Boliviens Ex-Präsident Mexiko gewährt Evo Morales Asyl

Kurz nach seinem Rücktritt hat Boliviens Präsident Evo Morales Asyl in Mexiko beantragt. Jetzt hat der mexikanische Außenminister dem Gesuch stattgegeben. Die bolivianische Übergangspräsidentin kündigte Neuwahlen an.

Mexikos Außenminister Marcelo Ebrard (r.): Asyl für Evo Morales
DPA/Guillermo Granados

Mexikos Außenminister Marcelo Ebrard (r.): Asyl für Evo Morales


Mexiko hat Boliviens früherem Präsidenten Evo Morales Asyl gewährt - das bestätigte der mexikanische Außenminister Marcelo Ebrard Journalisten. "Wir werden unverzüglich das bolivianische Außenministerium darüber informieren, dass es nach dem Völkerrecht eine sichere Ausreise anbieten sollte", sagte Ebrard.

Morales war am Sonntag nur drei Wochen nach seiner umstrittenen Wiederwahl zurückgetreten. Noch am Sonntag hatte Mexiko ihm Asyl angeboten, Morales hatte aber zunächst abgelehnt. Am Montag äußerte sich Morales zunächst nicht.

Der Sozialist und erste indigene Präsident Boliviens hatte sich nach der Abstimmung am 20. Oktober zum Sieger in der ersten Runde erklärt, obwohl die Opposition und internationale Beobachter erhebliche Zweifel anmeldeten. Seine Gegner warfen ihm Wahlbetrug vor. Die Generalstaatsanwaltschaft kündigte Ermittlungen gegen Mitglieder des Wahltribunals wegen der Unregelmäßigkeiten bei der Wahl an.

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Neuwahlen angekündigt

Nach dem Rücktritt von Morales hat Boliviens designierte Übergangspräsidentin Jeanine Añez Neuwahlen angekündigt. In La Paz sagte sie: "Am 22. Januar werden wir einen gewählten Präsidenten haben." Die 52-jährige Senatorin sprach sich außerdem für ein Ende der wochenlangen gewaltsamen Proteste. Am Dienstag sollen die Abgeordneten einen entsprechenden Prozess in Gang setzen. Die Rücktritte von Morales und seinen Ministern hatten im Land ein Machtvakuum hinterlassen.

Seitdem kommt es bei Straßenprotesten fast täglich zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Lagern. Mindestens drei Menschen kamen bisher ums Leben. Morales war nach seinem Rücktritt nach Cochabamba geflüchtet, eine Hochburg seiner Anhänger. Mit seinem Rücktrittsschreiben wolle er zur Wiederherstellung der Stabilität beitragen, sagte Morales in einer Fernsehansprache am Sonntag.

Im Machtkampf gegen seinen Herausforderer Carlos Mesa hatte sich vor Morales' Rücktritt auch die Armeeführung gegen ihn ausgesprochen. Auch Polizeieinheiten hatten Morales die Treue verweigert. Morales erklärte am Sonntag auf Twitter, dass ein "illegaler" Haftbefehl gegen ihn vorläge und dass "gewalttätige Gruppen" sein Haus angegriffen hätten. Der Chef der bolivianischen Polizei widersprach den Aussagen des Ex-Präsidenten.

nck/hba/Reuters/dpa/AFP



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