Fall Binyam Mohamed Britische Polizei ermittelt gegen eigenen Geheimdienst

Sieben Jahre saß Binyam Mohamed unter Terrorverdacht in Guantanamo und Marokko in Haft - und wurde dabei nach eigener Aussage gefoltert. Seine Peiniger sollen ihre Verhörfragen direkt vom britischen Geheimdienst bekommen haben. Jetzt ermittelt die Polizei in dem Fall.


London - Die Polizei in Großbritannien startet eine Untersuchung zu einer möglichen Folterverstrickung des britischen Geheimdienst MI5. Auslöser sind Vorwürfe des ehemaligen Guantanamo-Häftlings Binyam Mohamed, denen zufolge er in der Gefangenschaft gefoltert worden und seine Peiniger vom britischen Geheimdienst mit Fragen versorgt worden seien. Die Generalstaatsanwaltschaft, die sich des Falls angenommen hatte, ordnete am Donnerstag die polizeilichen Ermittlungen an. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International begrüßte die Untersuchung.

Ex-Guantanamo-Häftling Mohamed: Vorwürfe gegen britischen Geheimdienst
AP

Ex-Guantanamo-Häftling Mohamed: Vorwürfe gegen britischen Geheimdienst

Angesichts der schwerwiegenden Vorwürfe erwartet die Generalstaatsanwaltschaft, dass die Untersuchung schnellstmöglich erfolge, hieß es in einer Mitteilung der Behörde. Mohamed (30) war der erste Guantanamo-Häftling, der nach dem Amtsantritt von US- Präsident Barack Obama das umstrittene Gefangenenlager verlassen konnte. Ende Februar war er in seine Wahlheimat Großbritannien zurückgekehrt.

"Der schlimmste Moment war, als ich begriff, dass meine Folterknechte in Marokko Fragen und Material vom britischen Geheimdienst bekamen", hatte Mohamed nach seiner Freilassung frühere Aussagen bekräftigt. "Die Leute, von denen ich gehofft hatte, dass sie mich retten würden, haben sich mit meinen Peinigern zusammengetan."

Mohamed hatte sieben Jahre in Gefangenschaft in mehreren Ländern verbracht, darunter vier Jahre im US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba. Er war 2002 in Pakistan festgenommen worden, weil die USA ihn verdächtigten, Terroranschläge verüben zu wollen. Nach eigener Darstellung wurde er anschließend in Marokko, Pakistan und Afghanistan in US-Gefangenschaft gefoltert, bis er die Terrorvorwürfe zugab. Vergangenes Jahr wurden alle Vorwürfe gegen ihn fallengelassen.

Mohameds Foltervorwürfe sind auch Kern eines Rechtsstreits vor einem Londoner Gericht: Mohamed hatte dort die Veröffentlichung von Akten beantragt, aus denen die Folterbeteiligung des britischen Geheimdienstes hervorgehen soll. Außenminister David Miliband hatte die Veröffentlichung abgelehnt, weil es sich bei den Akten um US- Geheimdienstinformationen handele, die nicht ohne Einverständnis der USA veröffentlicht werden dürften.

beb/dpa



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