Europawahl 2014 Hohe Beteiligung in Deutschland, schlechte Zahlen in Italien

Europa wählt - und die Deutschen machen eifriger mit als vor fünf Jahren. Am Nachmittag hatte bereits jeder vierte deutsche Wähler seine Stimme für die Europawahl abgegeben. Andere Europäer sind zurückhaltender.
Europawahl 2014: Hohe Beteiligung in Deutschland, schlechte Zahlen in Italien

Europawahl 2014: Hohe Beteiligung in Deutschland, schlechte Zahlen in Italien

Foto: Michael Kappeler/ dpa

Brüssel/Straßburg - Es sind Wahltage für ganz Europa, doch die Beteiligung fällt sehr unterschiedlich aus: In Deutschland sieht es aus, als würde die Beteiligung bei der Europawahl von vor fünf Jahren deutlich übertroffen.

Bis 14 Uhr gaben am Sonntag 25,6 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, wie der Bundeswahlleiter mitteilte. 2009 lag die Wahlbeteiligung bis zu diesem Zeitpunkt bei 20,2 Prozent. Am Ende betrug sie damals 43,3 Prozent. In Deutschland sind die Wahllokale noch bis 18 Uhr geöffnet.

In Italien droht dagegen bei der Wahlbeteiligung ein Negativrekord, obschon dort gleichzeitig Kommunalwahlen stattfinden: Bis um 12 Uhr hatten nach Angaben des Innenministeriums nur 16 Prozent der knapp 50 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Vor vier Jahren lag die Beteiligung zur gleichen Zeit bei 30 Prozent, allerdings hatten die Italiener damals bereits am Samstag wählen dürfen. Die Wahllokale sind zwischen den Alpen und Sizilien allerdings deutlich länger, nämlich bis 23 Uhr, geöffnet.

Frappierend schlecht ist die Beteiligung offenbar in Lettland und in der Slowakei: Die Slowaken wählten bereits am Samstag, dort sollen nur knapp 13 Prozent der Stimmberechtigten an der EU-Wahl teilgenommen haben (2009: 19,6 Prozent). Das wäre ein neuer Negativrekord. Auch die lettischen Stimmberechtigten sind wahlmüde: Offiziellen Angaben zufolge gingen bis Samstagmittag nur zehn Prozent zur Wahl. Auch die Polen bestätigen ihren Ruf als EU-Wahlmuffel: Bis mittags hatten nach Angaben der Staatlichen Wahlkommission lediglich 7,3 Prozent der gut 30 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Die polnischen Wahllokale schließen allerdings erst um 21 Uhr.

Wie in ganz Europa wird das Abschneiden populistischer und europaskeptischer Kräfte genau beobachtet: In Italien etwa könnte die Fünf-Sterne-Bewegung Umfragen zufolge zweitstärkste Kraft werden. In Großbritannien schien sich ein Erfolg für die rechtspopulistische Unabhängigkeitspartei Ukip abzuzeichnen, die einen Austritt aus der EU anstrebt. Die Briten wählten bereits am Donnerstag, das Endergebnis wird wie überall erst nach dem Schluss der letzten Wahllokale in Italien bekannt gegeben.

In den Niederlanden erlitt der Rechtspopulist Geert Wilders am Donnerstag überraschend eine klare Schlappe. Dort setzten sich Prognosen zufolge die europafreundlichen Kräfte der linksliberalen D66 und der Konservativen durch. Die Wahlbeteiligung war allerdings sehr gering, nur etwa jeder dritte Niederländer beteiligte sich an der Europawahl.

In Irland, wo die Beteiligung immerhin bei um die 50 Prozent lag, verpassten die Wähler der Regierung einen Denkzettel. Die konservative Fine-Gael-Partei von Premierminister Enda Kenny kam Prognosen zufolge nur auf 22 Prozent der Stimmen, die mitregierenden Sozialdemokraten erzielten gar nur sechs Prozent. Starke Zugewinne verbuchten unabhängige Bewerber und die Sinn-Féin-Partei des Ex-IRA-Mannes Gerry Adams.

In Deutschland sind 64,4 Millionen Menschen wahlberechtigt, darunter fast drei Millionen Bürger anderer EU-Länder. Mit 96 Parlamentariern entsendet Deutschland die größte Gruppe nach Straßburg. Auch Kleinparteien können sich diesmal eine Chance ausrechnen, weil das Verfassungsgericht die Sperrklausel gekippt hatte - schon ab einem Ergebnis von 0,5 bis 0,7 Prozent könnte es einen Sitz geben (mehr zu diesem Thema lesen Sie hier). Unmittelbar nach Schließung der Wahllokale um 18 Uhr wollen ARD und ZDF erste Prognosen bekannt geben.

Insgesamt waren in den 28 Mitgliedstaaten rund 400 Millionen Menschen dazu aufgerufen, die 751 EU-Abgeordneten in Straßburg zu wählen.

cht/hut/dpa/AFP
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