rat für Europa: weniger Verschwendung und mehr Kinder.

Demonstration gegen Burka-Verbot in Frankreich (Archivbild)
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Demonstration gegen Burka-Verbot in Frankreich (Archivbild)


"Sie übt schon das Anziehen der Burka", sagt mein Mann und zeigt lächelnd auf unsere sechsmonatige Kleine, die instinktiv ihr Deckchen bis zu den Augen hochzieht. Wir scherzen mit unseren Kindern gern über die Zukunft Europas. Wir stellen uns vor, wie es auf dem Kontinent aussehen könnte, wenn das Internet zum Symbol einer vergangenen Ära geworden sein wird wie heute Telegramm oder Fax. Wir können uns schieflachen dabei, als sähen wir uns einen Science-Fiction-Schinken aus der Zeit des Stummfilms an.

Und stimmt es nicht, dass von jedem verantwortungsbewussten Europäer verlangt wird, sich auf die Zukunft vorzubereiten?

Momentan wird lebhaft über Muslime und Europa debattiert. Selbst in meiner tschechischen Heimat, wo man sie kaum je antrifft. "Egal!", wettern manche rechtskonservative Streithähne. "Die sollen alle zum Teufel gehen." In meiner Heimat greift man mangels Muslimen gern auch Roma oder Vietnamesen an - und in vielerlei Hinsicht sogar Frauen.

Selbst in den biedersten Zeitschriften mit schönen Fotos über Haus und Garten ist zu lesen, dass Europas Zukunft den Frauen gehört. Diese Behauptung hat also nichts Extravagantes, und jene, die sich gegen diese Idee sträuben, gehören entweder zu den notorischen Frauenhassern oder zu jenen, die den Europäerinnen eine Zukunft unter der Burka wünschen in der Vorstellung, dass Letztere so gekleidet nicht werden mitreden können.

Europa stirbt aus - und wer ist schuld daran?

Der Europäer sei am Aussterben, heißt es, langsam aber sicher. Und glaubt man manchem, dann liegt die Schuld genau bei jenen emanzipierten Frauen, die doch gleichzeitig Europas Zukunft darstellen. Je besser sie ausgebildet sind, je mehr sie verdienen, desto weniger Kinder bekommen sie, die Schlampen! Ein paar Feministinnen meinen, die Männer seien selbst daran schuld. Sie hätten doch die Pille erfunden, um ungezwungen, sprich ohne Schwangerschaftsrisiko, herummachen zu können. Doch würde eine Rückkehr zum Kondom das Blatt wenden? Wohl kaum.

Wenn ich meine Kleine unter ihrem Deckchen betrachte, aus der nur die Augen und das kahle Köpfchen hervorlugen, dann stell ich mir vor, was aus uns zwei Europäerinnen in 30 oder 40 Jahren wird.

Ich werde dann zum Heer der nervigen Rentnerinnen gehören. Wir verbitterten Alten gehen massenhaft auf die Straße und nörgeln, wie viel besser es früher war, wie eben alle rückwärtsgewandten Alten, die sich ihre Jugend zurücksehnen. Ein wenig senil und desillusioniert protestiere ich wie meine Altersgenossinnen gegen die vierte Generation der E-Books, jene, die man dann wie einen Geldschein zusammenfalten und in die Hosentasche stecken kann und gegen die zwölfte Handy-Generation, obwohl ich meins nie ausschalte - für den Fall, dass meine Enkelkinder anrufen. Meine Tochter braust währenddessen mit 500 Kilometer pro Stunde über virtuelle Autobahnen. Bei offenem Fenster flattert ihre Burka elegant im Wind. Und die Frauen auf der Autobahn sehen alle gleich aus.

Mehr Kinder und weniger Verschwendung

Die Europäerinnen des Jahres 2040 werden wieder einmal (wie oft haben sie es schon tun müssen!) für ihre Rechte kämpfen. Natürlich nur, wenn wir bis dahin durchhalten. Ich stelle mir kein Europa der Regionen vor, denke nicht an die Gemeinschaftswährung oder an eine europäische Idee, ich denke viel mehr an Städte, Bauwerke und Menschen. Wie an einen Katastrophenfilm. Ich stelle mir einen ökologischen Super-GAU vor, den Zusammenbruch des Internets, die Ausbreitung einer neuen Epidemie.

Verglichen mit solchen möglichen Katastrophen erscheint mir das eventuelle Aussterben der Europäer oder eine muslimische Mehrheit auf dem Kontinent geradezu harmlos. Und wenn die Frauen wieder an den Herd müssen, wäre das so schlimm auch wieder nicht.

