Fall Rami M. Verhafteter Islamist wollte zur deutschen Botschaft

Wende im Fall Rami M.: Der in Pakistan festgenommene Islamist mit deutschem Pass war nach SPIEGEL-Informationen auf dem Weg zur Botschaft in Islamabad. Seine Frau erhebt schwere Vorwürfe gegen die Vertretung.
Sicherheitskräfte in Pakistan: Polizei war über Botschaftsbesuch informiert

Sicherheitskräfte in Pakistan: Polizei war über Botschaftsbesuch informiert

Foto: Dita Alangkara/ AP

Hamburg - Der vorige Woche in Pakistan verhaftete Deutsch-Syrer Rami M. wollte offenbar zurück nach Deutschland. Das hatte er nach SPIEGEL-Informationen sowohl seiner Familie in Deutschland als auch der deutschen Botschaft in Islamabad angekündigt. Die Diplomaten bat er in einem Telefonat am 15. Juni um Ersatz für seinen verlorengegangenen Reisepass und seinen Führerschein.

Die Botschaftsmitarbeiter vereinbarten mit M. einen Termin für Montag, den 21. Juni, und statteten ihn sogar mit einem Begleitschreiben aus. Darin baten sie "alle Behörden, jede Form von Unterstützung zu gewährleisten".

Islamischen Bewegung Usbekistans

Über den geplanten Botschaftstermin entzündete sich in Berlin Streit zwischen Auswärtigem Amt und Bundesinnenministerium. Während die Diplomaten den Termin stattfinden lassen wollten, warnten die Innen-Ministerialen dringend davor, den Mann auf das Botschaftsgelände vorzulassen. Deutsche wie pakistanische Ermittler sind überzeugt, dass er sich in einem Terrorlager der ausbilden ließ und dort den Bau von Sprengstoffwesten gelernt habe. Auch soll M. gegen Nato-Truppen gekämpft haben.

Rami M. gilt als Gefährder

Während die Botschaft das Geleitschreiben für den Weg nach Islamabad verschickte, informierte das dem deutschen Innenministerium unterstellte Bundeskriminalamt am 19. Juni die pakistanische Polizei über den bevorstehenden Botschaftsbesuch. Auch der pakistanische Geheimdienst habe "einen Hinweis gehabt, dass hochrangige Aktivisten in die Region um die Stadt Bannu" kämen, sagte ein zuständiger pakistanischer Polizist.

Die Familie von Rami M. will nun wissen, ob die Deutschen dafür verantwortlich sind, dass er sich in Gewahrsam des pakistanischen Geheimdienstes ISI befindet. Er habe davor Angst gehabt und sich lieber in Deutschland den Vorwürfen gegen ihn stellen wollen. Seine Frau wirft der deutschen Botschaft Verrat vor. M. gilt den deutschen Ermittlern seit seinem plötzlichen Verschwinden aus Hamburg im März 2009 als Gefährder.

Die Generalbundesanwältin sucht ihn wegen des Verdachts auf Mitgliedschaft in der Terrororganisation Islamische Bewegung Usbekistans international mit Haftbefehl. Gegenüber seinem Vater soll er im Dezember 2009 von einem Gewaltmarsch durch die Berge mit einer Panzerabwehrrakete berichtet haben; seiner Frau schrieb er im Januar, er wolle als Märtyrer im Kampf sterben.

mik
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