Hochrechnungen zur Europawahl Union verliert, bleibt aber stärkste Kraft, Grüne vor SPD

Für die SPD setzt sich die Serie von Niederlagen fort. Laut ersten Hochrechnungen stürzt die Partei bei der Europawahl ab und wird von den Grünen überholt. Auf Platz eins mit starken Verlusten: CDU und CSU.

CLEMENS BILAN/ EPA-EFE/ REX

Bei der Europawahl hat die SPD in Deutschland im Vergleich zur Europawahl 2014 voraussichtlich massiv an Stimmen verloren. Ersten Hochrechnungen des ZDF und der ARD zufolge sackte die SPD auf 15,6 Prozent ab.

CDU und CSU kamen mit ihrem gemeinsamen Spitzenkandidaten Manfred Weber auf 27,7 bis 27,9 Prozent. Die Grünen verbesserten sich klar auf 20,8 bis 21,8 Prozent. Die AfD kam der Hochrechnung zufolge auf 10,6 Prozent, die FDP auf 5,5 Prozent, die Linke ebenfalls auf 5,5 Prozent.

Europawahl 2019 in Deutschland

Vorläufiges Ergebnis

Stimmenanteile
in Prozent
Union
28,9
-6,4
SPD
15,8
-11,5
Grüne
20,5
+9,8
Die Linke
5,5
-1,9
AfD
11
+3,9
FDP
5,4
+2
Sonstige
12,9
+4,1
Quelle: Bundeswahlleiter

Bei der Europawahl 2014 hatten CDU und CSU noch 35,4 Prozent der Stimmen geholt, die SPD 27,3 Prozent. Die Grünen waren vor fünf Jahren auf 10,7 Prozent gekommen, die Linke holte 7,4 Prozent. Die AfD erreichte 7,1 Prozent, die FDP 3,4 Prozent.

Alles Wichtige zum Wahlsonntag im Newsblog.

Auch gegenüber der Bundestagswahl im September 2017 verlor die Union massiv - damals holte sie 32,9 Prozent. Die SPD kam auf 20,5 Prozent - das war ein historisch schlechtes Ergebnis bei einer bundesweiten Wahl. Die AfD erreichte 12,6 Prozent, die FDP 10,7 Prozent. Die Linke lag bei 9,2 Prozent, die Grünen holten 8,9 Prozent.

Insgesamt sind mehr als 400 Millionen Wahlberechtigte in 28 Ländern dazu aufgerufen, die 751 Abgeordneten im EU-Parlament zu wählen. Deutschland fallen 96 Sitze zu.

Wahlbeteiligung stark gestiegen

In Deutschland machten bis zum frühen Nachmittag nach Angaben des Bundeswahlleiters 29,4 Prozent der Wahlberechtigten von ihrem Stimmrecht Gebrauch - das waren fast vier Prozentpunkte mehr als zur gleichen Zeit bei der Europawahl 2014 (25,6 %). Die Wahlbeteiligung lag in diesem Jahr bei voraussichtlich 59,0 bis 60,0 Prozent - ein deutlicher Sprung nach oben: vor fünf Jahren waren es 48,1 Prozent.

Diesmal waren bei der Europawahl in Deutschland 64,8 Millionen Menschen wahlberechtigt. Wichtige Themen im Wahlkampf waren Klimaschutz, Mindestlohn, die Besteuerung von Internetkonzernen sowie die Migrationspolitik und die Internet-Urheberrechtsdebatte. Bestimmt war er auch von Sorgen vor einem Erstarken von Rechtspopulisten, EU-Skeptikern und Nationalisten.

Das Europaparlament hat wichtige Kompetenzen in der EU-Gesetzgebung und muss unter anderem dem jährlichen EU-Haushalt zustimmen. Es spielt auch eine wichtige Rolle bei der Bestimmung des neuen EU-Kommissionspräsidenten.

Lesen Sie hier: So wird das EU-Parlament gewählt

Prognosen erwarten EU-weit Verluste bei Christ- und Sozialdemokraten im Vergleich zur Wahl 2014 und Erfolge rechter EU-Kritiker in wichtigen Ländern. Liberalen und Grünen wurden Zugewinne vorhergesagt. Offizielle Ergebnisse werden erst nach Schließung der letzten Wahllokale in der EU um 23 Uhr in Italien erwartet.

Nach der Wahl soll möglichst rasch über den Nachfolger des scheidenden Kommissionschefs Jean-Claude Juncker entschieden werden. Die europäischen Christdemokraten haben den CSU-Politiker Manfred Weber als Spitzenkandidaten ins Rennen geschickt, die Sozialdemokraten den Niederländer Frans Timmermans. Ob tatsächlich einer von ihnen künftig die Kommission führen wird, ist aber offen, da die Staats- und Regierungschefs der EU-Länder auf ihr Vorschlagsrecht pochen. Sie wollen sich am Dienstag zu einem Sondergipfel treffen.

kko/dpa

insgesamt 155 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
johnnypistolero 26.05.2019
1. Yeahhhh
Jeder 40.te Wähler hat verantwortungsvoll gewählt... Denn die Die-Partei hat 2,6% erhalten...
hdwinkel 26.05.2019
2. Lange Gesichter
Da gibt es heute wohl viele lange Gesichter. Die Regierungsparteien verlieren beträchtlich und die Rechtspopulisten profitieren davon eigentlich nicht. Alles gut.
claus7447 26.05.2019
3. Gut dass Grün einen neuen Trend einleitet
Die klatsche für CDU/CSU sowie SPD war zu erwarten. Als Alt SPD'lertut es weh, aber man muss es akzeptieren. Andrea Nahles hat die Zeichen an der Wand nie zur Kenntnis nehmen wollen, ich hoffe sie erkennt es jetzt und geht. Die Höhenflüge der FDP sind auch ziemlich gestützt, und es freut mich das die Europa zerstörerpartei AfD das Ergebnis der BT Wahl weit verfehlt hat. Meuthen kann ja dann mit seinen 10 Hanseln dann die Spesen verprassen, denn zu mehr wird es nicht reichen. Am Tisch mit Le Pen und Salvini werden für ihn nur die Krümel übrig bleiben. Die rechten sind ja Gott sei Dank intern Egoisten und keine Teamplayer.
Grummelchen321 26.05.2019
4. Jetzt sollte sich die SPD
überlegen welche Köpfe im Bundesvorstand rollen müssen.Sie haben aus den vorhergehenden wahlen nichts gelernt. Nahles muss weg und alle zu Ihr gehörenden Ja Sager,denn die bringen die SPD nicht weiter.
DougStamper 26.05.2019
5. Nur 3 % mehr für die afd
Und 10 für die Grünen. Ein schönes Ergebnis. Hat das anbiedern den schwarzen anscheinend doch nicht geholfen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.