Exekution am Galgen Irakischer Premier kündigt zügige Saddam-Hinrichtung an

Der irakische Premier Maliki schafft nach widersprüchlichen Meldungen jetzt Klarheit über Saddam Husseins Hinrichtung: Es werde keine Verzögerung bei der Exekution geben. Begründung: Der Respekt vor den Menschenrechten gebiete die zügige Vollstreckung des Todesurteils.


Bagdad - Erstmals nach der von einem Berufungsgericht bestätigten Todesstrafe für Saddam Hussein hat sich Iraks Ministerpräsident Nuri al-Maliki geäußert: Es werde keine Verzögerung bei der Vollstreckung des Urteils geben, sagte er heute einem Berater zufolge. Auch werde es keine Überprüfung des Todesurteils geben. "Der Respekt vor den Menschenrechten" gebiete eine Hinrichtung Saddams, sagte Maliki. Wer die Hinrichtung des Ex-Diktators ablehne, würde "die Seelen der irakischen Märtyrer beleidigen", fügte er hinzu.

Das irakische Berufungsgericht hatte am Dienstag verfügt, dass Saddam Hussein binnen 30 Tagen gehenkt werden müsse.

Der irakische Ministerpräsident reagierte mit seinen Äußerungen auf widersprüchliche Meldungen zu dem Hinrichtungstermin: Noch am Morgen hatten sich die Hinweise auf eine baldige Vollstreckung des Urteils verdichtet: Nach Auskunft eines Anwalts wurde Saddam Hussein inzwischen irakischen Behörden übergeben. Die Amerikaner hätten ihn aufgefordert "die persönlichen Dinge von Saddam und seinem Halbbruder Barsan Ibrahim al-Tikriti" in Empfang zu nehmen, sagte auch Saddams Verteidiger Chalil al-Dulaimi - Saddams Halbbruder ist ebenfalls zum Tode verurteilt.

Ex-Diktator Saddam Hussein: Verwirrung um Vollstreckung des Todesurteils
DPA

Ex-Diktator Saddam Hussein: Verwirrung um Vollstreckung des Todesurteils

Das Dementi von irakischer Seite folgte postwendend: "Das ist nicht wahr", Saddam sei weiter in den Händen der USA, sagte ein Vertreter des irakischen Justizministeriums. Saddam werde nicht vor dem 26. Januar hingerichtet. Und auch Verteidiger Dulaimi präzisierte: Noch sei Saddam Hussein nicht an die irakischen Behörden übergeben. Er schließe aber aus der Aufforderung, jemanden zur Entgegennahme der persönlichen Dinge zu autorisieren, dass eine Übergabe der beiden zum Tod Verurteilten an die irakischen Behörden bald bevorstehe.

Zuvor hatte es in US-Regierungskreisen geheißen, die Vollstreckung des Todesurteils könne möglicherweise bereits morgen erfolgen. "Ich habe gehört, dass es wahrscheinlich nur noch zwei weitere Tage sein werden", sagte ein hochrangiger Mitarbeiter von US-Präsident George W. Bush am Donnerstag. Ein irakisches Regierungsmitglied hatte allerdings erklärt, mehrere Feiertage könnten die Exekution verzögern. Sie fallen mit dem Pilgerzug nach Mekka zusammen und dauern von Freitag bis zum 7. Januar. Im Irak sind Hinrichtungen an religiösen Feiertagen verboten.

Der Rundfunksender Fox News berichtete, die irakische Regierung sei "bemüht, die Hinrichtung Saddams hinter sich zu bringen". Saddam wird auf dem US-Stützpunkt Camp Cropper festgehalten. Vor seiner Hinrichtung muss er an die irakischen Behörden überstellt werden.

Die für den Heimatschutz zuständige Beraterin des US-Präsidenten, Frances Fragos Townsend, sagte in einem Interview mit dem US-Sender CNN, dass Saddam den irakischen Behörden auf Antrag überstellt würde. Ob ein solcher Antrag bereits gestellt sei, sagte sie jedoch nicht.

Die Vereinten Nationen warnten vor einer übereilten Vollstreckung des Todesurteils: Der Irak und die internationale Gemeinschaft hätten ein Interesse sicherzustellen, dass die Todesstrafe nach einem glaubwürdigen und unparteiischen Verfahren verhängt worden sei, erklärte Uno-Menschenrechtskommissarin Louise Arbour. "Das trifft besonders in einem so außergewöhnlichen Fall wie diesem zu", fügte sie hinzu.

Die umfangreiche und komplexe Bestätigung des Todesurteils durch das Berufungsgericht müsse genau erörtert und die Zweifel an der Fairness des Prozesses müssten ausgeräumt werden, forderte Arbour. Zudem habe Saddam nach internationalen Vereinbarungen, die der Irak anerkannt habe, das Recht auf ein Gnadengesuch.

Wegen eines Massakers an Schiiten in den achtziger Jahren wurde der frühere Machthaber am 5. November zum Tod durch den Strang verurteilt. Ein Berufungsgericht hatte am Dienstag das Todesurteil bestätigt, das im November gegen den ehemaligen Machthaber wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verhängt worden war.

Angesichts seiner drohenden Hinrichtung hat sich Saddam Hussein nach Angaben eines seiner Anwälte nochmals mit Angehörigen getroffen und seiner Familie Botschaften übermittelt. Saddams Treffen mit seinen Halbbrüdern Sabawi und Watban Ibrahim Hassan al-Tikriti, die sich beide in US-Haft befinden, habe in seiner Zelle in einem Bagdader Gefängnis stattgefunden, teilte ein Anwalt Saddams mit. Wachmänner des Gefängnisses hätten ihm dies berichtet.

Demnach sei Saddam guter Dinge und bereit, als Märtyrer zu sterben. Obwohl er keine Einzelheiten wisse, spüre Saddam, dass etwas im Zusammenhang mit dem Urteil geschehe, sagte Anwalt Badie Aref.

hen/Reuters/AP/dpa



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