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02. Dezember 2012, 14:56 Uhr

Exhumierung

Ermittler entnehmen Proben aus Arafats Grab

Wurde er möglicherweise vergiftet? Acht Jahre nach seinem Tod haben Ermittler aus der Schweiz, Frankreich und Russland aus dem Grab Jassir Arafats mehrere Proben  entnommen. Sie sollen jetzt auf verräterische Plutonium-Spuren untersucht werden.

Ramallah - Bei der Exhumierung des Leichnams des früheren Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat sind aus dessen Grab rund 60 Proben genommen worden. Die Ermittler aus der Schweiz, Frankreich und Russland untersuchten nun je ein Drittel davon auf eine mögliche Vergiftung des Politikers hin, sagte der Chef der schweizerischen Ermittlergruppe, Patrice Mangin, der Sonntagszeitung "MatinDimanche". Die Proben sollten unter anderem auf den hochgiftigen Stoff Polonium 210 getestet werden.

Der islamische Mediziner, der bei der Exhumierung am Dienstag als einziger die sterblichen Überreste Arafats berühren durfte, habe "alle gewünschten Proben" entnommen, sagte Mangin. Die Ergebnisse der Untersuchungen würden die schweizerische und die russische Seite an die Palästinensische Autonomiebehörde übermitteln. Die französischen Ermittler würden an die Justiz ihres Landes berichten, wo Arafats Witwe Suha Anzeige gegen Unbekannt wegen der möglichen Vergiftung ihres Manns erstattet hatte, sagte der Schweizer Rechtsmediziner.

Viele Palästinenser verdächtigen Israel, ihren früheren Präsidenten vergiftet zu haben, was das Land jedoch zurückweist. Die Exhumierung der sterblichen Überreste Arafats erfolgte, nachdem im Sommer Spuren von Polonium an persönlichen Gegenständen Arafats gefunden worden waren. Für den Fall, dass sich der Verdacht, Arafat könne vergiftet worden sein, erhärten sollte, kündigte die zuständige palästinensische Untersuchungskommission an, mögliche Verantwortliche vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag bringen zu wollen.

Die UN-Vollversammlung hatte den Palästinensergebieten am Donnerstag unter dem Protest Israels und der USA einen aufgewerteten Beobachterstatus als Nicht-Mitgliedstaat zugebilligt und damit praktisch Staatsqualität bescheinigt. Damit kann die Autonomiebehörde nun das sogenannte Rom-Statut über den IStGH ratifizieren und das Gericht anrufen. Vor dem IStGH kann ein Staat allerdings nur gegen einzelne Verdächtige und nicht gegen ganze Staaten vorgehen.

cib/AFP

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