Ehrlich gesagt, braucht es nur sehr wenig, um diese düsteren Zukunftsvisionen abzuwehren: Mehr Kinder und weniger Verschwendung.

Ich schaue auf meine Kleine, die neben mir liegt, und es wird mir bewusst, dass ich es bin, die in ein paar Jahren sagen wird "tu dies und das" und sie wird mich dann finster ansehen. "Du schreibst mit vor, was ich tun soll?" Es ist immer das gleiche. Ermahnungen nerven. Wir Tschechen sind in der Hinsicht nach 40 Jahren Kommunismus besonders allergisch.

Aber heute Zukunftsszenarien entwickeln? Bloß nicht! Nur vielleicht in einem Internetforum oder während einer Podiumsdiskussion, wo man ganz unverbindlich drauflos plaudert.

Übrigens: Hat uns die Geschichte nicht gelehrt, dass Dinge immer anders ausgehen als vorausgesagt? Na, das ist doch mal ein versöhnliches Schlusswort. Doch wer glaubt das wirklich?

Übersetzung von Jörg Stickan



insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
counterstrike 31.12.2010
1. Kein Mensch hat Angst vor Zuwanderung!
Wir, die einheimische Bevölkerung, haben keine Angst vor Überfremdung. Deutschland hat schon viele Einwanderungswellen hinter sich gebracht. Und wenn man ganz sachlich ist, dann ist doch alles was wir heute als deutsch bezeichnen ein Konglomerat von anderen Kulturen. Deutschland hat in seiner Geschichte Millionen von Menschen aufgenommen, wie z.B. Ostvertriebene, Gastarbeiter, viele Polen im vorherigen Jahrhundert, usw. und das war immer eine kulturelle Bereicherung. Aber jetzt haben wir eine Situation, die hat es in der Geschichte unseres Landes noch nie gegeben. Wir haben Zuwanderung aus einer Kultur der Intoleranz. Menschen kommen zu uns, die unsere Lebensweise, unsere Kultur, unsere Geschichte absolut ablehnen. Jede andere Zuwanderungsgruppe hat sich innerhalb kürzester Zeit mit uns Einheimischen vermischt und die Vorteile ihrer Kultur eingebracht. Nur bei moslemischer Zuwanderung gibt es eine erschreckende Ablehnung und Abschottung. So gibt es selbst in der vierten Generation praktisch keine Ehe zwischen Moslems und Einheimischen. Das ist Realität. Wer jetzt wegen ideologischen Gründen die Augen vor der Wirklichkeit verschließt, der handelt so wie die katholischen Inquisitoren, die sich geweigert haben in das Teleskop von Galileo Galilei zuschauen, aus Angst ihr Weltbild würde kollabieren. Und einmalig in der Geschichte unseres Landes gibt es bei dieser Zuwanderung sogar Menschen die hier seit über 40 Jahren leben und kein Wort deutsch können. Alleine schon diese Tatsache spricht doch Bände. Es hat schon einen Thilo Sarrazin bedurft um diese ganze Missstände einer absolut gescheiterten Integrationspolitik anzusprechen. Die Politische Korrektheit hat es nämlich verboten die Probleme islamischer Zuwanderung überhaupt zu erwähnen. Aber jetzt sind die Entwicklungen so krass, dass man sie einfach nicht mehr schönreden oder ignorieren kann. Und deshalb finde ich das Geschwätz der tschechische Schriftstellerin Petra Hulová einfach nur peinlich!
berns 31.12.2010
2. Alles Schwachsinn.
Es gibt weder ökologische Katastrophen noch gibt es eine Gefahr von Terroristen. Letztere nur deshalb, weil Soldaten in fremde Länder geschickt werden und dort Terror machen. Durch mehr Kinder ändert sich überhaupt nichts zum guten. Ganz im Gegenteil! Es ist geradezu unverantwortlich, angesichts der technischen Fortschritte durch Computer und Automation, noch mehr KInder in die Welt zu setzen. Immer weniger Leute schaffen immer mehr in immer kürzerer Zeit. Wo sollen die dadurch nicht mehr notwendigen Menschen Arbeit finden? Der Terrorismus kann auch nicht durch Kinderkriegen beseitigt werden. Tragen Sie dazu bei, dass Ihre Regierung das Militär auflöst, damit endlich die Unterdrückung ganzer Völker aufhört! Dann ist der Terrorismus überhaupt kein Thema mehr!
schweineigel 31.12.2010
