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Fahndungserfolg Verdächtiger gesteht Beteiligung an Nemzow-Mord

Moskau präsentiert erste Ergebnisse bei den Ermittlungen zum Mord an Putin-Gegner Nemzow: Ein Verdächtiger habe gestanden, in die Tat verwickelt zu sein, erklärt eine russische Richterin.

Moskau - Eine russische Richterin meldet ein erstes Geständnis im Fall Nemzow: Der Verdächtige Zaur D. habe gestanden, an dem Mord an Kreml-Kritiker Boris Nemzow beteiligt gewesen zu sein. Die Richterin Natalja Muschnikowa habe angeordnet, dass der Verdächtige vorerst bis zum 28. April in Untersuchungshaft bleiben solle, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.

In den Mordermittlungen hatte die russische Polizei zuvor insgesamt fünf Verdächtige festgenommen. Das teilte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin, am Sonntag über Twitter mit. Mindestens drei von ihnen sollen aus dem islamisch geprägten Nordkaukasus stammen. Alle wurden am Sonntag der Haftrichterin vorgeführt. Der Vorwurf: Sie sollen an der Organisation und Ausführung der Tat beteiligt gewesen sein. Die vier übrigen Verdächtigen wiesen die Anschuldigungen nach Angaben des Gerichts zurück.

Details über die Verdächtigen gibt es bisher nur wenige: Zaur D. sei laut einem Behördensprecher in der Regionalhauptstadt Magas in der Teilrepublik Inguschetien gefasst worden, zitiert die Agentur Interfax. Zudem bezeichnete Ramzan Kadyrov, der Präsident der Teilrepublik Tschetschenien, Zaur D. in den sozialen Medien als "streng gläubig". Er habe sich durch die Mohammed-Zeichnungen der französischen Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" beleidigt gefühlt, soll Kadyrov auf seinem Instagram-Profil geschrieben haben. Auch russische Ermittler hatten vergangene Woche den Verdacht geäußert, dass das Attentat auf Nemzow etwas damit zu tun haben könnte, dass der Kreml-Kritiker die Hebdo-Zeichnungen verteidigt habe.

Sein Bruder Ansor G. sei auf dem Weg zu seiner Mutter im Norden von Inguschetien festgenommen worden. Beide sollen einen Hintergrund in den Sicherheitskräften haben, meldet die Nachrichtenagentur dpa. So soll Zaur D. rund zehn Jahre im Bataillon "Sewer", einer Spezialeinheit des tschetschenischen Innenministeriums, gearbeitet und einen Führungsposten innegehabt haben. Sein Bruder habe Berichten zufolge für eine private Sicherheitsfirma in Moskau gearbeitet.

Nemzow war am 27. Februar von einem Unbekannten in Sichtweite des Kreml erschossen worden. Die Ermordung des 55-jährigen Regierungskritikers löste in Russland und weltweit Bestürzung aus. Der frühere Vizeministerpräsident war einer der prominentesten Widersacher von Staatschef Wladimir Putin und ein entschiedener Kritiker der russischen Ukraine-Politik.

vek/Reuters/AFP/dpa
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