Europawahl Deutsche Spitzenkandidaten streiten um Türkei-Beitritt

Gehört die Türkei in die EU oder nicht? Der SPD-Europaabgeordnete Schulz will mit der Aufnahme des Landes eine "Brücke in die islamische Welt" bauen. Doch der CDU-Kontrahent Pöttering hält dagegen: Dafür reiche die Kraft der Staatengemeinschaft nicht.


Berlin - Kurz vor den Europawahlen haben die deutschen Spitzenkandidaten die Diskussion um einen EU-Beitritt der Türkei befeuert: Der SPD-Abgeordnete Martin Schulz plädiert dafür, "eine Brücke in die islamische Welt bauen" - und die Türkei in die Europäische Union aufzunehmen.

SPD-Politiker Schulz: "Eine Brücke in die islamische Welt bauen"
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SPD-Politiker Schulz: "Eine Brücke in die islamische Welt bauen"

Dies fördere die Integration der Muslime in Europa und trage außerdem zur Stabilisierung der Region bei, sagte Schulz dem "Morgenmagazin" des ZDF. Schulz ist Fraktionschef der Sozialisten im Europaparlament. Er soll nach dem Willen von SPD-Chef Franz Müntefering Deutschlands neuer EU-Kommissar in Brüssel werden.

Der CDU-Politiker Hans-Gert Pöttering warnte in der gleichen Sendung hingegen, für eine Aufnahme der Türkei in die EU "reiche die Kraft nicht": Ein Beitritt würde die Gemeinschaft geografisch und finanziell überfordern. Schon heute sei es schwierig, die Union zusammenzuhalten. "Natürlich brauchen wir eine Brücke zum Islam, aber das muss nicht gleich eine Mitgliedschaft sein", sagte Pöttering, der auch als Präsident der Europaparlamentes amtiert.

CDU und CSU setzen sich seit Monaten wieder intensiv für eine sogenannte "privilegierte Partnerschaft" der Türkei statt einer Vollmitgliedschaft ein. Als US-Präsident Obama im April die EU-Staaten aufforderte, die Türkei als Mitglied in ihren Staatenbund aufzunehmen, stieß dies auf heftige Kritik bei Unionspolitikern. "Einmischung in die inneren Angelegenheiten Europas" sei das, polterte Bernd Posselt, außenpolitischer Sprecher der CSU-Gruppe im Europaparlament. "Die EU ist nicht der Spielball Obamas." Die Türkei sei kein europäisches Land, begründete Posselt seine Meinung auf SPIEGEL ONLINE.

Einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF zufolge sind 58 Prozent der Deutschen gegen einen Beitritt der Türkei zur EU, 37 Prozent sprechen sich dafür aus, fünf Prozent sind unentschieden.

kgp/ddp



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