Exil-Kubaner in Miami Little Havanas Hardliner strecken die Waffen

"Obama hat recht. Es ist eine einzigartige Gelegenheit": Die Lockerung der amerikanischen Kuba-Politik weckt in der Exil-Gemeinde in Miami große Erwartungen - selbst bei lebenslangen Castro-Gegnern. Doch längst nicht alle sind so optimistisch.

Aus Miami berichtet


Ein halbes Jahrhundert hat Francisco Hernandez für die Freiheit gefochten. Erst als Student und Dissident. Dann als Mitglied der legendären Brigade 2506, die 1961 mit CIA-Hilfe die Invasion in der Schweinebucht unternahm. Nach deren Scheitern und zwei Jahren politischer Haft setzte er die Mission im US-Zwangsexil fort, als härtester der Hardliner im Kampf gegen das Regime Fidel Castros.

Doch jetzt, im Alter von 72 Jahren, ereilt ihn eine späte Einsicht. "All diese Zeit war verloren", sagt er mit feuchten Augen. "Wir werden nicht mehr die Protagonisten des Wandels sein." Er ringt nach Worten. "Es ist nicht leicht. Aber wahrscheinlich ist es besser."

Francisco Hernandez ist der Präsident der Cuban American National Foundation (CANF), der mächtigen kubanischen Exilantenlobby. In Miami, wo sie ihn alle nur Pepe nennen, ist er eine legendäre Institution. "Hast du schon mit Pepe geredet?", fragen sie. "Sprich mit Pepe!"

Schon fast ein Leben lang führt Hernandez seinen Kleinkrieg gegen Kubas Staatschef Fidel Castro. Einziger Wandschmuck in seinem Büro in Little Havana, der Exilanten-Enklave Miamis, sind eine Landkarte Kubas und ein Poster der Brigade 2506 mit dem Schlachtruf "Jamas abandonaremos nuestra patria" ("Wir geben unser Vaterland nie auf").

"50 Jahre, und immer noch keine Freiheit", resümiert Hernandez seine Odyssee. Furchen durchziehen sein melancholisches Gesicht. "Wir haben zu lange nicht erkannt, dass die alten Waffen nichts bewirkt haben."

Die alten Waffen: Umsturzversuche, CIA-Operationen, dann Containment-Politik, der von den USA finanzierte Sender Radio Martí, Isolation, das gesetzlich seit 1992 verankerte Embargo: Nichts brachte Castro ins Wanken. Weshalb Washington nun eine neue, sanftere Waffe zückt, die Hernandez still mit drei Worten umschreibt: "Der Obama-Faktor."

Die Lockerung der Kuba-Politik durch US-Präsident Barack Obama sorgt in Little Havana, in der Diaspora an Miamis Calle Ocho, für Aufregung. Auch wenn sie manchen nicht weit genug geht, weil sie das Embargo bisher ausklammert.

Reiseerleichterungen für Exilanten, eine Aufhebung der Gepäck- und Devisenbeschränkungen, US-Mobilfunk auf der Insel: Diese Maßnahmen sollen den Kubanern ermöglichen, den "Wandel von unten" zu propagieren. Jahrzehntelang galten solche Gedanken hier als Sakrileg, als Verrat. Aber Obama hat den Abschottungskurs per Federstrich beendet. Er nannte ihn ein Relikt "des 20. Jahrhunderts".

Auch er selbst, seufzt Hernandez, sei nun ein Relikt des 20. Jahrhundert. Und dann sagt der Republikaner, dessen Vater von Che Guevara höchstpersönlich zum Tode verurteilt wurde, das Unglaubliche: "Obama hat recht. Dies ist eine einzigartige Gelegenheit."



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mavoe 18.04.2009
1. Kuba
Zitat von sysopDie Obama-Regierung bricht mit der rigiden Anti-Kuba-Politik. Die Sanktionen sollen gelockert werden. Halten Sie den Schritt der USA für richtig?
Mann das wurde doch schon längst Zeit! Und nicht nur Sanktionen "lockern" sondern ganz aufheben. Nur dann kann es, wenn es die Castros nicht mehr gibt, einen "geordneten" Neuanfang geben.
geldzauber 18.04.2009
2.
Zitat von sysopDie Obama-Regierung bricht mit der rigiden Anti-Kuba-Politik. Die Sanktionen sollen gelockert werden. Halten Sie den Schritt der USA für richtig?
ein wahrlich überfälliger Schritt. 50 Jahre mußten die Kubaner unter diesem dummen Embargo leiden und haben deshalb viel ihrer Lebensqualität eingebüßt. Cuba ist für mich ein Beispiel, wohin amerikanische Außenpolitk hinführen kann.
testthewest 18.04.2009
3. Embargo
Zitat von geldzauberein wahrlich überfälliger Schritt. 50 Jahre mußten die Kubaner unter diesem dummen Embargo leiden und haben deshalb viel ihrer Lebensqualität eingebüßt. Cuba ist für mich ein Beispiel, wohin amerikanische Außenpolitk hinführen kann.
Tja früher gabs mal Blöcke. Da gabs mal Angst, das russische Panzer über uns hinwegrollen. Da sollten in Kuba Atomwaffen stationiert werden um die USA zu vernichten. Damals wollte man die Revolution mit Waffengewalt verteilen, die wie man heute weiss diesen Länder arg geschadet hat. Aber all das wissen die Foristen hier nicht mehr. Sicher ist dieser Schritt etwas verspätet, aber immerhin kommt er, und es erfordert doch einiges an Mut (den Clinton zB nicht hatte) diese in den USA nicht ganz so populäre Entscheidung als gewählter Volksvertreter durchzuführen. Das ist für mich der Grund warum Obama auf der Welt diese Bewunderung entgegenschlägt. Er kann Fehler eingesteheen (die er noch nichtmal selber verbrochen hat), er ist kontruktiv, er hat eine Vision. Eine Vision einer friedlichen Welt in der Vernunft über Metzeleien triumpfiert.
stier1952 18.04.2009
4. Längst überfällig.
Sollte Obama dies tatsächlich durchsetzen, dann wird sich in Kuba selbst sehr viel verändern. Und zwar Veränderungen, von denen die Menschen in Kuba profitieren könnten. "Wandel durch Annäherung" nannte Willy Brandt den Beginn der früheren von ihm begründeten neuen Ostpolitik. . Sollte Obama diese Politik auch in anderen Konflikten (Iran, Palästina, Russland) verfolgen, wird er allerdings noch richtige Probleme bekommen. Denn von den aktuellen Konflikt- herden wird ja auch profitiert, wirtschaftlich und politisch.
Berta, 18.04.2009
5.
Zitat von stier1952Sollte Obama dies tatsächlich durchsetzen, dann wird sich in Kuba selbst sehr viel verändern. Und zwar Veränderungen, von denen die Menschen in Kuba profitieren könnten. "Wandel durch Annäherung" nannte Willy Brandt den Beginn der früheren von ihm begründeten neuen Ostpolitik. . Sollte Obama diese Politik auch in anderen Konflikten (Iran, Palästina, Russland) verfolgen, wird er allerdings noch richtige Probleme bekommen. Denn von den aktuellen Konflikt- herden wird ja auch profitiert, wirtschaftlich und politisch.
die Menschen in Kuba profitieren könnten Ja das sieht man ja jetzt an Osteuropa Ungarn zB.,mal sehen wann das Pulverfaß hochgeht. Zumindest wurde die westliche Polizeiausstattung ganz schnell übernommen.
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