Europawahl Ergebnis verdoppelt - Grüne triumphieren

Es sei ein "Sunday for Future": Die Grünen-Spitzenkandidaten feiern den historischen Wahlerfolg ihrer Partei. Sie wollen die "Stimme der Klimabewegung" ins Parlament tragen.

OMER MESSINGER/ EPA-EFE/ REX

Jubel bei den Grünen: Den ersten Hochrechnungen zufolge erreicht die Partei ein historisch gutes Ergebnis von 20,8 bis 21,8 Prozent bei der Europawahl. Grünen-Spitzenkandidatin Ska Keller bezeichnete das starke Abschneiden ihrer Partei bei der Europawahl als "sensationelles Ergebnis" und "grandiose Teamleistung".

Großer Jubel: Grünen-Chefin Annalena Baerbock (Mitte) mit Katrin Goering-Eckardt (rechts)
OMER MESSINGER/ EPA-EFE/ REX

Großer Jubel: Grünen-Chefin Annalena Baerbock (Mitte) mit Katrin Goering-Eckardt (rechts)

Auf der Wahlparty haben die Menschen schon beim Einlauf der Parteichefs angefangen zu klatschen, berichtet SPIEGEL-Reporterin Valerie Höhne. Der Applaus hielt etwa 20 Minuten ununterbrochen an, während die ersten Prognosen verkündet wurden. "Die Stimmung ist ein bisschen wie bei der Fußballweltmeisterschaft", sagt Höhne.

Grünen-Geschäftsführer und Wahlkampfleiter Michael Kellner sagte im ZDF, er sei "so froh, dass wir es geschafft haben, einen 'Sunday for Future' zu machen" und spielte damit auf die Klimaschutzbewegung Fridays for Future an. "Für uns ist es ein Auftrag und eine Verantwortung die Dinge umzusetzen, vor allem im Klimaschutz", fügte Spitzenkandidatin Keller in der ARD hinzu. In Brüssel wolle ihre Partei nun weiter für dieses Wahlziel streiten und zugleich den sozialen Zusammenhalt und die Demokratie in Europa zu stärken.

Hat gut lachen: Ska Keller bei der Stimmabgabe
OMER MESSINGER/EPA-EFE/REX

Hat gut lachen: Ska Keller bei der Stimmabgabe

Grünen-Spitzenkandidat Sven Giegold sprach von einer Richtungswahl. "Wir werden die Stimme der Klimabewegung von der Straße ins Parlament tragen und uns für den europäischen Zusammenhalt einsetzen."

Die Grünen konnten Prognosen zufolge bei dem Urnengang mit 20,5 bis 22 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis bei einer bundesweiten Wahl einfahren.

Nahles: SPD-Ergebnis "extrem enttäuschend"

Schlechte Stimmung gab es dagegen bei der SPD: Die Ergebnisse seien "extrem enttäuschend", sagte Chefin Andrea Nahles. "Leider ist es uns nicht gelungen, das Ruder herumzureißen." Sie sprach von "schmerzlichen Ergebnissen, die zeigen, dass wir noch viel zu tun haben."

Nahles versuchte aber auch, ihrer Partei Mut zu machen: "Ich sage 'Kopf hoch' in Richtung SPD." Die Parteichefin beglückwünschte die Grünen dazu, dass diese erstmals bei einer bundesweiten Wahl zur zweitstärksten Kraft geworden sind. Die SPD kam bei der Europawahl nur noch auf Rang drei. Spitzenkandidatin Katarina Barley sagte dazu: "Ich habe echt alles gegeben, was ich konnte, mehr ging nicht."

Fotostrecke

8  Bilder
Reaktionen zur EU-Wahl: "Strache hat uns mehr geschadet als der FPÖ in Österreich“

Auch bei der CDU ist die Stimmung verhalten. Das Ergebnis bei der Wahl entspreche nicht dem Anspruch der Union als Volkspartei, sagte CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Die Union habe aber ihr Wahlziel erreicht, stärkste Kraft zu werden. Und die EVP-Fraktion, in der die CDU vertreten ist, werde voraussichtlich stärkste Kraft im Europaparlament. Dies untermauere den Anspruch, dass EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber (CSU) neuer Präsident der EU-Kommission werde.

