Britisch-argentinischer Eklat Cameron, Kirchner und das Falkland-Kuvert

Sie wollte ihm einen wichtigen Umschlag überreichen, er witterte einen PR-Trick - schon war der Eklat da. Der britische Premier Cameron und Argentiniens Präsidentin Kirchner sind beim G-20-Gipfel heftig aneinandergeraten. Auslöser waren - natürlich - die Falkland-Inseln.
Politiker Cameron, Kirchner: Streit um Umschlag in Mexiko

Politiker Cameron, Kirchner: Streit um Umschlag in Mexiko

Foto: Argentinean Presidency/ dpa

Los Cabos - Warum die diplomatische Etikette wahren, wenn sich der kurze Dienstweg anbietet? Offenbar mit diesem Vorsatz ist die argentinische Präsidentin Cristina Fernández Kirchner beim G-20-Gipfel auf den britischen Premier David Cameron zugegangen. Was folgte, war ein heftiges Wortgefecht über die Falkland-Inseln, das sich beide am Rand des Treffens in Mexiko lieferten.

Zuerst blieb es beim verbalen Schlagabtausch, dann zückte Kirchner laut dem britischen "Guardian" einen Umschlag - und versuchte vehement, Cameron diesen in die Hand zu drücken. Doch ihr britischer Kollege vermutete einen PR-Trick, schließlich war ein Kamerateam in der Nähe. Auch mit mehrfachen Anläufen scheiterte Kirchner, Cameron verweigerte konsequent die Annahme.

Danach setzte es einen heftigen Rüffel vom argentinischen Außenminister: "Nationen sind verpflichtet, miteinander zu sprechen. Wir haben einen Umschlag mit Papieren vorbereitet. Doch der Premier wollte ihn nicht annehmen", sagte Héctor Timerman nach dem Vorfall. Später bezeichnete er die Briten als "bekannteste Kolonialisten" überhaupt. Fragen von Journalisten, ob Kirchner das G-20-Treffen gezielt genutzt habe, um den Falkland-Konflikt anzusprechen, bezeichnete er als "Lüge".

Was sich genau in dem Kuvert befand, ist unklar. Der Umschlag war lediglich mit "Malvinas" gekennzeichnet, der spanischen Bezeichnung für die Falkland-Inseln.

Uno und Abstimmung sollen Inselstreit klären

30 Jahre nach Ende des Falkland-Kriegs beschäftigt die einsame Inselgruppe erneut die Vereinten Nationen. Großbritannien und Argentinien brachten ihren Streit in der vergangenen Woche zum Uno-Hauptquartier in New York und sprachen sich gegenseitig den Anspruch auf die dünn besiedelten Inseln im Südatlantik ab.

Die Inselgruppe knapp 400 Kilometer vor der Küste Argentiniens gehört zu Großbritannien, regiert sich aber selbst. Die Argentinier erheben seit Jahrzehnten Anspruch auf die rohstoffreichen Inseln, die von ihnen Malvinas genannt werden. 1982 hatte die damalige argentinische Militärjunta die Inselgruppe besetzt.

Der Falkland-Krieg zwischen Großbritannien und Argentinien, aus dem London als Sieger hervorging, dauerte 74 Tage und kostete etwa tausend Menschen das Leben. Der Streit um die Inseln entflammte neu, als dort jüngst große Ölfelder entdeckt wurden.

Ob die Bewohner der Insel lieber Briten bleiben wollen, soll im kommenden Jahr ein Referendum zeigen. Allerdings dürfte das Ergebnis feststehen, da die meisten Einwohner britischstämmig sind. Bei einer Umfrage in den achtziger Jahren hatten mehr als 90 Prozent der Bevölkerung für den Status eines autonomen britischen Überseegebiets gestimmt.

jok