Europawahl In vielen Ländern zeichnet sich höhere Beteiligung ab

427 Millionen Menschen sind zur Europawahl aufgerufen. Ersten Angaben zufolge gingen in vielen Ländern mehr Menschen in die Wahllokale als 2014.

Europaflaggen vor dem Berlaymont-Gebäude, dem Sitz der Europäischen Kommission
DPA

Europaflaggen vor dem Berlaymont-Gebäude, dem Sitz der Europäischen Kommission


In vielen EU-Staaten lag die Zahl der Wähler nach ersten Angaben oder Schätzungen über der vor fünf Jahren. Im Detail:

  • In Frankreich ist die Beteiligung nach ersten Angaben des Innenministeriums im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren gestiegen. Bis zum Mittag (12 Uhr) gaben rund 19,27 Prozent der Wahlberechtigten im französischen Staatsgebiet in Europa ihre Stimme ab, wie das Ministerium auf Twitter bekannt gab. 2014 hätten bis zu dieser Uhrzeit rund 15,70 Prozent abgestimmt.
  • In Italien stimmten bis 12 Uhr 15,9 Prozent der Wahlberechtigten ab. 2014 war die Beteiligung zu der Zeit mit 16 Prozent minimal höher gewesen.
  • Auch in Spanien zeichnet sich bis zum frühen Nachmittag eine weitaus höhere Beteiligung ab als vor fünf Jahren. Bis 14 Uhr seien 34,63 Prozent der 37 Millionen Wahlberechtigten zu den Urnen gegangen, teilte die Wahlbehörde mit. Zum selben Zeitpunkt waren es bei der vorherigen EU-Wahl nur 23,87 Prozent.
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  • In Polen hatten fünf Stunden nach Öffnung der Wahllokale bis 12 Uhr 14,39 Prozent der Wähler abgestimmt - etwa doppelt so viele wie 2014. Damals hatte die Wahlbeteiligung bis zu dieser Zeit nur bei 7,31 Prozent gelegen. Insgesamt hatten in Polen vor fünf Jahren knapp 23,3 Prozent der Wähler abgestimmt.
  • In Dänemark hatte bis Sonntagmittag bereits knapp jeder vierte der Wahlberechtigten seine Stimme abgegeben. Die Beteiligung lag um 12 Uhr nach Stichproben der Nachrichtenagentur Ritzau bei 24,7 Prozent. Zum selben Zeitpunkt waren es bei der vorherigen EU-Wahl 20,3 Prozent gewesen. Diesmal haben mehr Dänen vorab per Briefwahl abgestimmt - diese Zahl wird von Ritzau zusammen mit den morgendlichen Wählern in die vorläufige Beteiligung mit eingerechnet. 2014 hatte die Wahlbeteiligung in Dänemark am Ende 56,3 Prozent betragen, nach einem Höchstwert von 59,5 Prozent im Jahr 2009.
  • In Ungarn hatten um 11 Uhr rund 17,2 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, wie die Wahlkommission in Budapest mitteilte. Vor fünf Jahren waren es zur selben Zeit nur 11,5 Prozent gewesen. Wahlforschern zufolge dürfte es der Regierungspartei Fidesz von Viktor Orban gelungen sein, in den ländlichen Gebieten mehr Wähler zu mobilisieren als bisher. Ungarn ist seit 2004 EU-Mitglied und nahm im selben Jahr erstmals an einer Europawahl teil.
  • In der Slowakei zeichnet sich nach inoffiziellen Schätzungen von Medien und Parteien eine Wahlbeteiligung von 20 Prozent ab. Das wäre die bisher höchste Beteiligung, die es in dem Euroland jemals bei einer Europawahl gegeben hat. Vor fünf Jahren gingen nur 13 Prozent der slowakischen Stimmberechtigten zur Wahl. Das war der bisher niedrigste Wert, den überhaupt ein Land bei EU-Wahlen erreichte. Auch bei allen anderen bisherigen EU-Wahlen, an denen die 2004 der EU beigetretenen Slowaken mitentscheiden durften, waren sie mit 17 (2004) und 19 Prozent (2009) jeweils Schlusslicht aller EU-Länder.
  • Auch in Rumänien lag die Wahlbeteiligung nach einer Zwischenbilanz deutlich über der vor fünf Jahren. Sechs Stunden nach Öffnung der Wahllokale hatten bis 12 Uhr 19,75 Prozent der Wähler abgestimmt - 2014 waren es bis zu dieser Uhrzeit nur 12,4 Prozent. Rumänen aus dem westlichen Ausland standen am Sonntag bei Konsulaten Schlange, um abzustimmen - wie hier in München:
  • Der Trend gilt als schlechtes Zeichen für die Parteien der sozialliberalen Regierungskoalition und vor allem für den vorbestraften Parteichef Liviu Dragnea. Es wird erwartet, dass seine Partei ihn stürzt, wenn sie schlecht abschneiden sollte.

