Exil statt Krieg Saddam stellt angeblich Bedingungen für Rücktritt

Die Spekulationen über die Bereitschaft Saddam Husseins zum Gang ins Exil verdichten sich. Arabische und westliche Diplomaten stellten jetzt eine Liste von Bedingungen vor, die die irakische Führung für den Fall von Saddams Rücktritt gestellt haben soll.

Dubai/Kairo - Ein westlicher und zwei arabische Botschafter erklärten am heutigen Donnerstag in Dubai, zu den Bedingungen der irakischen Führung gehöre der Abzug der US-Soldaten aus der Golfregion. Außerdem müssten die Waffeninspektionen und die Uno-Sanktionen gegen den Irak beendet sowie Maßnahmen gegen die Herstellung von Massenvernichtungswaffen in Israel ergriffen werden.

Ferner müsse es von amerikanischer und europäischer Seite die Garantie geben, dass Saddam Hussein und dessen Angehörige im Ausland weder vor Gericht gestellt noch verfolgt würden. Als Exil-Ort sei ein afrikanisches Land im Gespräch. Die Diplomaten, die namentlich nicht genannt werden wollten, ließen die Quelle ihrer Informationen offen.

Die USA hätten diese Bedingungen allerdings bisher abgelehnt, hieß es. Ägypten bemühe sich nun darum, die irakische Führung zu einem Kompromiss zu bewegen. Offiziell nahm zu diesen Spekulationen in Kairo niemand Stellung.

BND hat "keinerlei Erkenntnisse"

Aus deutscher Sicht liegen bislang allerdings "keinerlei Erkenntnisse" vor, die daraufhin deuten könnten, dass Saddam Hussein in das Exil gehen möchte, teilte eine Sprecherin des Bundesnachrichtendienstes auf Anfrage mit.

Angeheizt wurden die Spekulationen durch die Absage der Reise des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad nach Teheran am Mittwoch und die Verschiebung des Besuchs von Ali Hassan al-Madschid, einem Cousin Saddams, in Kairo. Die ägyptischen Medien hatten angekündigt, al-Madschid, Mitglied im Revolutionären Kommandorat des Irak, wolle Präsident Husni Mubarak diese Woche eine Botschaft von Saddam Hussein überbringen. Ein neues Datum für den Besuch ist noch nicht bekannt. "Die Wahl des Zeitpunktes war nicht passend", sagte der ägyptische Außenminister Ahmed Maher heute in Kairo. Eine hochrangige ägyptische Delegation wird in den nächsten Tagen nach Washington reisen.

Politiker und Beobachter in der arabischen Welt hatten in den vergangenen Wochen mehrfach Spekulationen über einen möglichen Rücktritt Saddam Husseins zurückgewiesen. Derartige Gerüchte würden möglicherweise von interessierter Seite gestreut, um unter Regierungsbeamten in Bagdad Unsicherheit zu erzeugen, hieß es. Auch von russischer Seite war in den vergangenen Wochen häufiger berichtet worden, dass es Bemühungen geben soll, Hussein zum Abdanken und zur Ausreise zu bewegen.

Dementi aus dem Irak

Die irakische Führung betonte jedoch am Donnerstag, der Präsident werde sein Land unter keinen Umständen verlassen. "Saddam Hussein ist ein tapferer Führer und ein Held, und er bleibt, so Gott will, noch lange in seinem Land", sagte Vize-Ministerpräsident Tarik Asis dem britischen Sender BBC. "Er wird bis zur letzten irakischen Kugel kämpfen, und wir mit ihm."

Allerdings bemühen sich etliche arabische Länder weiterhin, durch eine Exilierung Saddam Husseins einen Krieg zu vermeiden. Auch die USA stehen dem offenbar nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber. Erst kürzlich bezeichnete der amerikanische Regierungssprecher Richard Boucher das Exil als "gute Idee". Es könne viel Geld gespart werden, wenn Saddam durch eine Regierung ersetzt werde, die das irakische Volk mit Achtung behandle und auch die Nachbarstaaten nicht mit Massenvernichtungswaffen bedrohe. "Aber wir setzen nicht darauf", fügte Boucher hinzu. Es gebe noch keine ernsthaften Diskussionen in dieser Richtung, da Saddam Hussein bislang auch noch keinerlei Bereitschaft zu einem Exil habe erkennen lassen.

Auch Gary Samore vom Internationalen Institut für Strategische Studien in London ist überzeugt, dass Saddam Hussein zunächst alles versuchen wird, um seine Herrschaft zu retten. "Er wird versuchen, es für die USA unmöglich zu machen, im Sicherheitsrat Unterstützung für einen Angriff zu finden."

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.