Fahndung US-Truppen vermuten Saddam in Tikrit

Gleich mehrere Male soll Saddam Hussein in der jüngsten Vergangenheit in der Nähe von Tikrit gesehen worden sein. Nach Einschätzung der US-Truppen hat der ehemalige irakische Diktator einen starken Einfluss auf die dortige Guerilla.


Noch immer suchen die US-Truppen vergeblich nach Ex-Diktator Saddam
DPA

Noch immer suchen die US-Truppen vergeblich nach Ex-Diktator Saddam

Washington - Den USA liegen nach verschiedenen Berichten "glaubwürdige Berichte" vor, nach denen Saddam kürzlich gesichtet wurde. Der US-Nachrichtensender CNN beruft sich auf Angaben aus der 4. US-Infanteriedivision, die in der Region eingesetzt ist. Danach sind in den vergangenen Tagen Informationen aus nicht näher bezeichneten Quellen über Saddams "Auftauchen" eingetroffen, die von den USA ernst genommen würden.

Ein ranghoher US-Offizier sagte der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) in Tikrit, es sei wahrscheinlich, dass Saddam noch hier sei. Zumindest habe er noch viele Anhänger in der Gegend und einen starken Einfluss auf die von hier aus operierenden Guerillakämpfer.

Die meisten Mitglieder von Saddams Führungsriege sitzen bereits in einem US-Gefangenenlager bei Bagdad. Seine Söhne Udai und Kussei waren am 22. Juli bei einer Schießerei mit amerikanischen Soldaten in der nordirakischen Stadt Mosul getötet worden. Auf den Kopf des irakischen Ex-Präsidenten haben die USA eine Belohnung von 25 Millionen Dollar ausgesetzt. Die neuen Geheimdienstinformationen über Saddams Verbleib seien ähnlich wie diejenigen, die die US-Soldaten auf die Spur von Udai und Kussei gebracht hätten.

In Tikrit wurde heute erneut ein US-Soldat bei einem Angriff von einer Mörsergranate getötet. Zwei weitere Soldaten wurden nach Angaben der US-Streitkräfte verletzt. Vier britische Soldaten erlitten bei Explosionen in der südirakischen Stadt Basra Verletzungen. Was die Explosionen auslöste, war zunächst unklar. Bereits am Sonntag kam ein US-Soldat im nordirakischen Beidschi bei der Explosion einer Landmine ums Leben.

In Zusammenhang mit dem Anschlag auf ein Hotel in Bagdad am Wochenende wurden jetzt mehrere Personen festgenommen. Das teilte ein Sprecher der Besatzungsmächte, Charles Heatly, mit. Einzelheiten nannte er nicht. "Bei dem Selbstmordanschlag auf das Hotel "Bagdad" waren am Sonntag acht Menschen ums Leben gekommen und mindestens 37 verletzt worden. In dem Gebäude sind Mitarbeiter der US-Zivilverwaltung und des Regierungsrats untergebracht. Vor dem Hotel detonierten fast zeitgleich zwei Fahrzeuge, nachdem amerikanische Soldaten und irakische Wachmänner auf sie geschossen hatten. Unklar war, ob beide Autos mit Sprengstoff beladen waren.

Eine bislang unbekannte Widerstandsgruppe drohte unterdessen, alle Mitglieder des von den USA eingesetzten Regierungsrats sowie Angehörige der Besatzungstruppen zu töten. "Wir sind entschlossen, gegen jeden Soldaten zu kämpfen, der in Irak ankommt, egal aus welchem arabischen oder nichtarabischen Land", hieß es in der Erklärung, die ein Vermummter auf einer Videoaufnahme verlas. Die CD-ROM ging AP in Falludscha zu. Die Gruppe nennt sich Brigaden des Heiligen Kriegs des Imams Ali Bin Abi Taleb. Der Namensgeber der Gruppe ist ein schiitischer Heiliger.



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