Vergeltung im Fall Skripal Russland weist 60 US-Diplomaten aus und schließt US-Konsulat

Der Kreml übt Vergeltung im Fall Skripal: Das US-Konsulat in Sankt Petersburg werde geschlossen, kündigte Außenminister Lawrow an. 60 amerikanische Diplomaten müssen das Land verlassen.
Sergej Lawrow

Sergej Lawrow

Foto: Pavel Golovkin/ dpa

Im Streit über den Giftanschlag auf den russischen Ex-Agenten Sergej Skripal hat Russlands Außenminister Sergej Lawrow die Schließung des US-Konsulates in Sankt Petersburg angekündigt. Außerdem werde Russland 60 amerikanische Diplomaten ausweisen. 58 von ihnen leben in Moskau, zwei in Jekaterinburg. Der US-Botschafter in Moskau sei ins Außenministerium einbestellt worden, wo ihn Vizeminister Sergej Rjabkow über die russischen Maßnahmen informiere.

Zudem sollen auch Diplomaten anderer Staaten das Land verlassen müssen. Bis zum 5. April müssen sie aus Russland ausreisen. Das US-Konsulat muss schon innerhalb von zwei Tagen geräumt werden. "Fürs Erste ist das alles", sagte der Minister.

Mit einer solchen Maßnahme war gerechnet worden: Vertreter des russischen Parlaments und des Außenministeriums hatten betont, dass die Antworten symmetrisch ausfallen würden: Für jeden russischen Diplomaten, den ein Land ausweist, werde auch Moskau einen Vertreter des betreffenden Staates vor die Tür setzen.

Polizisten vor dem US-Konsulat in Sankt Petersburg

Polizisten vor dem US-Konsulat in Sankt Petersburg

Foto: ANTON VAGANOV/ REUTERS

Als Reaktion auf den Fall des vergifteten früheren russischen Doppelagenten Sergej Skripal hatten weltweit 27 Staaten russische Diplomaten ausgewiesen, darunter auch Deutschland, Frankreich und die USA.

Skripal und seine Tochter waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der Innenstadt von Salisbury entdeckt worden. Beide fielen daraufhin ins Koma. Die britischen Ermittler gehen davon aus, dass sie mit dem in der früheren Sowjetunion entwickelten Kampfstoff Nowitschok vergiftet wurden.

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Die beiden wurden offenbar zu Hause vergiftet. Das teilte die britische Polizei mit. Demnach wurde die höchste Konzentration des Gifts an der Tür des Wohnhauses von Sergej Skripal gefunden. Russland streitet jegliche Verantwortung für den Anschlag ab.

Am Donnerstag gab das Krankenhaus in Salisbury bekannt, Julia Skripal gehe es besser, ihr Vater befinde sich noch immer in einem kritischen Zustand.

Angesichts der wachsenden Spannungen zwischen Russland und der westlichen Welt warnte Uno-Generalsekretär António Guterres vor einer Art neuem Kalten Krieg. Vorsichtsmaßnahmen wie damals seien wieder notwendig, sagte Guterres in New York.

als/Reuters
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