Sieben Wochen vor der Wahl Europäer sind bei Haltung zur EU gespalten

Was halten die Europäer von der EU? Eine Umfrage kurz vor der Europawahl zeigt, dass es zwei Lager gibt. In Deutschland sind die Zuversichtlichen in der Mehrheit.

Musiker vor Europaparlament in Straßburg
Jean-Francois Badias/ AP

Musiker vor Europaparlament in Straßburg


Rund sieben Wochen vor der Europawahl sind die europäischen Bürger einer Studie zufolge bei ihrer Haltung zur EU gespalten. In Europa gebe es eine Kluft zwischen denjenigen, die den Zustand der Gesellschaft und ihre eigene ökonomische Lage zuversichtlich sehen und denen, die diese mit Sorge betrachten, heißt es in einer repräsentativen Befragung der Bertelsmann Stiftung. Und diese unterschiedlichen Einstellungen könnten direkte Auswirkungen auf die Wahl des Europaparlaments Ende Mai haben, wie die Autoren der "Eupinions"-Untersuchung schreiben.

Denn die Zuversichtlichen und Verunsicherten hätten auch deutlich verschiedene Meinungen über die EU-Politik und zudem unterschiedliche parteipolitische Präferenzen. Konkret bedeute das:

  • Verunsicherte Bürger äußerten tendenziell häufiger Sympathien für rechtspopulistische oder rechtsextreme Parteien wie Rassemblement National in Frankreich, AfD in Deutschland oder Lega in Italien.
  • Sie seien eher unzufrieden mit den Weichenstellungen auf EU-Ebene,
  • kritisierten die EU-Arbeitsweise
  • und meinten, dass Brüssel und Straßburg Bürgeranliegen vernachlässigten.

Die zuversichtlich Eingestellten neigen dagegen laut der Umfrage eher zu Parteien der Mitte und zu proeuropäischen Parteien. Sie stellen der EU ein positiveres Zeugnis aus und sind über die Europapolitik auch besser informiert.

Mehr Optimisten in Deutschland

Die Deutschen heben sich dabei in einigen Punkten ab: So machen sich EU-weit 51 Prozent Sorgen um den Zustand der Gesellschaft, 35 Prozent um die eigene wirtschaftliche Situation. In Deutschland sind das "nur" 38 Prozent mit Blick auf die Gesellschaft und 27 Prozent hinsichtlich der eigenen Wirtschaftslage. Unter den großen EU-Ländern gehörten die Deutschen zu den Optimisten, die "noch relativ unbeeindruckt von Krisenausläufern der Globalisierung oder populistischen Strömungen" seien, betonte Mitautorin Isabell Hoffmann.

Und was erwarten sie von der EU-Politik? Bis auf die AfD-Anhänger sieht jeder Fünfte (21 Prozent) in Deutschland den Einsatz gegen den Klimawandel als wichtigste Herausforderung für die EU. Danach folgen "Frieden sichern" und "Terrorismus bekämpfen" als zentrale Aufgaben der EU-Politik. Und hierzulande wissen die Bürger vergleichsweise gut Bescheid über die Spitzenkandidaten sowie die Arbeit und Funktionsweisen der EU, schilderte Hoffmann.

Für die Studie waren im Dezember 2018 rund 11.700 EU-Bürger befragt worden. Auch für die größten Mitgliedstaaten Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Polen und die Niederlande ist die Umfrage den Angaben zufolge repräsentativ.

Eine Gemeinsamkeit verbinde die Lager aber doch: In beiden wollen etwa zwei Drittel der Bürger im Mai wählen gehen.

cte/dpa

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insgesamt 104 Beiträge
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Seite 1
hasselblad 03.04.2019
1.
Keine Ahnung was die Leute für ein Problem mit der EU haben, es liegt wie bei allem anderen auch einfach daran, dass sie ein Ziel für ihren selbstgemachten Frust brauchen. Man kann ohne Grenzen beliebig hin- und herreisen und muss kein Geld umtauschen. Etwas anderes bekommt der Normalbürger von der EU doch gar nicht mit. Jeder Cent, den Deutschland in die EU investiert, kommt irgendwie zurück, für die Bundesrepublik ist die EU politisch und ökonomisch ein totaler Gewinn. Und wer sich aus Prinzip über Gurkenkrümmungsgrade und Glühbirnenverbote aufregt hat ganz andere Probleme, die sind aber im Lebenslauf der Person begründet und haben nichts mit der EU zu tun.
Sibylle1969 03.04.2019
2.
Schuld an den Problemen, die die Verunsicherten beklagen, sind die äußert ungleiche Verteilung des Wohlstands und der Neoliberalismus, NICHT die EU. Die EU muss aber für viele als Sündenbock herhalten, aus meiner Sicht völlig unberechtigt.
eule_neu 03.04.2019
3. Ja zur EU, aber ....
Der EU-Gedanke ist ein Guter und man sollte zur EU-Wahl gehen. Aber die EU sollte sich reformieren und es gibt viele Baustellen. Angefangen von der überproportionalen Verwaltung bis hin zum Fundament, auf dem die EU wirkt. Die EU ist ein Zusammenschluss von Nationalstaaten mit unterschiedlicher kultureller Geschichte und Erfahrungen und so sollte es auch bleiben. Gleiche Interessen gemeinsam vertreten, dabei aber Rücksicht auf nationale Befindlichkeiten nehmen. Das ist zwar eine Quadratur des Kreises, trotzdem aber sollte am Grundgedanken der EU festhalten. Die führenden Politiker der Nationalstaaten in der EU sollten sich mehr für die Gemeinsamkeiten einsetzen und ihre Politik danach ausrichten, die Abstimmungsregeln sollten aber geändert werden und zwar dahingehend, dass nicht mehr alle 27 Staaten zustimmen müssen, sondern ein 75 %ige Mehrheit ausreicht. Eine 100 % Zustimmung darf nur für wenige Sachfragen gelten. Ich werde wählen gehen, bin mir aber bewusst, dass die derzeitige Gestaltung der EU keinen Bestand haben darf, der ungedeckte Scheck des Wählers darf nicht missbraucht werden ...
n.wemhoener 03.04.2019
4.
Auch durch das endlose Brexit-Drama wird den Menschen in Europa mehr und mehr bewusst, wie wichtig die EU für sie ist.
mars55 03.04.2019
5. Mich hätten
Mich hätten hier ja jetzt paar Zahlen interessiert, wie es in den verschiedenen Ländern ausieht. So ist mir das zu allgemein.
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