  • Auch aus Zypern und Kroatien wurden leicht bessere Zwischenstände zur Wahlbeteiligung gemeldet als vor fünf Jahren. In der Republik Zypern gingen bis zum Mittag (11 Uhr) der Wahlkommission in Nikosia zufolge 19 Prozent wählen - das war ein Prozentpunkt mehr als vor fünf Jahren zu dieser Zeit. In Kroatien waren es bis 11.30 Uhr 9,9 Prozent - zwei Prozentpunkte mehr als 2014 zur selben Zeit.
  • In Lettland, wo bereits am Samstag abgestimmt worden war, lag die Beteiligung nach Angaben der Wahlkommission in Riga bei 33,51 Prozent - und damit ebenfalls leicht höher als 2014 (30,24 Prozent).
  • In Malta - wo die Wahl ebenfalls schon zu Ende ist - stimmten nach Angaben der Wahlkommission 72,6 Prozent der Wähler ab. Das ist etwas weniger als 2014 (74,8 Prozent).
  • tin/dpa



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    stelzerdd 26.05.2019
    1. Höhere Wahlbeteiligung ist gut...
    ...aber eine Wahlbeteiligung unter 50% ist grundsätzlich unbefriedigend. Denn wenn mehr als 50% nicht abstimmen beweist das, daß die Mehrheit der Wahlberechtigten nicht begriffen hat, worum es geht.
    chjuma 26.05.2019
    2. Ich war viele Jahre Nichtwähler
    Und zwar bewusst und mit Absicht. Weil, egal wer oder was gewählt wurde, Wahlversprechen dienten nur einem Zweck, die Stimmen für die eigene Rundum Versorgung zu ergattern. Das empfand ich als widerlich. Ich musste im Laufe der Jahre einsehen, dass das Lager der Nichtwähler mit seinen +-25% eine kalt gestellte Macht ist. Insofern kann ich nur jedem Nichtwähler raten...geht wählen, Ignoranz ändert nichts. Eure 25% könnten eine Menge bewegen!
    michaelnolting 26.05.2019
    3. Wenn man denn Wählen kann
    Wir haben soeben versucht in Bochum Hordel unsere Stimmen zur Europawahl abzugeben. Völlig Erfolglos weil es keine Wahlzettel mehr gab. Das scheint nicht nur in unserem Wahlbezirk in Bochum so zu sein. So hält "man" den Frust an der Politik auch hoch.
    Schartin Mulz 26.05.2019
    4. Da über die
    Zukunft der EU mittlerweile heftig gestritten wird, wäre eine höhere Wahlbeteiligung schon logisch. Denn "Wahl", das heißt ja, dass man zwischen verschiedenen Dingen wählen kann. Die Idee, die Europapolitik im Konsens zu regeln, war sicher irgendwann mal verständlich, hat die Wahl aber zu einer bloßen Bestätigung der ohnehin "alternativlosen Politik" degradiert. Dafür aber macht sich eben ein großer Teil der Bürger nicht auf.
    hexenbesen.65 26.05.2019
    5.
    Ich denke, dass viele hier in D wählen gehen, um es der "Deutschen Rgierung " zu zeigen, "wo der Hammer hängt"...alleine das Video von Rezo hat ja eingeschlagen. Mich würde es nicht wundern, wenn diese Parteien DEUTLICH verlieren würden. Viele (ehmalige) CDU-Wähler sind entsetzt über diese Poliik und würden diesen Haufen nicht mehr wählen. (Allerdings ist die SPD keinen deut besser ) Daher befürchte ich, dass es eine Partei gibt, die aus dem Stand (oder fast aus dem Stand) in eine zweistellige Prozentzahl kommt. Aber das hat sich die Politik selber zu zu schreiiben, und nicht einer aufmerksamen Gruppe junger Leute, die das mal auf den Punkt gebracht haben. DIE haben teilweise mehr verstand als ein alter, routinierter "Mia san mia" -Wähler..
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