Weber selbst zeigte sich enttäuscht über das Ergebnis der Union. "Deutschlandweit hätten wir uns ein besseres Ergebnis gewünscht", sagte er im Bayerischen Fernsehen. "Mich freuen die Zahlen aus Bayern natürlich", fügte er hinzu.

Die CSU holte in Bayern nach der Hochrechnung des Bayerischen Rundfunks mit 40,5 Prozent so viel wie bei der Europawahl 2014. Deutschlandweit rutschte die Union nach den Hochrechnungen von ARD und ZDF aber auf deutlich unter 30 Prozent ab - nach mehr als 35 Prozent vor fünf Jahren.

kko/dpa/AFP



insgesamt 36 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
vulcan 26.05.2019
1. oh je...
Wer wählt diese Traumtänzer? Ein weiterer Schritt in den Niedergang Europas. Prima.
hellmund35 26.05.2019
2. Wer macht eigentlich Umweltpolitik in der CDU?
Es ist nicht verwunderlich, dass die Grünen so gut abschneiden. Schaut man sich die CDU an, fragt man sich, wer ist eigentlich der umweltpolitische Sprecher oder die Sprecherin der CDU? Wer kommuniziert das umweltpolitische Konzept der CDU und hat die CDU überhaupt ein solches Konzept? Wenn Klimaschutz und Umweltpolitische Themen im Fokus des Wahlvolks stehen, dann muss die Partei doch darauf reagieren und Frontleute bestimmen, die dieses Thema beackern. Wenn auch bei den Grünen viel mit Verboten gearbeitet wird und viele Lösungen einfach nur den Griff in die Taschen der Leute darstellen, haben sie aber auch griffige Lösungen. Vor allem sind sie laufend an dem Thema dran und kommunizieren ihre Lösungen. Da entsteht der Eindruck, die kümmern sich und sammeln damit Stimmen beim Wahlvolk. Und bei der CDU: Langsam entfällt das Argument, dass die Kanzlerin an allem Schuld ist. Die CDU ist nicht nur die Kanzlerin, da muss es auch mal ein paar Leute geben, die sich um die Umweltpolitik der Partei kümmern, damit wieder Stimmen geholt werden.
Fahrradlenker 26.05.2019
3. Richtige Antworten?
Es ist schon bemerkenswert, wie sich AKK da vorne hinstellt und allen Ernstes behauptet, daß ihre Partei die richtigen Antworten gegeben hat. Nach diesem Absturz kann man das eher als Realitätsverlust verbuchen. CL von der FDP hat meiner Meinung das gleiche Leiden. Wahlgewinner? Offensichtlich muss man ihm mal sein Wahlergebnis erklären.
mborevi 26.05.2019
4. Es erschreckt mich sehr, dass ...
... der rechtsradikale Block so viele Stimmen erhalten hat. Ich bin von der alten Generation und habe das Chaos vor 1945 noch bewusst erlebt. Als man als Kind ermahnt wurde: " Sei ruhig, die Wände haben Ohren". Und als die Nachbarn bei Nacht und Nebel abgeholt wurden. Und ich sage: Nie wieder. Leider sehen das über 10% der Deutschen offenbar anders. Was schreibt schon Goethe: "Den Teufel kennt das Völkchen nie, und wenn er sie beim Kragen hätte" (Faust, Mephisto in Auerbachs Keller).
awoth 26.05.2019
5. Wenn sich die Grünen
nun aber darauf was einbilden , so liegen sue falsch! SPD und Union sind einfach unwählbar geworden (... die Menschen und wir ....), die FDP und der Rest erst recht und wenn man überhaupt was wählen wollte, bleibt nicht viel übrig. Ausser man will Bienen retten....
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.