Ex-Gouverneur Mark Sanford Comeback des Sexsünders

Affären, Skandale und Seitensprünge sind in den USA kein Hinderungsgrund für eine politische Karriere. Der gestrauchelte Ex-Gouverneur von South Carolina, Mark Sandford, versucht nun ein Comeback. Seine Chancen auf einen Sitz im Kongress stehen gut, allen neuen Peinlichkeiten zum Trotz.

AP

Von , New York


Sex, Skandale, Seitensprünge - für Politiker in den USA kein Grund fürs Karriere-Aus. Bill Clinton und Newt Gingrich, einst Synonyme für Affären, verdienen heute Millionen. Eliot Spitzer wechselte, Callgirl-Connections unbenommen, nahtlos von den Klatschspalten ins Kabel-TV. Und kaum zwei Jahre nach seinen Nackt-Tweets will der ehemalige Abgeordnete Anthony Weiner Bürgermeister von New York werden.

Die Amerikaner können ihren Politikern selten lange böse sein. Jüngster Kandidat dieser Comeback-Show der Sexsünder: South Carolinas Ex-Gouverneur Mark Sanford, der 2009 sechs Tage lang untertauchte, um in Buenos Aires mit seiner argentinischen Geliebten zu turteln.

Es war im Juni jenes Jahres, dass sich der damalige Hoffnungsträger der US-Republikaner - der erst hatte kundtun lassen, dass er in den Appalachen wandern gegangen sei - für die Eskapade entschuldigte, bei "jedem, der in South Carolina wohnt". Vier Jahre später will Sanford, geschieden und mutmaßlich geläutert, bei einer Sonderwahl an diesem Dienstag einen Sitz im Kongress ergattern.

Das Tollste daran: Umfragen zufolge hat der "Luv Guv" ("New York Times") gar nicht mal schlechte Aussichten. Trotz eines Wahlkampfes voller Pleiten, Pech und Pannen. Und trotz der ungefragten Unterstützung durch den Porno-König Larry Flynt, der Sanford tattrig benommen als "großen Sexpionier" pries.

Sanfords politische Wiederauferstehung hat viele Gründe. Der Wahlbezirk, der Charleston umfasst, ist seit 1981 konservativ. Rivalin Elizabeth Colbert Busch, die Schwester des TV-Comedians Stephen Colbert, ist farblos und leidet unter der generellen Unpopularität der US-Demokraten in South Carolina. Also hat Sanford, gegen dessen Südstaaten-Charme nicht einmal Zyniker immun sind, die Wahl erfolgreich zum Referendum über Washington umgedichtet.

"Ground Zero der Sexskandale"

Diesem Charme hatte er es auch zu verdanken, dass sie ihn 2009 mit einer Rüge davonkommen ließen, statt ihn aus der postkolonialen Gouverneursvilla zu verjagen. Nur Gattin Jenny zog aus, samt den vier Söhnen: "Ich bin altmodisch", beharrte sie in der "Vogue", bevor sie die Scheidung einreichte.

Unbelastet von Ehe und Schuld will Sanford jetzt denselben Sessel im US-Repräsentantenhaus zurückerobern, auf dem seine Karriere 1995 begann.

Zum Glück ist dieser gerade freigeworden: Der Tea-Party-Abgeordnete Tim Scott rückte auf, um den Tea-Party-Senator Jim DeMint zu beerben, der zu einem Tea-Party-nahen Think-Tank wechselte. DeMint und Sanford wohnten beide übrigens in Washington einst in der gleichen Polit-WG an der C Street, die das Web-Magazin Politico zum "Ground Zero der republikanischen Sexskandale" ernannte.

Die Vorwahlen im März gewann Sanford im Schlaf. Der eigentliche Wahlkampf lief jedoch weniger glatt. Und das lag nicht nur daran, dass ashleymadison.com, eine schlüpfrige Dating-Website für Seitensprünge, ein riesiges Werbeplakat mit Sanfords Konterfei im Bezirk aufstellte: "Das Leben ist kurz. Geh fremd."

Die meisten Fehltritte waren hausgemacht. So nutzte Sanford die Vorwahlnacht, um seinen 14-jährigen Sohn Bolton seiner Geliebten vorzustellen, mit der er seit August verlobt ist. Das Sorgerecht für Bolton hat Ex-Frau Jenny. Das kam nicht gut an.

Unterlegen wie bei der Alamo-Schlacht

Dann kam heraus, dass Jenny Sullivan, die ihren Mädchennamen wieder angenommen hat, Sanford wegen Hausfriedensbruchs angezeigt hatte: Er war in ihr Strandhaus eingedrungen, um mit Bolton das Super-Bowl-Endspiel zu gucken.

Auch die Parteiführung ließ das nicht ungestraft und entzog Sanford Flankenschutz wie Finanzen. Nur die alten Tea-Party-Konsorten blieben ihm treu, darunter Senator Lindsey Graham - Boltons Taufpate.

Zuletzt schaltete Sanford eine Anzeige in der Lokalzeitung "Charleston Post and Courier", um sich über seine "harte Woche" zu beklagen: Er fühle sich ähnlich "unterlegen" wie die texanischen Rebellen, die "im März 1863" das Alamo-Fort gegen die Mexikaner verteidigten. Erster Fehler: Die legendäre Alamo-Schlacht fand nicht 1863 statt, sondern 1836. Zweiter Fehler: Die Woche, die Sanford als für sich persönlich so hart empfand, war auch die Woche des Bostoner Bombenanschlags.

Trotzdem: Das Rennen "könnte nicht knapper sein", sagt Dean Debnam, der Chef des Umfrageinstituts PPP. "Jetzt ist die Frage nur noch, ob die Wähler mehr von Mark Sanford angewidert sind oder von den Demokraten in Washington."



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