Evakuierung in Syrien Busse angegriffen und in Brand gesetzt
Mit Bussen sollten Verletzte und Kranke aus zwei Schiitendörfern in Syrien in Sicherheit gebracht werden. Doch Menschenrechtlern zufolge sind sechs davon bei einem Anschlag angezündet worden. Anscheinend seien die Fahrzeuge am Sonntag von Unterstützern der dschihadistischen Gruppe Fatah al-Scham, einem Ableger des Terrornetzwerkes al-Qaida, angegriffen worden, sagte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte.
Einige Busse und Fahrzeuge des Roten Kreuzes hätten den Eingang der von Rebellen belagerten Dörfer al-Fua und Kefraja in der Provinz Idlib erreicht, erklärte die oppositionsnahe Beobachtungsstelle am Sonntag. Die Evakuierung von Menschen aus den beiden Ortschaften ist die Bedingung dafür, dass auch aus dem zerstörten Osten Aleppos weitere Menschen abtransportiert werden dürfen.
Der Vorfall könnte den Abtransport von Rebellen und Zivilisten aus Aleppo vorerst stoppen. Nach zweitägiger Unterbrechung war die Evakuierung Ost-Aleppos gerade erst langsam wieder angelaufen. Unter Aufsicht des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes seien die ersten Busse in den zerstörten Ostteil der Stadt gefahren, um die restlichen dort ausharrenden Kämpfer und Zivilisten abzuholen, berichten die syrische Nachrichtenagentur Sana sowie der regimenahe libanesische TV-Sender Al-Majadin.
Die syrische Regierung hatte die am Donnerstag begonnene Evakuierungsaktion am Freitag ausgesetzt. Zahlreiche Bewohner harren seither bei Minusgraden in den zerbombten Stadtteilen aus. Die Vereinten Nationen schätzen, dass noch rund 30.000 Menschen in dem seit Monaten belagerten Osten Aleppos sind. Nach früheren Angaben des Roten Kreuzes könnte die Evakuierung des Stadtteils mehrere Tage dauern.
Video über die Evakuierung Ost-Aleppos:
Rebellen und Regierung hatten sich am Samstag auf ein neues Abkommen geeinigt, das den Abzug der restlichen Kämpfer und Zivilisten aus dem umkämpften Stadtteil ermöglichen soll. Ein Teil der Menschen aus Ost-Aleppo soll in die Provinz Idlib gebracht werden, die großteils von radikalen Islamisten beherrscht wird. Der Rest soll in Stadtteile Aleppos ausweichen, die unter der Kontrolle der Regierung sind.
Dörfer nahe Aleppo ebenfalls vor Evakuierung
Wie ein Rebellenvertreter der Nachrichtenagentur AFP sagte, wurden die Evakuierungsaktionen in Aleppo sowie in den Dörfern Fua und Kafraja, die von Rebellen belagert werden, miteinander verknüpft. In einem ersten Schritt sollen demnach 1250 Menschen aus Fua und die Hälfte der Menschen aus Aleppo herausgeholt werden. Als Nächstes sollen dann 1250 Menschen aus Kafraja und die restlichen Menschen aus Aleppo folgen.
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Zwar haben bereits Busse die Gegend um die von Rebellen belagerten schiitischen Dörfer Fua und Kafraja erreicht. Allerdings wurde der Abtransport Verletzter durch islamistische Rebellen verhindert, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Die früher unter dem Namen Nusra-Front bekannte Rebellengruppe blockiere die Fahrt der Busse in die Provinz Idlib.
Wie die Menschenrechtler am Sonntagnachmittag mitteilten, kamen auch nicht alle Busse in Fua und Kafraja an. Sechs von ihnen seien unterwegs angegriffen worden und hätten in Flammen gestanden. Anscheinend seien die Fahrzeuge am Sonntag von Unterstützern der dschihadistischen Gruppe Fatah al-Scham, einem Ableger des Terrornetzwerkes al-Qaida, angegriffen worden, sagte Rami Abdel Rahman, Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Auch syrischen Staatsmedien zufolge sollen "bewaffnete Terroristen" für die Zerstörung der Busse verantwortlich sein.
Der Vorfall könnte den Abtransport von Rebellen und Zivilisten aus Aleppo vorerst stoppen.
Frontverlauf in Syrien
Foto: SPIEGEL ONLINEMilizen aus dem schiitischen Iran, die an der Seite der syrischen Armee kämpfen, hatten nach Angaben aus Regierungskreisen gefordert, dass im Gegenzug für die Evakuierung der Rebellengebiete Aleppos auch die Blockade von Fua und Kafraja aufgehoben werden müsse
Aleppo waren nach heftigen Luftangriffen in den vergangenen Wochen von syrischen Regierungstruppen mit Unterstützung Russlands und Irans fast vollständig erobert worden.
Das, was derzeit in Aleppo passiert, nehmen die Menschen dort eher als Vertreibung denn als Evakuierung wahr. "Ich wurde aus meiner Heimat geworfen", sagt ein Universitätsprofessor namens Mohammed, der zusammen mit mehr als 8000 weiteren Menschen eine der letzten Rebellenenklaven im Osten Aleppos verlassen konnte. Nun sitzt er frierend und erschöpft in der von Rebellen gehaltenen Stadt Chan al-Assal westlich von Aleppo - und sehnt sich schon zurück.
Tausende Zivilisten und Rebellenkämpfer sind von Donnerstagmorgen bis spät in die Nacht mit Bussen und Krankenwagen aus den zerstörten Stadtvierteln Aleppos nach Chan al-Assal gebracht worden, von wo aus sie in andere Teile der Provinz Aleppo und die Provinz Idlib weiterreisen sollen.
Der Abschied von Aleppo habe ihm das Herz gebrochen, sagt Mohammed, der sich zum Schutz vor der eisigen Kälte einen schwarzen Schal um den Kopf gewickelt hat. Vor der Abreise habe er ein letztes Mal in Aleppo gebetet "und dabei geweint".