Fahndung Schweden schicken Briten neuen Haftbefehl für Assange

Die schwedische Justiz lässt nicht locker. Sie hat einen neuen Haftbefehl für den WikiLeaks-Chef Julian Assange an die Behörden in Großbritannien geschickt. Scotland Yard hatte zuvor erklärt, dass man ihn wegen eines Formfehlers im ersten Haftbefehl nicht festnehmen könne.

WikiLeaks-Chef Assange: Mit starken Mächten angelegt
REUTERS

WikiLeaks-Chef Assange: Mit starken Mächten angelegt


Stockholm - Die schwedischen Ermittler bleiben hartnäckig. Sie wollen den Internetaktivisten Julian Assange nach Schweden ausgeliefert bekommen und vernehmen. Dafür wurde ein neuer Haftbefehl an die Behörden in Großbritannien übermittelt. Das bestätigte die zuständige Oberstaatsanwältin Marianne Ny am Freitag. Die britische Polizei Scotland Yard hatte am Vortag erklärt, dass man den in Schweden wegen Verdachts sexueller Vergehen gesuchten WikiLeaks-Chef wegen eines Formfehlers im ersten Haftbefehl nicht festnehmen könne.

Laut "Times" betrachtete Scotland Yard die Anfrage aus Schweden nicht als ordentlichen Haftbefehl. Bei der Übermittlung an Interpol sei etwas falsch ausgefüllt worden.

Ny sagte weiter, sie wisse nicht, ob das neue Begehren bereits bei den zuständigen Stellen in London angekommen sei. Assange halte sich seit Oktober im Südosten Großbritanniens auf, berichtete die britische Zeitung "The Times". "Die Sicherheitsbehörden wissen, wo er ist", zitierte die Zeitung seinen Anwalt Mark Stephens. Laut "Independent" teilte Assange bei seiner Ankunft im Land Scotland Yard seine Kontaktdaten mit. Polizeikreise hätten bestätigt, dass man den Aufenthaltsort des WikiLeaks-Chefs kenne und sogar eine Telefonnummer habe, schrieb das Blatt.

Er hat über seinen Anwalt Mark Stephens angekündigt, dass er sich einer Auslieferung widersetzen will. Im August hatten zwei Schwedinnen den Australier beschuldigt, gegen ihren Willen ungeschützten Sex erzwungen zu haben. Assange weist die Vorwürfe zurück.

Assange ist per Steckbrief international zur Fahndung ausgeschrieben. Seit Veröffentlichung der US- Botschaftsdepeschen ist der 39-Jährige nicht mehr öffentlich aufgetreten. Am Freitag stellte er sich in der Online-Ausgabe des "Guardian" den Lesern. Allerdings ging der Server der britischen Zeitung schon nach kurzer Zeit in die Knie. Der Ansturm der Interessenten war zu stark.

Anfang der Woche hatte WikiLeaks für Furore gesorgt, als die Plattform rund 250.000 vertrauliche oder geheime Berichte aus US-Botschaften veröffentlichte. Der SPIEGEL und andere internationale Medien analysieren die Depeschen.

ler/dpa

insgesamt 61 Beiträge
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fucus-wakame 03.12.2010
1. Ungerechter Kampf
David gegen Goliath. Die Bürger setzen sich für Informationsfreiheit ein.
silenced 03.12.2010
2. <->
Da laufen Kriegsverbrecher & Menschenrechtsverachter frei rum, manche sind sogar Stolz darauf, und den Herrn Assange jagt man. Tolle Welt in der wir leben. Kann man stolz drauf sein. Western World - A Farce! By all means!
Medienkritiker 03.12.2010
3. Haben Sie...
Zitat von silencedDa laufen Kriegsverbrecher & Menschenrechtsverachter frei rum, manche sind sogar Stolz darauf, und den Herrn Assange jagt man. Tolle Welt in der wir leben. Kann man stolz drauf sein. Western World - A Farce! By all means!
schon einmal darüber nachgedacht, ob Herr Assange diese Verbrechen begangen haben könnte? Die Klärung dieser Frage obliegt einem ordentlichen Gericht, dem kann sich auch ein "Freiheits-Kämpfer" nicht entziehen!
1984 = unsere Demokratie 03.12.2010
4. .
Zitat von Medienkritikerschon einmal darüber nachgedacht, ob Herr Assange diese Verbrechen begangen haben könnte? Die Klärung dieser Frage obliegt einem ordentlichen Gericht, dem kann sich auch ein "Freiheits-Kämpfer" nicht entziehen!
Selbstverständlich könnte er das, aber es ist allzu offensichtlich, dass der Vergewaltigungsvorwurf nur ein Vorwand ist, um ihn zu diskreditieren und verfolgen zu können. An seinem Verdienst würde sich auch nichts ändern, falls er dieser Straftat tatsächlich schuldig sein sollte - und DAFÜR dann auch bestraft werden muss.
Hilfskraft 03.12.2010
5. welches Verbrechen?
Zitat von Medienkritikerschon einmal darüber nachgedacht, ob Herr Assange diese Verbrechen begangen haben könnte? Die Klärung dieser Frage obliegt einem ordentlichen Gericht, dem kann sich auch ein "Freiheits-Kämpfer" nicht entziehen!
Er ist nur Überbringer der Botschaft, nicht Verfasser. Nicht ihn sollte man köpfen, sondern die Verfasser. H.
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