Fall Khashoggi Türkischer Außenminister attackiert Trump

"Geld ist nicht alles": Der türkische Außenminister Cavusoglu erhebt schwere Vorwürfe gegen US-Präsident Trump. Der verschließe im Fall Khashoggi die Augen.

Mevlüt Cavusoglu
AP

Mevlüt Cavusoglu


Die türkische Regierung attackiert US-Präsident Donald Trump wegen seines Verhaltens im Fall Khashoggi. Hintergrund ist Trumps Bekenntnis zum Verbündeten Saudi-Arabien. "In gewisser Weise sagt er: 'Ich werde die Augen verschließen'", kritisierte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu beim Sender CNN Türk. "Geld ist nicht alles", fügte er mit Blick auf die milliardenschweren US-Rüstungslieferungen an Saudi-Arabien hinzu.

Auch für die Türkei sei Saudi-Arabien ein "wichtiges Land", sagte Cavusoglu. "Aber wir haben es hier mit einem grausamen Mord zu tun."

Trump hält zum saudi-arabischen Regime - trotz zunehmender Indizien auch seiner eigenen Geheimdienste, wonach die Regierung in Riad in die Tötung des saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggis verwickelt ist. Der Kronprinz Mohammed bin Salman habe zwar möglicherweise "Kenntnis" von der Tat gehabt, sagte der US-Präsident am Dienstag, fügte aber sogleich hinzu: "Vielleicht hatte er dies und vielleicht auch nicht." Die USA würden weiter ein "unverbrüchlicher Partner Saudi-Arabiens" bleiben.

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Khashoggi war am 2. Oktober verschwunden, nachdem er das saudi-arabische Konsulat in Istanbul betreten hatte. Erst nach wochenlangem internationalem Druck gab die Führung in Riad schließlich zu, dass der Journalist von Agenten des Königreichs getötet wurde.

Cavusoglu kündigte an, dass sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Rande des G20-Gipfels Ende kommender Woche womöglich mit dem saudischen Thronfolger treffen werde. Nach einem Telefonat zum Fall Khashoggi wäre dies die erste persönliche Begegnung zwischen Erdogan und Prinz Mohammed seit dem Tod des Journalisten.

cte/AFP

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BäckerGeselle42 23.11.2018
1. Schon praktisch
Wäre es nicht so offensichtlich, dass der saudische Kronprinz tatsächlich die Ermordung Kashoggis "auf den Weg gebracht hat", man könnte tatsächlich glauben, hier liege eine türkische Verschwörung vor. Es ist schon bemerkenswert, wie sich die Türkei jetzt als Verteidiger von Recht, Moral und Anstand aufspielen kann. Keine Rede ist mehr vom massiven Unrecht, dass die türkische Regierung, allen voran ihr Präsident selbst zu verantworten hat. Aber so ist das eben: wer sich wie MbS für unantastbar hält ... landet manchmal ganz schnell auf der Fresse. Das wird auch den Autokraten in der Türkei irgendwann wieder passieren.
Luscinia007 23.11.2018
2.
Zitat von BäckerGeselle42Wäre es nicht so offensichtlich, dass der saudische Kronprinz tatsächlich die Ermordung Kashoggis "auf den Weg gebracht hat", man könnte tatsächlich glauben, hier liege eine türkische Verschwörung vor. Es ist schon bemerkenswert, wie sich die Türkei jetzt als Verteidiger von Recht, Moral und Anstand aufspielen kann. Keine Rede ist mehr vom massiven Unrecht, dass die türkische Regierung, allen voran ihr Präsident selbst zu verantworten hat. Aber so ist das eben: wer sich wie MbS für unantastbar hält ... landet manchmal ganz schnell auf der Fresse. Das wird auch den Autokraten in der Türkei irgendwann wieder passieren.
Aber es ist schon bemerkenswert, dass Autokratien wie die Türkei dem Präsidenten der Vereinigten Staaten die Leviten lesen können und dabei noch voll im Recht sind. Dazu noch einen Präsidenten, der von einer Pornodarstellerin verklagt wurde^ How low can Trump go? Ich schätze, wir werden da noch ungeahnte moralische Tiefen und Abgründe erforschen, und in Galaxien vordringen, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat.
g.eliot 23.11.2018
3. How to get away with murder?
Leon Panetta, der ehemalige Verteidigungsminister und Chef der CIA hat das neulich ähnlich formuliert: "The President may talk about America first, but essentially he's saying that America is for sale to the highest bidder." Die Kehrseite: Wer "nichts" für die Amerikaner tut, muss halt einen teuren Preis zahlen, für America First! Ja, es geht um Siegen und um Geld, aber vor allem Dingen geht es um das zerbrechliche Ego. Nirgends wurde Trump so gekonnt hofiert, wie in Saudi-Arabien -- neben Polen das erste Reiseziel seiner Amtszeit. Richtig unterwürfig hat er sich bei den Saudis inzwischen in einem Tweet für die Reduzierung des Ölpreises bedankt, obwohl die nur 13% des Welthandels von Öl produzieren. Ja, das liebe Ego. Es passt dazu hervorragend, dass Trump zu Thanksgiving bei sich selbst bedankt hat, für seine hervorragenden Leistungen, u.a. mit den Worten: "I made a tremendous difference in the country. This country is so much stronger now than it was when I took office that you wouldn't believe it. I mean, you see it, but so much stronger that people can't even believe it. When I see foreign leaders, they say we cannot believe the difference in strength between the United States now and the United States two years ago." Wer zu solchen Worten Beifall klatscht, dem ist das Wohlwollen des POTUS garantiert. Es geht so weit, dass "Freunde" wie Saudi-Arabien wortwörtlich: They get away with murder.
BäckerGeselle42 23.11.2018
4. Wohl wahr ...
Zitat von Luscinia007Aber es ist schon bemerkenswert, dass Autokratien wie die Türkei dem Präsidenten der Vereinigten Staaten die Leviten lesen können und dabei noch voll im Recht sind. Dazu noch einen Präsidenten, der von einer Pornodarstellerin verklagt wurde^ How low can Trump go? Ich schätze, wir werden da noch ungeahnte moralische Tiefen und Abgründe erforschen, und in Galaxien vordringen, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat.
Er ist ja jetzt schon am abdrehen. Wie wird das erst in ein 3 Monaten, wenn die Demokraten in den diversen Ausschüssen den Vorsitz haben und anfangen, Vorladungen zu allen möglichen Themen zu verschicken? Oder in zwei Jahren, wenn (so Gott will) ein guter Kandidat bei den Demokraten ins Rennen geht, und Trump's Chancen auf die Wiederwahl so richtig in den Keller gehen? Würde mich pers. nicht wundern, wenn wir spätestens in 12 Monaten erleben, dass die USA aus nichtigen Gründen den Iran angreifen "muss".
f.j.l. 23.11.2018
5. Realsatire....
at it's best. Leider nur nicht lustig. Den Ausführungen meiner Vorforisten kann ich nur beipflichten. Eigentlich bin ich kein Pessimist. Aber mich beschleicht immer mehr das Gefühl, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis hier alles den Bach runter geht. Und das in großem Stil, sprich, dass "Mutter Natur" den Besen auspackt. Dann wird auch für den Größten Präsidenten aller Zeiten - dafür halten sich ja immer mehr - klar, dass man Geld nicht essen kann (um sich an das indianische Sprichwort abzulehnen). Wie schon geschrieben, ich bin alles andere als ein Weltuntergangsprophet. Aber auch kein Realitätsverweigerer.
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