3. Gegendemonstration
(hahha) Als ich das Titelbild gesehen habe, habe ich direkt an dem KuKluxKan gedacht... DAS wäre doch mal 'ne Gegenaktion: Sich in voller KKK-Montur mit einem (brennenden?) Kreuz dazwischenstellen! Als Aktion wäre es auch noch durchaus tiefsinnig: Rassisten? Wer-Wo? Was brennt denn da? Wozu? Juden verbrennen? (das wird die Leutchen vor echt intellektuelle Probleme stellen) Und überhaupt: Wer ist denn das überhaupt? Der soll sich doch mal zeigen! Aber WER soll diese Forderung stellen? Also, so als friedliche Aktion durchaus witzig - vor allem, wo bald Karneval ist.
TC Matic 31.12.2010
4. ...
Zitat von counterstrikeWir, die einheimische Bevölkerung, haben keine Angst vor Überfremdung. Deutschland hat schon viele Einwanderungswellen hinter sich gebracht. Und wenn man ganz sachlich ist, dann ist doch alles was wir heute als deutsch bezeichnen ein Konglomerat von anderen Kulturen. Deutschland hat in seiner Geschichte Millionen von Menschen aufgenommen, wie z.B. Ostvertriebene, Gastarbeiter, viele Polen im vorherigen Jahrhundert, usw. und das war immer eine kulturelle Bereicherung. Aber jetzt haben wir eine Situation, die hat es in der Geschichte unseres Landes noch nie gegeben. Wir haben Zuwanderung aus einer Kultur der Intoleranz. Menschen kommen zu uns, die unsere Lebensweise, unsere Kultur, unsere Geschichte absolut ablehnen. Jede andere Zuwanderungsgruppe hat sich innerhalb kürzester Zeit mit uns Einheimischen vermischt und die Vorteile ihrer Kultur eingebracht. Nur bei moslemischer Zuwanderung gibt es eine erschreckende Ablehnung und Abschottung. So gibt es selbst in der vierten Generation praktisch keine Ehe zwischen Moslems und Einheimischen. Das ist Realität. Wer jetzt wegen ideologischen Gründen die Augen vor der Wirklichkeit verschließt, der handelt so wie die katholischen Inquisitoren, die sich geweigert haben in das Teleskop von Galileo Galilei zuschauen, aus Angst ihr Weltbild würde kollabieren. Und einmalig in der Geschichte unseres Landes gibt es bei dieser Zuwanderung sogar Menschen die hier seit über 40 Jahren leben und kein Wort deutsch können. Alleine schon diese Tatsache spricht doch Bände. Es hat schon einen Thilo Sarrazin bedurft um diese ganze Missstände einer absolut gescheiterten Integrationspolitik anzusprechen. Die Politische Korrektheit hat es nämlich verboten die Probleme islamischer Zuwanderung überhaupt zu erwähnen. Aber jetzt sind die Entwicklungen so krass, dass man sie einfach nicht mehr schönreden oder ignorieren kann. Und deshalb finde ich das Geschwätz der tschechische Schriftstellerin Petra Hulová einfach nur peinlich!
In diesem Fall muß aber gesagt werden, daß dieser Personenkreis schon vor der Zuwanderung aus deutschen Staatsbürgern bestand und daß sich die "kulturelle Bereicherung" hier nur minimal auswirkte, allenfalls durch regionale Einflüsse (tschechisch/slowakisch bei den Sudetendeutschen, polnisch/russisch bei den Ostpreußen und Schlesiern). Auch brachten diese Zuwanderer keine extreme Frömmelei mit, die sich von der bereits hier vorhandenen deutlich unterschieden hätte.
Transmitter, 31.12.2010
5. Historie
Es hat immer schon Entwicklungen in der Geschichte gegeben, die die herrschenden Eliten und ihre Sympahisanten steuern und kontrollieren konnten. Und Entwicklungen, die ihnen ausser Kontrolle gerieten und sich verselbständigten. Die gescheiterte Integrationspolitik hierzulande und in der EU ist so eine Entwicklung. Egal, was die momentan herrschenden Berufspolitiker-Eliten und ihre Gefälligkeitsjournallie noch absondern: Der Clash of Zivilisations wird kommen! Eingeleitet von dem bereits "riech- und schmeckbaren" ökonomischen Kollaps der maroden EU-Systeme. Und dann gnade denen, die uns dieses Elend eingebrockt haben, Gott.
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