Plan von EU-Kommissionsvize Timmermans EU soll bis 2050 klimaneutral werden

Kann Europa seine CO2-Emissionen bis 2030 um 55 Prozent und bis 2050 auf null senken? Ein entsprechendes Gesetz will der designierte EU-Vizekommissionspräsident Frans Timmermans binnen 100 Tagen vorlegen.

Frans Timmermans kündigte ein großes Klimaschutzgesetz an
Stephanie Lecocq//EPA-EFE/REX

Frans Timmermans kündigte ein großes Klimaschutzgesetz an


Die Europäische Union soll bis 2050 klimaneutral werden. Einen entsprechenden Gesetzesentwurf will zumindest Frans Timmermans vorlegen, der designierte EU-Vizekommissionspräsident für Klimaschutz. "Ich werde innerhalb der ersten 100 Tage meiner Amtszeit ein Klimaschutzgesetz vorschlagen", sagte er bei seiner Anhörung im Europaparlament in Brüssel.

Timmermans wolle umgehend damit beginnen, ehrgeizigere Ziele bis zum Jahr 2030 zu erarbeiten. "Ich werde einen Legislativvorschlag vorlegen, der uns helfen wird, die Emissionen um mindestens 50 Prozent zu senken - oder noch besser sogar um 55 Prozent", sagte er. Das offizielle Ziel liegt derzeit bei 40 Prozent.

Auf die Frage, ob er mit dem Klimaschutzgesetz tatsächlich eine Reduzierung um 55 Prozent bis 2030 empfehlen werde, wich Timmermans jedoch aus. Stattdessen verwies er darauf, dass zunächst weitere Analysen zur Machbarkeit und den Auswirkungen abgeschlossen werden sollten. Eine derartige Reduzierung würde "einschneidende Maßnahmen" bedeuten.

"Kampf gegen Klimawandel schadet Wirtschaft nicht"

Mit Blick auf Sorgen der Wirtschaft verwies Timmermans darauf, dass die EU den Ausstoß von Treibhausgasen im Vergleich zum Jahr 1990 bis heute bereits um 22 Prozent reduziert habe, bei einem Wirtschaftswachstum um 58 Prozent. "Wir haben gezeigt, dass der Kampf gegen den Klimawandel der europäischen Wirtschaft nicht schadet", sagte er. Er wolle kein autofreies Europa, aber emissionsfreie Autos.

Unklar ließ Timmermans, was neben dem Neutralitätsziel im Klimaschutzgesetz stehen soll. Er brauche noch etwas Zeit, um zu prüfen, wie weit man gehen könne, sagt er. Klar sei aber beispielsweise, dass es zusätzliche Maßnahmen für den Luftverkehr und die Schifffahrt brauche werde.

Die EU-Länder Frankreich, Spanien, die Niederlande, Portugal, Schweden, Dänemark, Lettland und Luxemburg hatten sich jüngst bereits in einem Brief an Timmermans hinter das Ziel gestellt, bis 2030 den EU-Ausstoß von Emissionen um 55 Prozent zu drücken. Deutschland unterzeichnete den Brief zum 55-Prozent-Ziel nicht.

Dass Timmermans für seine neue Position die notwendige Zustimmung des Europaparlaments bekommt, galt schon vor der Beginn der Anhörung am Dienstagabend als sicher. Unter der künftigen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen soll er ab dem 1. November vor allem für den Umwelt- und Klimaschutz zuständig sein.

hba/dpa



insgesamt 53 Beiträge
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viceman 08.10.2019
1. CO2 in 30 Jahren
Auf Null bringen, das sollte man sich mal ernsthaft durchdenken. Das ist doch komplett unmöglich, was ist daran so schwer zu begreifen?
burghard42 08.10.2019
2. Na ja,
da bin ich mal gespannt.......wie das so organisiert werden soll. Bei der Bundeswehr wird das wohl nicht so einfach gehen..... es sei denn, diese wird außerhalb der EU zwischengelagert und anders abgerechnet werden. Und wie sieht das für Polen,Frankreich .....und und so aus ?
kpkuenkele 08.10.2019
3. Hinterzimmer-Timmermanns?
Frans Timmermanns als "designierter EU-Kommissionsvizepräsident"? Der Frans Timmermanns, der dem bulgarischen Staatschef Nachsicht beim Kampf gegen Korruption als Gegenleistung für die Unterstützung Bulgariens bei der Wahl zum Kommissionspräsidenten zugesagt hat? Ich hätte gehofft, dass solche schmutzigen Hinterzimmerdeals selbst in der EU eine politische Karriere beenden würden.
Tharsonius 08.10.2019
4. Hmm?
"Kann Europa seine CO2-Emissionen bis 2030 um 55 Prozent und bis 2050 auf Null senken?" Auf Null? Ab 2050 sollen wir das Atmen einstellen? Wie gut dass Papier so geduldig ist....
rrippler 08.10.2019
5. Bravo, dann wird er selbst gleich damit anfangen
... und mit gutem Beispiel vorangehen. Technische Lösungen, so wie es sich viele Illusionisten erträumen (etwa die Superbatterie, Kernfusion, freie Energie etc) wird es auch 2050 nicht geben. Und alle Altbauten werden auch bis 2050 nicht abgerissen sein, wer auch sollte den Neubau zahlen, unsere Rentner vielleicht? Unseren Energieverbrauch auf das Niveau von 1950 zurückfahren, das ist die einzige Lösung: Warme Pullis und Socken im Winter, auch in der Wohnung, und Eis von den Fensterscheiben kratzen. Bus- und Radfahren statt Auto, Schlemmer-Essen gibts nur an Feiertagen. Timmermann, geh Du voran! Ich bin der Erste, der folgt, denn ich kenne das und kann das.
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