Cameron-Plan für den Eurotunnel Mit Hunden gegen Flüchtlinge

Tausende Flüchtlinge wollen über den Ärmelkanal nach Großbritannien - Premier Cameron versucht mit drastischen Mitteln, dies zu verhindern. In Deutschland steigt die Zahl der Asylbewerber auf einen Rekord.

Flüchtlinge in Calais: Von der Polizei gejagt
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Flüchtlinge in Calais: Von der Polizei gejagt


Die britische Regierung unterstützt in der Flüchtlingskrise in Calais die französischen Sicherheitskräfte mit zusätzlichen Zäunen und Spürhunden. Zudem werde das Verteidigungsministerium in Südengland Gelände zur Verfügung stellen, um den Rückstau vor dem Tunneleingang aufzulösen, sagte Premierminister David Cameron nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts in London.

Er wolle noch am Donnerstag mit dem französischen Präsidenten François Hollande über die "inakzeptable" Lage sprechen. Großbritannien sei bereit, mehr zu helfen, "um den Druck auf jener Seite der Grenze zu mindern". In der Nacht zum Freitag hatten erneut Hunderte Migranten in Calais versucht, durch den Eurotunnel illegal nach Großbritannien einzureisen - Sicherheitskräfte hatten sie davon abgehalten, indem sie etwa 200 Asylbewerber umstellten und fortschickten.

"Menschen versuchen illegal, in unser Land zu kommen, und hier gibt es Behinderungen für Fernfahrer und Urlauber", sagte Cameron. "Wir werden mehr Zäune, mehr Mittel, mehr Spürhunde-Staffeln schicken." Die Flüchtlingskrise werde "den gesamten Sommer über ein schwieriges Thema" bleiben. Großbritannien hat bereits umgerechnet 32 Millionen Euro zugesagt, um die Sicherheitsvorkehrungen auf der französischen Seite des Eurotunnels zu verstärken.

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Ärmelkanal: Polizeieinsatz am Eurotunnel
Auch Österreich erwägt neue Maßnahmen im Umgang mit der Flüchtlingskrise - allerdings sollen nicht die Asylbewerber in die Pflicht genommen werden, sondern die Kommunen: Gemeinden ab 2000 Einwohnern sollen per Gesetz verpflichtet werden, Flüchtlingskontingente von ein bis zwei Prozent ihrer Bevölkerung aufzunehmen, kündigten Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) an. Die Unterkünfte sollen auf Grundstücken und in Gebäuden entstehen, über die der Bund verfügt.

Bislang hatten sich die Städte und Gemeinden geweigert, genügend Flüchtlinge aufzunehmen, um das völlig überfüllte Aufnahmezentrum bei Wien zu entlasten. Dort mussten zuletzt über 2000 Menschen unter freiem Himmel übernachten. Mit dem Gesetz will Österreich nun 80.000 bis 160.000 Plätze schaffen. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres kamen bereits 28.300 Asylwerber in das Land, täglich kommen im Schnitt weitere 250 dazu. Für das Gesetz, das in die Kompetenzen von Ländern und Gemeinden eingreift, benötigt die Regierung die Zustimmung einer Oppositionspartei.

Video: Polizei stoppt rund 200 Flüchtlinge am Eurotunnel

Rekord in Deutschland

Die Flüchtlingszahlen steigen auch in Deutschland weiter: Im Juli kamen so viele Asylbewerber an wie noch nie zuvor in einem Monat. Mit 79.000 Menschen habe es "den höchsten Zugang aller Zeiten" gegeben, sagte Bayerns Sozialministerin Emilia Müller (CSU). Manfred Schmidt, der Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, sprach von einem "Allzeitrekord". Derzeit kämen sehr viele Asylbewerber aus den Kriegs- und Krisenregionen in Syrien, im Irak und in Afghanistan.

Ende August will das Bundesamt seine Prognose aktualisieren. Bisher rechnet Schmidt mit 450.000 Asylbewerbern in diesem Jahr. Erste Priorität für den Behördenchef hat nun die beschleunigte "Rückführung" von Asylbewerbern aus Südosteuropa - Schmidt nannte einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen nach der Ankunft. "Wir werden uns im ersten Schritt auf Albanien konzentrieren." Innerhalb weniger Wochen habe es "über 30.000 Zugänge allein aus Albanien mit einer Schutzquote von nur 0,1 Prozent" gegeben.

mxw/Reuters/dpa

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