Europawahl in Ungarn Viktor Orbán mit Fidesz laut Umfrage weit vorne

Regierungsnahe Wahlforscher haben in Ungarn nach der Europawahl Menschen befragt, für welche Partei sie gestimmt haben. Ergebnis: Die Partei von Ministerpräsident Orbán erhält mehr als die Hälfte der Stimmen.

Wem sie wohl ihre Stimme gab? Aniko Levai mit ihrem Mann Viktor Orbán
Szilard Koszticsak/ MTI/ AP/ DPA

Wem sie wohl ihre Stimme gab? Aniko Levai mit ihrem Mann Viktor Orbán


Bei der Europawahl in Ungarn liegt die rechtsnationale Fidesz-Partei offenbar klar vorne - das ergab eine Telefonumfrage regierungsnaher Wahlforscher. Die Partei von Ministerpräsident Viktor Orbán soll 56 Prozent der Stimmen erhalten haben, teilte das Institut Nezöpont nach Schließen der Wahllokale um 19 Uhr mit. Um den zweiten Platz würden sich nach diesen Angaben die beiden linken Parteien MSZP und DK mit jeweils 10 Prozent ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern.

Die staatliche Wahlkommission will aussagekräftige Ergebnisse um 23.00 Uhr veröffentlichen. Die Wahlbeteiligung fiel höher aus als bei jeder bisherigen Europawahl. Um 18.30 lag sie bei 42 Prozent und damit um 14 Prozentpunkte über der von 2014.

Medienberichten zufolge dürfte es der Fidesz-Partei gelungen sein, in den ländlichen Gebieten mehr Wähler zu mobilisieren als bisher. Die Beteiligung in Städten und Regionen, in denen Fidesz besonders stark ist, lag teilweise weit über dem Landesschnitt. 2014 war Fidesz auf 51 Prozent der Stimmen gekommen und hatte 12 von 21 ungarischen Mandaten errungen.

Polen: PiS führt knapp

Auch in Polen wird ein Sieg der Rechtspopulisten erwartet. Ersten Prognosen zufolge liegt die nationalkonservative Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit PiS jedoch nur knapp vorne. Die Partei von Jaroslaw Kaczynski dürfte demnach 24 der 52 polnischen Abgeordneten ins Europaparlament schicken, berichteten die Fernsehsender TVN24 und TVP unter Berufung auf Prognosen. Zweitstärkste Kraft wurde demnach mit 22 Mandaten das oppositionelle proeuropäische Parteienbündnis Europäische Koalition.

Die PiS lag den Prognosen zufolge mit 42,4 Prozent der Stimmen vorn. Der Zusammenschluss der Opposition kam demnach auf 39,1 Prozent. Zu diesem Bündnis gehören die größte liberalkonservative Oppositionspartei Bürgerplattform PO von EU-Ratspräsident Donald Tusk, die Bauernpartei PSL, die sozialdemokratische SLD, die liberale Nowoczesna und die Grünen.

In Frankreich schlug die Rechtspopulistin Marine Le Pen mit ihrer Partei Rassemblement National laut Prognosen die Partei LREM von Präsident Emmanuel Macron. Aber sie kam demnach mit 24,2 Prozent nicht über ihr Ergebnis von 2014 hinaus; damals erhielt ihre Partei 24,9 Prozent.

Insgesamt erwarten die rechtspopulistischen Parteien deutliche Zugewinne. So kommen die bisher in drei Fraktionen organisierten nationalistischen und EU-kritischen Parteien in ersten Prognosen auf insgesamt 177 der 751 Sitze im Europaparlament. Das sind 23 mehr als im bisherigen Parlament.

kko/dpa-AFX/dpa



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