Medienbericht Saudi-Arabien soll Sonderkommando zur Dissidentenjagd unterhalten

Überwachen, entführen, foltern: Saudi-Arabien geht laut einem Bericht der "New York Times" mit einer Spezialeinheit gegen Dissidenten vor. Sie soll auch am Mord des Regimekritikers Khashoggi beteiligt gewesen sein.

Saudi-arabisches Konsulat in Istanbul
AP

Saudi-arabisches Konsulat in Istanbul


Der in Istanbul ermordete oppositionelle Journalist Jamal Khashoggi ist nach Informationen der "New York Times" offenbar Opfer einer Sondereingreiftruppe Saudi-Arabiens geworden. Deren Aufgabe ist es demnach, weltweit nach Dissidenten zu fahnden, diese einzuschüchtern und sie gegen ihren Willen nach Saudi-Arabien zurückzubringen.

Die Zeitung berichtet, der mächtige Thronfolger Saudi-Arabiens, Mohammed bin Salman, habe mehr als ein Jahr vor Khashoggis Ermordung eine Geheimaktion genehmigt, um Regierungskritiker zum Schweigen zu bringen.

Im Zuge dieser Aktion wurden die Dissidenten dem Bericht zufolge überwacht, entführt, festgenommen und gefoltert. Die Zeitung beruft sich auf US-Vertreter, die als geheim eingestufte Berichte über den Fall ausgewertet haben. In Washington ist demnach von einer saudi-arabischen "schnellen Eingreiftruppe" die Rede.

Khashoggi war am 2. Oktober im Konsulat Saudi-Arabiens in Istanbul von einem extra angereisten Kommando ermordet worden. Unter internationalem Druck gab Riad nach wochenlangen Dementis schließlich zu, dass der Regierungskritiker bei einem missglückten Einsatz zu seiner Festnahme getötet worden sei. In Saudi-Arabien müssen sich mittlerweile elf Verdächtige wegen des Mordes vor Gericht verantworten.

"Schnelle Eingreiftruppe" soll auch gegen andere Regimekritiker vorgegangen sein

Nach Darstellung der Führung in Riad ordneten der inzwischen entlassene Vizegeheimdienstchef Ahmed al-Asiri und der königliche Medienberater Saud al-Qahtani den Einsatz gegen Khashoggi an. Diese Darstellung wird aber international angezweifelt - viele verdächtigen Kronprinz bin Salman, der wahre Auftraggeber zu sein.

Dem Bericht der "New York Times" zufolge wurden auch einige der Einsätze gegen andere Regierungskritiker von demselben Team ausgeführt, das Khashoggi tötete und seine Leiche zerstückelte. Das Kommando war demnach auch an der Festnahme und Misshandlung bekannter Frauenrechtsaktivistinnen im vergangenen Jahr beteiligt.

Die "schnelle Eingreiftruppe" wurde dem Bericht zufolge von Kronprinz bin Salman genehmigt und von seinem Berater Qahtani betreut. In welchem Umfang der Kronprinz selbst involviert war, wird in den US-Dokumenten demnach nicht ausgeführt. Qahtani sei von den beteiligten Agenten aber als "Kanal" zum Kronprinzen angesehen worden.

Saudi-arabische Regierungsvertreter wollten den Bericht weder bestätigen noch dementieren und der "New York Times" keine Fragen zur Arbeit des Teams beantworten. Die saudi-arabische Botschaft in Washington äußerte sich zunächst nicht.

cht/mst/AFP



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