Fall Khashoggi Trump schwört Saudi-Arabien die Treue

Ist Saudi-Arabiens Kronprinz in den Mord an Jamal Khashoggi verwickelt? Möglich, meint Donald Trump - für den US-Präsidenten steht dennoch fest, dass sein Land ein "unverbrüchlicher Partner" von Riad bleiben wird.

Bin Salman und Trump (Archivaufnahme)
AP

Bin Salman und Trump (Archivaufnahme)


US-Präsident Donald Trump steht trotz der Ermordung des saudi-arabischen Journalisten und Regierungskritikers Jamal Khashoggi zum Herrscherhaus in Riad. Die USA blieben ein "unverbrüchlicher Partner" Saudi-Arabiens, stellte Trump in Washington klar.

Die Untersuchungen der US-Geheimdienste zu dem gewaltsamen Tod Khashoggis in Istanbul dauern nach Angaben des US-Präsidenten an. Er halte eine Mitwisserschaft des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman in dem Fall zwar für möglich, aber nicht für bewiesen. "Es könnte sehr gut sein, dass der Kronprinz Kenntnis von diesem tragischen Vorfall hatte - vielleicht hatte er das und vielleicht hatte er das nicht!", hieß es in einer Mitteilung Trumps.

Allerdings wären all die Fakten rund um dieses "inakzeptable und fürchterliche Verbrechen" vielleicht niemals ans Licht gekommen, fügte der US-Präsident hinzu. US-Zeitungen hatten am Freitag berichtet, der US-Geheimdienst CIA gehe davon aus, dass Prinz Mohammed die Ermordung Khashoggis in Auftrag gegeben habe.

Verbündeter gegen Iran

Khashoggi war am 2. Oktober in das saudische Konsulat im Istanbuler Stadtviertel Besiktas gegangen, um Papiere für seine geplante Hochzeit abzuholen, aber nicht mehr herausgekommen. Saudi-Arabien hatte erst nach massivem internationalem Druck eingeräumt, dass der Regierungskritiker dort getötet wurde.

Trump verwies erneut auf die Rolle Saudi-Arabiens als Verbündeter der USA gegen Iran und als Wirtschaftspartner. Das Königreich sei ein "großartiger Partner in unserem sehr wichtigen Kampf gegen Iran" gewesen, hob er hervor.

Durch die von Riad zugesagten Investitionen in den USA in Höhe von 450 Milliarden Dollar (395 Milliarden Euro) würden Hunderttausende Arbeitsplätze geschaffen. Auch habe sich Riad sehr kooperativ in den Anstrengungen verhalten, die Ölpreise zu begrenzen, betonte der US-Präsident.

Pompeo verteidigt Trump-Kurs

Riad hatte Berichte zu einer Verstrickung von Mohammed bin Salman erst am Montag erneut vehement zurückgewiesen. "Wir im Königreich wissen, dass solche Behauptungen gegen den Kronprinzen völlig falsch sind", sagte der saudische Außenminister Adel al-Dschubair der von Saudi-Arabien finanzierten Tageszeitung "Al-Sharq al-Awsat". König Salman und der Thronfolger seien eine "rote Linie", warnte Al-Dschubair. "Wir werden keine Versuche zulassen, sie anzutasten, von wem auch immer und unter welchem Vorwand auch immer." Bei den Vorwürfen handele es sich um Medienberichte, Offizielles aus den USA gebe es dazu nicht.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu traf sich am Dienstag mit seinem US-Kollegen Mike Pompeo in Washington. Pompeo sagte danach, die beiden hätten über den Fall Khashoggi gesprochen. Pompeo verteidigte Trumps Saudi-Arabien-freundlichen Kurs und betonte, die Beziehungen zu dem Land seien wesentlich für die Sicherheit der USA. "Das ist eine gemeine, böse Welt da draußen", sagte er. Und Saudi-Arabien sei ein wichtiger Partner.

Pompeo sagte, die US-Regierung habe große Anstrengungen unternommen, um den Fall Khashoggi aufzuklären und eine "starke Antwort" gegeben - durch die Sanktionen gegen jene, die in die Tötung des Journalisten involviert gewesen seien. An erster Stelle stehe aber für die Regierung, für Sicherheit und Wohlergehen der Amerikaner zu sorgen.

als/kry/dpa/AFP



insgesamt 55 Beiträge
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lasorciere 20.11.2018
1.
Na, da bin ich aber mal neugierig. Vor ca. 2 Wochen gab es eine Veröffentlichung im Federal Register, dass ein Vorschlag des Senats eingebracht wurde, gegen Saudi Arabien ein Embargo zu verhängen. Wenn es vom Senat kommt, geht es meist schneller, als wenn der Vorschlag vom Repräsentantenhaus käme. Man darf gespannt sein.
meinungsmacher 20.11.2018
2. Absolut klar, denn...
...die Attitüde der USA (und vieler anderer Staaten) basierte noch nie auf Moral, sondern leider schon immer auf Macht- und Profitgewinn pur. Dafür gingen sie auch schon immer über Leichen und, wenn es viel Macht und Gewinn verspricht, auch über viele Leichen!
skeptikerjörg 20.11.2018
3. Geschäft ist eben Geschäft
Sowohl zwischen den USA und Saudi-Arabien als auch zwischen dem Trump-Geschäftsimperium gibt es enge wirtschaftliche und finanzielle Beziehungen. Sollen die etwa gestört werden? Außerdem, wer den Iran in die Knie zwingen will, braucht Saudi-Arabien als strategischen Partner. Selbst das Wissen, dass die Attentäter von 9/11 aus Saudi-Arabien stammten, hat nichts an den engen Bindungen der USA zu Saudi-Arabien geändert. Nicht unter Busch, nicht unter Clinton, nicht unter Obama. Und auch Trump wird an den engen Bindungen nicht rütteln.
shardan 20.11.2018
4. Was soll er auch machen?
Schließlich lebt sein Immo-Imperium vermutlich von den Geldern der Saudi's. Sein Schwiegersohn hat enge Verbindungen zum saudischen Kronprinz, SA ist ein wichtiger Waffenkunde der USA. Schon aus reinem privaten Eigennutz wird Trump nichts unternehmen, von seiner Attitüde gegenüber anderen diktatorischen Machthabern mal ganz zu schweigen. Wen interessiert da schon ein toter Journalist?
Interzoni 20.11.2018
5. "Tragischer Vorfall"
Aber Hillary muss ins Gefängnis... Wie kann man sich nur mit so einer Mord-Clique gemein machen, deren einzige Existenzgrundlage das flüssige Gold ist, auf dem sie zufällig sitzen. Wann kommt denn endlich die x-mal angekündigte Veröffentlichung der Beweisaufnahme?
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