Fall Elián US-Regierung lädt kubanische Spielkameraden ein

Elián bekommt Unterstützung aus der Heimat. Die USA wollen vier kubanischen Spielgefährten des Flüchtlingsjungen die Einreise erlauben. Die Anwälte des US-Justizministeriums behaupten unterdessen, dass der Sechsjährige den in seinem Namen gestellten Asylantrag unmöglich verstanden haben könne.


Hat Elián González seinen Asylantrag selber geschrieben?
AP

Hat Elián González seinen Asylantrag selber geschrieben?

Washington/Miami - Die vier Kinder sollen jeweils von einem Elternteil oder einem anderen Familienmitglied begleitet werden und etwa zwei Wochen mit Elián verbringen dürfen, teilte US-Außenamtssprecher James Rubin mit. Damit werde einer Bitte von Eliáns Vater Juan González entsprochen.

Nach Angaben der Anwälte des Justizministeriums gibt es keine Hinweise darauf, dass Elián den vor einigen Wochen in seinem Namen eingereichten Asylantrag verstanden oder gar mit vorbereitet haben könnte. In einem 85-seitigen Schreiben erklärten die Vertreter des US-Justizministeriums gegenüber dem Berufungsgericht, dass es keinen Grund gebe, Elián gegen den Willen seines Vaters Asyl in den USA zu gewähren. Es gebe auch keinen Anlass, in dieser Frage den Willen von Eliáns Großonkel Lazaro González höher einzuschätzen als den Wunsch des Vaters, der mit seinem Sohn wieder nach Kuba zurückkehren will.

Elián und sein Vater haben unterdessen ihre Bleibe auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews bei Washington verlassen und sind zu einem geheim gehaltenen Ort gebracht worden. Gerüchten zufolge handelt es sich um das idyllische Erholungsgebiet Wye River in Maryland.

Ein Berufungsgericht in Atlanta hatte vergangene Woche entschieden, dass Elián vorerst in den USA bleiben muss, bis in dem Berufungsverfahren das Urteil gesprochen wurde. Die Angehörigen in Miami pochen darin auf Eliáns Recht auf Asyl und eine Anhörung darüber. Die Anhörung in dem Fall ist für den 11. Mai angesetzt. Das komplizierte Verfahren kann sich über Monate hinziehen.

Justizministerin Reno verteidigte unterdessen erneut die Entscheidung, Elián mit Gewalt aus dem Haus der Verwandten in Miami zu holen. Nach dem Scheitern der monatelangen Verhandlungen habe es keine Alternative gegeben. Sie wandte sich in Fernsehinterviews gegen die Kritik, die Einsatzkräfte hätten nicht schwer bewaffnet in das Haus eindringen müssen. Es habe Hinweise gegeben, dass in dem Haus Waffen waren, sagte Reno. In der Presse hieß es, Eliáns Cousine, Marisleysis González, soll gedroht haben, es gebe in dem Haus nicht nur Kameras.

Führende Republikaner hatten empört auf den Blitzeinsatz am Samstag reagiert und der Clinton-Regierung "Castro-Methoden" vorgeworfen. Der Fall beschäftigt bereits den Rechtsausschuss des US-Repräsentantenhauses. Der republikanische Vorsitzende des Gremiums, Henry Hyde, leitete eine Voruntersuchung über das Vorgehen ein.

Führer der 800.000 Exilkubaner in Miami riefen für Dienstag zu einem Generalstreik auf. Das öffentliche Leben sei jedoch weitestgehend unbeinträchtig geblieben, berichteten die Behörden von Miami. Der Betrieb von Schulen, des internationalen Flughafens, Polizei und Feuerwehr sei ungestört. Einzig ein paar Geschäfte, Banken, Supermärkte und ein McDonald's sowie zahlreiche andere Restaurants seien in "Little Havanna" geschlossen gewesen.



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