Liberias Ex-Diktator Kriegsverbrecher Taylor tritt Haft in Großbritannien an

Er ist verantwortlich für tausendfachen Mord, Folter und Vergewaltigungen: Charles Taylor wurde in ein britisches Gefängnis überstellt. Der Ex-Machthaber von Liberia soll dort eine jahrzehntelange Strafe verbüßen. Er selbst wollte nach Ruanda gebracht werden.

Warlord Charles Taylor: Strafe bei den Briten statt in Ruanda
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Warlord Charles Taylor: Strafe bei den Briten statt in Ruanda


Leidschendam - Ende September war seine 50-jährige Haftstrafe noch einmal bestätigt worden - nun ist Charles Taylor in einem britischen Gefängnis eingetroffen. Der wegen Kriegsverbrechen verurteilte ehemalige liberianische Staatschef ist am Dienstag aus den Niederlanden nach Großbritannien überstellt worden. Dort soll er den Rest seiner Haftstrafe verbüßen. Dies teilte das in Leidschendam bei Den Haag ansässige Sondertribunal für Sierra Leone mit.

Wo genau Taylor untergebracht wird, blieb zunächst unklar. Eine Sprecherin des britischen Justizministeriums wollte die Ankunft des Kriegsverbrechers nicht bestätigen und sich auch sonst nicht zu dem Fall äußern.

Die Berufungskammer des Gerichts hatte es Ende September für erwiesen erachtet, dass der 65-Jährige in seiner Zeit als Präsident Liberias (1997 bis 2003) die Rebellen im Nachbarland Sierra Leone bewaffnete und seine Truppen an deren Seite kämpfen ließ.

Dafür wurde er mit sogenannten Blutdiamanten bezahlt, die unter unmenschlichsten Bedingungen geschürft werden. Während des Bürgerkriegs in Sierra Leone starben 120.000 Menschen. Der Schuldspruch gegen Taylor im April 2012 war der erste eines internationalen Gerichts gegen einen ehemaligen Staatschef seit den Nürnberger Prozessen.

Die Regierung in London hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass Taylor seine Haftstrafe in Großbritannien verbüßen werde. Hintergrund war eine vertrauliche Vereinbarung aus dem Jahr 2007. Darin hatten sich die Niederlande verpflichtet, den Prozess in ihrem Land abzuhalten. Die Strafe sollte er jedoch auf britischem Boden absitzen.

Taylor drängte hingegen darauf, in eine Haftanstalt in Ruanda verlegt zu werden. Seine Anwälte argumentierten, in London sei der Ex-Präsident von seiner Familie und seinen Freunden isoliert. Das Justizministerium in Kigali zeigte sich offen für den Vorstoß. Mehrere von dem Sondertribunal verurteilte Häftlinge sitzen bereits in einem Spezialgefängnis in Ruanda.

Taylor war im März 2006 festgenommen worden. Seine Zeit in der Untersuchungshaft wird auf die Gesamtstrafe angerechnet.

jok/AP/AFP

insgesamt 6 Beiträge
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Atheist_Crusader 15.10.2013
1.
Tja, das hat er jetzt davon. Ungestraft Verbrechen begehen darf nur, wer Atomwaffen und eine moderne Armee unter sich hat. Das fehlte ja noch, dass jeder Drittwelt-Amateur mal eben im Spiel der Großen mitmischen darf! Wir reden hier schließlich von Standards. Und ein solcher Standard lässt sich nicht halten, wenn man jeden Möchtergern-Verbrecher frei herumlaufen lässt. Am Ende will er auch noch einen Sitz im Weltsicherheitsrat!
tinosaurus 15.10.2013
2. lebenslang
Solche Menschen und Massenmörder sollten bis Lebensende weggesperrt bleiben.
ein-berliner 15.10.2013
3. Die englischen Dümmlinge...
... hatten es ja eilig das Kriegsverbrechergefängnis in Spandau dem Erdboden gleichzumachen. Selbst Schuld, wäre doch der Topknast für derartig Abartige gewesen.
topodoro 15.10.2013
4. Nun,...
Zitat von tinosaurusSolche Menschen und Massenmörder sollten bis Lebensende weggesperrt bleiben.
dann kann sich ja der Herr Erdogan schon mal auf was vorbereiten. Denn auch er unterstützt die "Rebellen" im Nachbarland Syrien auf manigfaltige Art und Weise. Und auch seine Soldaten unterstützen und kämpfen mit den FSA"Aktivisten". Nur gehts ihm nicht um Diamanten, sondern um Gas.
joachim_m. 15.10.2013
5. optional
Nur 120.000 Tote, für die dieser Mörder verantwortlich ist? Da ist Bush jr. aber erheblich besser in Sachen Morden gewesen, was die Zahl der Opfer angeht; wann bekommt der endlich seine Belohnung? Ach ich vergaß, dass ist ja einer von den angeblich Guten, da möchte ich nicht wissen, wie man sein muss, um wirklich böse zu sein, wenn der Mörder Bush jr zu den Guten zählt?
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