Fall Litwinenko Radioaktive Spuren in zwei Flugzeugen

Die Affäre um den Gifttod von Ex-Spion Litwinenko wird immer rätselhafter. Scotland Yard fand nun auch an Bord von zwei British-Airways-Flugzeugen Spuren einer radioaktiven Substanz. Die Maschinen flogen auf der Route London-Moskau. Ein verdächtiges Flugzeug wurde auch auf Flügen nach Deutschland eingesetzt.


London - Es handelt sich nach Informationen der BBC bei den radioaktiven Spuren um Polonium 210. An den Folgen einer Vergiftung mit Polonium 210 war Litwinenko am vergangenen Donnerstag gestorben. Seither wurden Spuren davon an mehreren Orten in London festgestellt.

British Airways-Flugzeuge in London-Heathrow (im August 2005)
REUTERS

British Airways-Flugzeuge in London-Heathrow (im August 2005)

An Bord der beiden Maschinen nur "sehr niedrige" radioaktive Spuren entdeckt worden, teilte British Airways mit. Das Risiko für Unbeteiligte sei "gering". Die zwei Flugzeuge vom Typ Boeing 767 seien aber ebenso wie eine dritte verdächtige Maschine vorsichtshalber außer Betrieb genommen worden. Nach Informationen der BBC stehen zwei der Maschinen nun auf dem Flughafen London-Heathrow, eine in Moskau. Eine der Maschinen wurde auch bei Flügen nach Deutschland eingesetzt. Alle drei Maschinen waren auf der Strecke London-Moskau im Einsatz.

Die Fluggesellschaft bat zugleich die Passagiere von vier Flügen in der Zeit vom 25. Oktober bis 3. November, sich mit ihr in Verbindung zu setzen. Insgesamt sind von diesem Appell bis zu 800 Menschen betroffen.


Klicken Sie auf die Grafik, um mehr über die Theorien zu Litwinenkos Tod zu erfahren:

Spuren von Polonium 210 waren zuvor schon an sieben Stellen in London gefunden worden. Dabei handelte es sich jedoch stets um Orte, an denen sich Litwinenko seit Anfang November persönlich aufhielt. Auf Flugreisen war er nach bisherigem Kenntnisstand in dieser Zeit jedoch nicht.

Die Gefahr für die Umgebung wird von Experten nach den Funden als äußerst gering eingeschätzt. Denn Polonium 210 hat nur eine ganz geringe Strahlung. Erst wenn die Substanz in den menschlichen Körper gelangt, wird sie hochgiftig.

Scotland Yard kommt bei den Ermittlungen zum Gifttod von Litwinenko bislang nur schleppend voran. Aufschluss erhoffen sich die Ermittler von der Obduktion des Leichnams, die am Freitag beginnen soll. Bislang ist noch immer nicht geklärt, wann und wie genau die radioaktive Substanz in Litwinenkos Körper kam. Als wahrscheinlichster Termin für einen Giftanschlag gilt der 1. November. An diesem Tag traf sich der ehemalige russische Geheimagent in London mit verschiedenen Kontaktmännern aus Russland und Italien.

als/AFP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.